Star-Interview über die Emerging Markets in 2008!
Veröffentlicht: 25.01.2008 um 10:36 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)2008 wird ein spannendes Börsenjahr. Früher bei EMFIS, heute beim Schweizer Vermögensverwalter JPV (www.jpv.ch), hat Andreas Lambrou den „JPV EMERGING MARKETS STARS 2008“ Basket (WKN: ML0CFE) konzipiert. Das Interview führte Rainer Hahn, der Autor-Partner von Andreas Lambrou im Buch „Investieren in Asien“.
Rainer Hahn: Andreas, Du bist ein ausgewiesener Emerging Markets Experte und managst beim Schweizer Vermögensverwalter JPV (www.jpv.ch) die Bereiche Schwellenländer und Rohstoffe. Schon anlässlich Deiner Interviews bei N-TV und 3-SAT Börse für EMFIS hast Du bereits in den Jahren 2003 und 2004 mit Deinen Empfehlungen wie zum Beispiel den chinesischen H-Aktien, B-Aktien oder Petrochina vielfach den Nagel auf den Kopf getroffen und Anleger hätten damit mehrere hundert Prozent Gewinn erzielt. Jetzt habt ihr mit Merrill Lynch den JPV Emerging Markets Stars 2008 Basket (WKN: ML0CFE) lanciert. Was hat es mit diesem interessanten Produkt auf sich?
Andreas Lambrou: Die Grundidee war, dass sich Anleger gewöhnlich zu Beginn des Jahres entscheiden, welche Investments sie in einem Sektor oder einer Region neu aufbauen möchten. Gewöhnlich denkt der Anleger in Jahresabständen und neue Trends werden oft zu Beginn des Jahres aufgenommen und Ende Jahr wird dann die Schlussbilanz gezogen. Doch meist gibt es dabei ein großes Problem. Die Anleger wissen in der Regel nicht, welche Aktien sie Anfangs Jahr konkret kaufen sollen. Jede Bank übertrifft die andere mit der Anzahl ihrer Aktienempfehlungen und die Anleger sind am Ende noch mehr verunsichert als zuvor. Diese Lücke wollten wir schließen und haben im Bereich Emerging Markets jene Titel ausgewählt, welche unserer Ansicht nach auf 1-Jahressicht das höchste Kurspotenzial bei einem unterdurchschnittlichen Risiko aufweisen.
Hahn: Du sprichst von einer anhaltenden Rallye oder Outperformance in den Emerging Markets, welche durch fundamentale Bedingungen begründet sind. Welche Kontinente und Länder favorisierst Du für das Jahr 2008? Was war schlussendlich verantwortlich für die Zusammensetzung des Baskets?
Lambrou: Grundsätzlich besteht der Basket aus den interessantesten Unternehmen, die unabhängig von ihrer Länderverteilung ein hohes Kurspotenzial besitzen. So sind Unternehmen wie der argentinische Pipelinehersteller Tenaris oder der Bohrinselproduzent Sembcorp Marine aus Singapur in fast allen wichtigen Weltmärkten aktiv und nutzen die niedrigen Produktionskosten der Emerging Markets für ihre Expansionsstrategie. Auch Taiwan ist aufgrund der relativ tiefen Bewertungen und der wirtschaftlichen Überschneidungen mit China hochinteressant. Mit Taiwan Cement haben wir hier einen Titel ausgewählt, welcher in Zukunft überwiegend in China produzieren wird. Dennoch spielt die Länderbewertung natürlich indirekt auch eine gewisse Rolle. Die tiefsten Bewertungen und außergewöhnlich hohe Kurschancen besitzt zurzeit die Börse von Russland. Russland ist mit 25 % im Basket deshalb auch am höchsten vertreten.
Hahn: Die Titelauswahl gefällt mir! Nach welchen Kennzahlen oder Entscheidungskriterien bist Du dabei vorgegangen? Ist es ein ähnlicher Ansatz wie aus unserem Buch „Investieren in Asien“ – oder spielen andere Faktoren die entscheidende Rolle?
