Stahlindustrie: 5-Milliarden-Projekt Power4Steel in Gefahr
08.06.2026 - 14:16:10 | boerse-global.de
Saarlands Ministerpräsidentin Anke Rehlinger hat sich in einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz gegen eine Reform des europäischen Emissionshandels gewandt. Sie befürchtet massive Folgen für die Stahlindustrie und tausende Arbeitsplätze.
Milliardenprojekt „Power4Steel“ in Gefahr
Im Zentrum der Debatte steht das Vorhaben der Dillinger Hütte und Saarstahl. Bis zu 5 Milliarden Euro wollen die Unternehmen in eine klimagerechte Produktion investieren – 2,6 Milliarden davon sind staatliche Fördermittel. Ziel: Die CO2-Emissionen bis Anfang der 2030er Jahre um 55 Prozent senken. Gelingt die Umstellung komplett, würde das den gesamten CO2-Ausstoß des Saarlandes etwa halbieren.
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Laut Rehlinger hängen rund 13.000 Arbeitsplätze direkt vom Erfolg dieser Transformation ab. Eine Kehrtwende bei den CO2-Zertifikaten könnte die Planungssicherheit der Unternehmen zerstören. Die Regierungschefin fordert zudem, dass die Deutsche Bahn verstärkt grünen Schienenstahl abnimmt. Die Betriebsräte planen für Mitte Juni einen Aktionstag in Völklingen.
Hohe Kosten durch CO2-Preise
Die deutsche Primärstahlerzeugung steht massiv unter Druck. Die kostenlose Zuteilung von CO2-Zertifikaten läuft bis 2034 schrittweise auf Null. Aktuell kosten die Zertifikate rund 76,76 Euro pro Tonne – ein Minus von drei Prozent in der ersten Juniwoche.
Die Rechnung ist brutal: Ein Hochofen stößt pro Tonne Stahl 1,8 Tonnen CO2 aus. Bei 80 Euro pro Tonne CO2 entstehen Zusatzkosten von 144 Euro. Die Gesamtkosten pro Tonne Stahl liegen dann bei rund 600 Euro. Das macht die Konkurrenz aus China, Japan oder Südkorea extrem gefährlich.
Neue Zölle gegen Billigimporte
Die EU hat ein neues Handelsschutz-Instrument verabschiedet. Es sieht feste Zollkontingente vor – Importe über dieser Menge werden mit 50 Prozent Zoll belegt. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl begrüßt den Schritt, fordert aber eine Ausweitung auf alle Stahlprodukte und strengere Herkunftsnachweise.
Ab Januar 2028 soll zudem das Grenzausgleichssystem CBAM ausgeweitet werden. Rund 180 neue Produktgruppen wie Aluminiumbauteile fallen dann unter die Regelung.
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Der internationale Wettlauf um grüne Industrieprojekte hat sich verschärft. Weltweit hat sich die Zahl finanzierter kohlenstoffarmer Vorhaben im Jahresvergleich mehr als verdoppelt. China führt mit 170 Projekten, die USA kommen auf 72, Europa auf 211.
Forschung und Wasserstoff-Ausbau
An der Montanuniversität Leoben entsteht ein neues Forschungslabor für grünen Stahl. Rund 3 Millionen Euro fließen über sieben Jahre in die Grundlagenforschung, etwa zum Wasserstoffplasma-Einsatz. Industriepartner sind RHI Magnesita und Primetals Technologies.
Bayern fördert unterdessen den Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur. Ein Projekt in Bad Neustadt erhält 5 Millionen Euro für einen Elektrolyseur. Er soll industrielle Prozesse und den Schwerlastverkehr mit bis zu 850 Tonnen grünem Wasserstoff pro Jahr versorgen. Insgesamt hat das Land Bayern bereits dreistellige Millionenbeträge in die Wasserstoffproduktion gesteckt.
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