Bundeswehr-Drohnen, Stark Defence

Bundeswehr erhält bald Virtus-Kamikazedrohnen von Stark Defence

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 17:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Stark Defence will nach eigenen Angaben bald die ersten Virtus-Kampfdrohnen an die Bundeswehr liefern. Eine Charge im Wert von 275 Millionen Euro soll zunächst an die deutsche Brigade in Litauen gehen.

  • Stark-Defence-Manager Josef Kranawetvogl hat große Pläne mit den Virtus-Kampfdrohnen. - Bild: Wolf von Dewitz/dpa
    Stark-Defence-Manager Josef Kranawetvogl hat große Pläne mit den Virtus-Kampfdrohnen. - Bild: Wolf von Dewitz/dpa
  • So eine Drohne ist knapp zwei Meter hoch. Dank Propellern kann sie wieder landen. - Bild: Wolf von Dewitz/dpa
    So eine Drohne ist knapp zwei Meter hoch. Dank Propellern kann sie wieder landen. - Bild: Wolf von Dewitz/dpa
  • Stark-Defence-Manager Josef Kranawetvogl auf einem Podium der Rüstungsmesse Eudex. - Bild: Wolf von Dewitz/dpa
    Stark-Defence-Manager Josef Kranawetvogl auf einem Podium der Rüstungsmesse Eudex. - Bild: Wolf von Dewitz/dpa
Stark-Defence-Manager Josef Kranawetvogl hat große Pläne mit den Virtus-Kampfdrohnen. - Bild: Wolf von Dewitz/dpa So eine Drohne ist knapp zwei Meter hoch. Dank Propellern kann sie wieder landen. - Bild: Wolf von Dewitz/dpa Stark-Defence-Manager Josef Kranawetvogl auf einem Podium der Rüstungsmesse Eudex. - Bild: Wolf von Dewitz/dpa

Der Berliner Drohnenhersteller Stark Defence will nach eigenen Angaben bald mit der Auslieferung von Virtus-Kampfdrohnen an die Bundeswehr beginnen.

Erste Lieferung für 275 Millionen Euro

Senior Vice President Josef Kranawetvogl sagte der dpa bei der Rüstungsmesse Euro Defence Expo in Essen, zunächst solle eine Charge im Wert von 275 Millionen Euro geliefert werden. Eine genaue Stückzahl nannte er nicht.

Stark Defence verfügt demnach über einen Rahmenvertrag mit der Bundeswehr im Umfang von 2,9 Milliarden Euro. Für eine Milliarde Euro liegt bereits die Zustimmung des Bundestags vor. Auch die Konkurrenten Helsing und Rheinmetall erhielten milliardenschwere Verträge.

Virtus soll Ziele selbstständig bekämpfen

Bei der Virtus handelt es sich um sogenannte „Loitering Munition“, also herumlungernde Munition. Die bis zu 33 Kilogramm schwere Drohne kann Herstellerangaben zufolge bis zu 75 Minuten in der Luft bleiben und bis zu 130 Kilometer weit fliegen. Wird kein Ziel erkannt, soll sie an einem unbewohnten Ort abstürzen und explodieren.

Das Fluggerät startet mithilfe kleiner Propeller an vier Flügeln. Nach Darstellung des Unternehmens kann es mit Aufklärungsdrohnen verbunden werden, die Ziele zuweisen. Ein Operator könne mehrere Drohnen mit softwareunterstützten KI-Funktionen steuern; die Kontrolle bleibe beim Menschen.

Erster Einsatzort soll Litauen sein

Die erste Lieferung soll an die in Litauen stationierte deutsche Brigade gehen. Nach Unternehmensangaben könnten die Systeme bei einer NATO-Übung im November eingesetzt werden. Bei Übungen tragen die Drohnen keinen Sprengstoff und können dank ihrer Propeller wieder landen.