Lambrou: Die entscheidenden Faktoren bei der Titelauswahl waren nachhaltiges und überdurchschnittliches Umsatz- und Gewinnwachstum, für welches der Markt noch keine Bewertungsprämie bezahlt. Mit einem durchschnittlichen KGV von rund 13 und einer Gewinnwachstumserwartung von über 25% ist dies beim Merrill Lynch Zertifikat auf den JPV Emerging Markets Stars 2008 (WKN: ML0CFE) der Fall. Ebenfalls haben wir darauf geachtet, dass die Unternehmen unabhängig von der US-amerikanischen Konjunkturentwicklung sein sollten. Wir glauben nicht, dass die russischen, chinesischen oder afrikanischen Verbraucher ihr Konsumverhalten - selbst in einer US-Rezession -groß verändern werden. Zudem weisen vor allem die gewählten Titel aus dem asiatischen Finanzsektor - die thailändische Bangkok Bank und die südkoreanische Kookmin Bank - ein hohes Reboundpotenzial auf. Diese Titel haben sich aus den US-amerikanischen Kreditengagements weitestgehend fern gehalten und sollten von einer möglichen Zinssenkung, die in den USA ihren Anfang genommen hat, massiv profitieren.
Hahn: Du hast Dich beim Emerging Stars 2008 Basket nicht auf Sektoren konzentriert, sondern Dich vielmehr für eine breite Streuung entschieden. Welchen Grund gibt es dafür?
Lambrou: Eine große Rolle spielte hierbei der Diversifikationsgedanke. Bei zwölf Titeln steht natürlich die beste Einzeltitelauswahl in einem attraktiven Wachstumssektor im Vordergrund. Im Basket sind die Sektoren Energie, Mobiltelekommunikation in Afrika, Rohstoffe, Medien in Russland und Finanzen in Asien vertreten. Diese Sektoren profitieren von einem nachhaltigen und anhaltenden Wachstumstrend in den Emerging Markets.
Hahn: Wie schätzt Du die Entwicklung für Euer Zertifikat für 2008 ein? – Oder konkreter, wird das Zertifikat die westlichen Benchmarks (Indizes) outperformen? Wenn ja, wieso denkst Du das?
Lambrou: Wir sind sehr zuversichtlich, dass das Zertifikat aufgrund seines defensiven Charakters und trotz der unbestreitbar vorhandenen Konjunkturrisiken im Jahr 2008 die westlichen Märkte outperformen wird. Im Vergleich zu den US-amerikanischen und westeuropäischen Indizes erwarten wir gar eine deutlich bessere Entwicklung. Vor allem in etwas ruhigeren Marktphasen dürften die Titel in der Lage sein, deutliche Kursgewinne zu erzielen. Deshalb bietet es sich an, das Zertifikat in Korrekturphasen wie jetzt zu kaufen. Die Börsenentwicklung wird 2008 sicher noch viel volatiler sein als im letzten Jahr.
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Hahn: Noch zum Schluss die Frage, wie schätzt Du den weiteren Börsenverlauf kurzfristig ein?
Lambrou: Grundsätzlich stellt sich die Frage ob das gegenwärtig schwierige Börsenumfeld eine Anpassung der Anlagestrategie erforderlich macht. Viele Experten raten dazu Emerging Markets wegen ihrer höheren Volatilität unterzugewichten und eine defensive Anlagestrategie zu vertreten. Wir sehen in dieser Strategie jedoch einen erheblichen Nachteil. Denn der Krisenherd liegt diesmal nicht in den Emerging Markets, sondern in den USA. Selbst die mittlerweile real gewordene Leitzinssenkung werden die Probleme dort nicht über Nacht lösen können.
Voraussichtlich werden die Kapitalmärkte deshalb weiterhin von Stagnations- und Inflationsszenarien belastet werden. Für Aktien, die wenige immaterielle und hohe reale Vermögenswerte hinterlegt haben, also beispielsweise die in unserem Zertifikat vertretenen Infrastruktur-, Versorger-, Energie-, Telekom- und Immobilienaktien, für die Edelmetalle und die Rohstoffe wäre dieses Szenario kurz-, mittel- und langfristig positiv zu werten.
Grössere Bargeldbestände, Anleiheninvestitionen oder gar US-Aktien sind aufgrund der ansteigenden Inflationsraten und historisch niedriger Realzinsen eine denkbar schlechte Anlageform und selbst für Absicherungszwecke ungeeignet.
Mittelfristig empfehlen wir deshalb sich weitestgehend aus Engagements im westlichen Finanzsektor, trotz der möglicherweise vorhandenen Erholungschancen, herauszuhalten und Emerging Markets wegen ihrer nachhaltig höheren Wachstumsdynamik und permanenten exportbedingten Liquiditätszuflüssen überzugewichten. Auch die Währungskomponente darf nicht unterschätzt werden. Viele Währungen in den Emerging Markets sind zum Teil massiv unterbewertet. Dies hilft den dortigen Exporteuren und schafft neben den erwarteten Kurspotenzials ein zusätzliches Potenzial für Währungsgewinne.
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