Stellenabbau trotz Gewinne: VW plant weltweit 50.000 Stellen
Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Volkswagen, Ubisoft und Microsoft planen Tausende Stellenstreichungen. Arbeitnehmervertreter kritisieren die Maßnahmen scharf.
Volkswagen-Chef nennt konkrete Zahlen
Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, hat am Wochenende erstmals konkrete Zahlen zu einem möglichen Personalabbau genannt. Bleiben die Arbeitskosten unverändert, stünden weltweit rund 50.000 Stellen auf der Kippe. Besonders die Verwaltungskosten liegen laut Blume etwa 20 Prozent über dem Branchendurchschnitt.
Der Konzern will die Umsatzrendite von knapp 3 Prozent auf 8 bis 10 Prozent steigern. Bereits zuvor waren für Deutschland bis 2030 Streichungen von 50.000 Arbeitsplätzen angekündigt – 35.000 davon allein bei der Kernmarke. Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm gelten als gefährdet.
Der Betriebsrat und die IG Metall haben bereits Widerstand angekündigt. VW beschäftigt weltweit rund 622.900 Mitarbeiter, davon etwa 284.000 in Deutschland. 2025 erwirtschaftete der Konzern einen Gewinn von 6,9 Milliarden Euro.
Ubisoft entlässt trotz Verkaufserfolg
Ähnliche Widersprüche zeigt die Gaming-Branche. Ubisoft feiert mit „Assassin's Creed Black Flag Resynced“ einen großen Erfolg – über 3 Millionen verkaufte Exemplare seit dem 9. Juli, allein am ersten Tag 35 Millionen Euro Umsatz. Dennoch streicht das Unternehmen Stellen.
In San Francisco fielen 93 Jobs weg, die Standorte Winnipeg und Belgrad wurden geschlossen. Insgesamt sind rund 380 Arbeitsplätze betroffen. In Barcelona traten 51 entlassene Mitarbeiter in den Streik.
Auch Microsoft plant drastische Einschnitte: Bis Ende des Geschäftsjahres 2027 sollen 3.200 Stellen in der Gaming-Sparte wegfallen – rund 20 Prozent der Belegschaft. Die ersten 1.600 Entlassungen erfolgten bereits im Juli.
Angesichts massiver Umstrukturierungen und Stellenstreichungen ist es für Arbeitnehmervertreter entscheidend, ihre Mitbestimmungsrechte bei Interessenausgleich und Sozialplan genau zu kennen. Dieser kostenlose Ratgeber liefert das nötige Wissen, um bei Entlassungswellen faire Bedingungen für die Belegschaft zu verhandeln. Kostenlosen Ratgeber für Sozialplan-Verhandlungen herunterladen
KI als Vorwand für Entlassungen?
Künstliche Intelligenz dient vielen Konzernen als Begründung für den Personalabbau. Unternehmensberater beobachten jedoch, dass KI-Implementierungen häufig als Vorwand für ohnehin geplante Streichungen genutzt werden.
2026 wurden bereits 101.743 KI-bedingte Entlassungen angekündigt, darunter 21.000 bei Oracle, 20.000 bei Citi und 16.000 bei Amazon. OpenAI-Chef Sam Altman kritisierte, dass Konzerne die Technologie als Rechtfertigung missbrauchten.
Juristische Auseinandersetzungen nehmen zu. Bei Meta wehren sich 26 Mitarbeiter gerichtlich gegen ihre Entlassung. Sie werfen dem Konzern vor, KI-gestützte Bewertungstools einzusetzen, die diskriminierend wirkten. Ein Bundesrichter verwies den Fall Mitte Juli in ein Schiedsverfahren.
Druck auf Mittelstand und Handel
Auch die mittelständische Wirtschaft leidet. Eine Sonderauswertung des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags vom 18. Juli zeigt: Fast jedes vierte bayerische Unternehmen plant Stellenabbau. In der Industrie sieht sich sogar jeder dritte Betrieb dazu gezwungen. Als Hauptrisiko nennen 58 Prozent die hohen Arbeitskosten.
Im Einzelhandel setzt sich die Konsolidierung fort. Die Kodi Handels GmbH hat einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt. Von den verbliebenen 150 Filialen sollen rund 50 geschlossen werden. Die Löhne sind bis September gesichert, doch Experten raten zu einer kritischen Überprüfung des Geschäftsmodells.
Wenn der Druck auf Unternehmen wächst und Arbeitsplätze bedroht sind, müssen Betriebsräte ihre Kontrollrechte voll ausschöpfen, um die wirtschaftliche Lage objektiv bewerten zu können. Erfahren Sie in diesem Gratis-Guide, wie Sie den Wirtschaftsausschuss nach § 106 BetrVG als effektives Werkzeug nutzen, um Transparenz von der Geschäftsleitung einzufordern. Gratis-Guide mit 25 Fragen an die Geschäftsleitung sichern
Konflikt bei Playmobil eskaliert
Für Aufsehen sorgt ein Konflikt bei Playmobil. Das Unternehmen kündigte dem Betriebsratschef Michael Ulbrich fristlos, nachdem das Werk in Dietenhofen Ende Juni geschlossen worden war. Die Unternehmensleitung spricht von schwerwiegenden Pflichtverletzungen.
Die Gewerkschaft IGBCE wertet den Vorgang als Tabubruch. Die Produktion soll künftig verstärkt in Malta und Tschechien erfolgen.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