Stark Defence wurde 2024 gegründet und beschäftigt nach eigenen Angaben 750 Menschen. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Berlin sowie Produktionsstandorte in Großbritannien, Schweden und Griechenland. Die Virtus wird auch in der Ukraine eingesetzt; zwei weitere Werke im Raum Kiew liegen nach Unternehmensangaben an geheim gehaltenen Standorten.

Weitere Drohnenentwicklung mit KI

Die deutsch-ukrainische Drohnenfirma United Unmanned Systems kündigte bei der Messe zudem eine Partnerschaft mit dem estnisch-ukrainischen KI-Spezialisten DOD Solution an. Ziel seien Drohnen, die automatisch Ziele erkennen und weitere Funktionen ausführen können.

UUS zufolge hat das Unternehmen der Ukraine bereits mehr als 10.000 Drohnen geliefert. Das Unternehmen entwickelt Abfangdrohnen, Systeme zum Abwurf von Bomben sowie Kamikaze-Drohnen für Angriffe auf Bodenziele.

Drohnen als Schwerpunkt der deutschen Aufrüstung

Die geplante Lieferung steht für eine beschleunigte Anpassung der Bundeswehr an die Erfahrungen des Ukraine-Kriegs. Dort werden unbemannte Systeme für Aufklärung, Angriff, Zielzuweisung und Abwehr eingesetzt. Mit der Virtus erhält die Bundeswehr eine Munition, die nicht nur ein Ziel auf Entfernung bekämpfen, sondern dieses vor dem Einschlag auch suchen und verfolgen kann.

Die Größenordnung des Vorhabens zeigt, dass es nicht um ein einzelnes Erprobungssystem geht. Der Rahmenvertrag über 2,9 Milliarden Euro und zusätzliche Verträge mit Helsing und Rheinmetall weisen auf den Aufbau mehrerer Fähigkeiten und Lieferketten hin. Für die Truppe dürfte damit auch die Frage entscheidend werden, wie Bediener ausgebildet, Systeme in bestehende Aufklärung eingebunden und Einsatzregeln für autonome Funktionen festgelegt werden.

Bedeutung für die Ostflanke

Die erste Charge soll an die deutsche Brigade in Litauen gehen. Damit erhält die Beschaffung eine konkrete sicherheitspolitische Dimension: Die Systeme werden an einem NATO-Standort an der östlichen Bündnisgrenze eingesetzt und sollen dort auch bei einer Übung im November praktisch erprobt werden. Bei Übungen bleiben die Drohnen unbewaffnet und können wieder landen.

Der mögliche Kostenvorteil gegenüber dem Einsatz teurerer Waffensysteme ist ein wichtiger Anreiz, ersetzt aber weder Panzer noch Artillerie. Zugleich dürfte der technologische Wettlauf weitergehen: Verbesserte Drohnen treffen auf neue Schutzmaßnahmen wie Käfigpanzerungen und elektronische Abwehr. Für die Bundeswehr wird deshalb nicht nur die Zahl der Fluggeräte, sondern die Fähigkeit zum schnellen Nachrüsten und zur Abwehr gegnerischer Drohnenschwärme maßgeblich sein.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Dringen selbst durch Panzerstahl: Bundeswehr erhält bald Virtus-Kamikazedrohnen“ (23.09.2026)

Der Bericht bestätige die bevorstehende Lieferung der Virtus-Drohnen an die Bundeswehr und hebe besonders deren Reichweite, Flugdauer und Fähigkeit zur Bekämpfung gepanzerter Ziele hervor. Anders als die dpa-Meldung ordne er die Waffe stärker über ihre Wirkung gegen Panzer ein und verweise ergänzend auf weitere Bundeswehr-Systeme sowie die milliardenschweren Verträge mit anderen Herstellern. Offen bleibe auch dort die genaue Zahl der bestellten Drohnen.

Beide Darstellungen stimmten darin überein, dass die erste Charge für die deutsche Brigade in Litauen vorgesehen sei und eine spätere NATO-Übung als praktischer Bezugspunkt gelte. Der Bericht stelle zudem die technische Entwicklung von Drohnen und Gegenmaßnahmen als fortlaufenden Wettlauf heraus.

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