Stellenabbau, Kürzungen

Stellenabbau: 60 Prozent der Unternehmen planen Kürzungen bis Ende 2026

30.06.2026 - 06:18:32 | boerse-global.de

Eine Studie zeigt: Die Mehrheit deutscher Unternehmen plant bis 2026 Personalreduzierungen. Besonders Autoindustrie und Maschinenbau sind betroffen.

Studie: 60% der Firmen planen Stellenabbau bis Ende 2026
Stellenabbau - Hände halten einen Taschenrechner mit einer negativen Zahl und liegen auf einem Stapel Euro-Banknoten, unscharfer Bürohintergrund. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das zeigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Horváth. Besonders betroffen sind die Automobilindustrie, der Maschinenbau und die Bauwirtschaft. Insgesamt könnten in der Industrie 100.000 Arbeitsplätze verloren gehen.

Automobilsektor unter massivem Sparzwang

Die Krise in der Autobranche hat sich zuletzt verschärft. Volkswagen hält den bisher vereinbarten Stellenabbau offenbar für unzureichend. Im Gespräch ist eine Reduzierung um bis zu 100.000 Arbeitsplätze sowie die Schließung von vier Werken. Der Betriebsrat und die IG Metall kündigten bereits Widerstand an. Eine Entscheidung könnte auf der Aufsichtsratssitzung am 9. Juli vorbereitet werden.

Auch Mercedes steckt in der Krise. Der Gewinn brach 2025 um 57 Prozent auf 5,82 Milliarden Euro ein. Das Unternehmen fordert nun unbezahlte Mehrarbeit – konkret eine Ausweitung der Arbeitszeit auf 35 Stunden pro Woche. BMW senkte seine Margenprognose auf 1 bis 3 Prozent und plant den Abbau von rund 7.700 Stellen. Hauptursachen: schwacher Absatz in China, US-Zölle und hohe Energiekosten.

Rechtliche Hürden bei Gehaltskürzungen

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Viele Arbeitgeber prüfen Möglichkeiten zur Senkung der Personalkosten. Juristisch ist das jedoch kompliziert. Eine einseitige Kürzung des vertraglich vereinbarten Gehalts ist unzulässig. Jede Änderung der Vergütung braucht die Zustimmung des Arbeitnehmers, so Paragraph 611a BGB.

Kommt keine Einigung zustande, bleibt nur die Änderungskündigung nach Paragraph 2 KSchG. Dabei wird das bestehende Arbeitsverhältnis beendet – gleichzeitig bietet der Arbeitgeber eine Fortsetzung zu neuen Bedingungen an. Betroffene haben eine Klagefrist von drei Wochen. Der Betriebsrat muss angehört werden. Und der gesetzliche Mindestlohn darf nie unterschritten werden.

Experten warnen: Wer geänderten Abrechnungen über längere Zeit widerspruchslos zustimmt, riskiert eine stillschweigende Annahme der neuen Bedingungen.

Trend erfasst viele Branchen

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Der Stellenabbau beschränkt sich nicht auf die Autoindustrie. Auch der Tabakkonzern British American Tobacco (BAT) plant drastische Einschnitte. Bis Ende 2026 sollen weltweit 5.500 Stellen gestrichen und weitere 3.500 ausgelagert werden. Ziel: jährlich rund 695 Millionen Euro bis 2028 einsparen. In Deutschland sind die Standorte Hamburg und Bamberg betroffen.

Hauptgrund für die Verlagerung ins Ausland: die hohen Personalkosten in Deutschland. Während hierzulande Stellen wegfallen, entstehen neue Arbeitsplätze vor allem in Indien, China und Nordamerika.

Wirtschaftliches Umfeld bleibt belastet

Der Rahmen für diese Anpassungen ist weiterhin schwierig. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz beschreibt die Lage im Juni 2026 als gedämpft. Die Industrieproduktion bewegt sich seitwärts, die Auftragseingänge sind rückläufig. Belastend wirken Energiepreise und geopolitische Spannungen.

Die Inflation lag im Mai bei 2,6 Prozent – nach 2,9 Prozent im April. Die Arbeitslosenzahlen gingen im Frühjahr zwar leicht zurück, die Erwerbstätigkeit insgesamt bleibt aber rückläufig. Die Zahl der Insolvenzen stieg im Februar auf 2.048 Fälle – ein Plus von 6,7 Prozent gegenüber dem Vormonat.

Und noch eine rechtliche Hürde: Das Bundesarbeitsgericht bestätigte im März 2026, dass Kündigungen ohne ordnungsgemäße Massenentlassungsanzeige unwirksam sind. Eine fehlerhafte Anzeige lässt sich nachträglich nicht heilen.

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