Stahl-Tarifrunde, Metall

Stahl-Tarifrunde: IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn für Beschäftigte

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gewerkschaft verlangt höhere Entgelte und eine 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich; der Arbeitgeberverband lehnt beides ab.
Innenansicht einer großen, menschenleeren Stahlhütte mit massiven Stahlträgern und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die IG Metall verlangt für die Beschäftigten der Stahlbranche ein Lohnplus von fünf Prozent. Die Gewerkschaft begründet ihren Vorstoß mit ersten Anzeichen einer wirtschaftlichen Besserung, obwohl der Sektor weiterhin unter einem harten internationalen Wettbewerb und hohen Betriebskosten steht.

Regionale Beschlüsse und zentrale Eckpunkte

In der nordwestdeutschen Stahlindustrie, die Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen und Hessen mit rund 60.000 Beschäftigten umfasst, hat die zuständige Tarifkommission die Forderung nach fünf Prozent mehr Geld bereits beschlossen.

Für Stahlfirmen im Saarland und in Ostdeutschland gelten jeweils eigenständige Tarifverträge. Auch die Tarifkommission für die ostdeutsche Stahlindustrie verständigte sich auf ein Forderungspaket von fünf Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Zudem dringt die Gewerkschaft im Osten auf eine Angleichung der Ausbildungsvergütungen an das Niveau der Metall- und Elektroindustrie, mindestens orientiert am Standard in Nordrhein-Westfalen. Überdies fordert die Arbeitnehmervertretung dort die Verlängerung bestehender Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung, zu Arbeitszeitkonten sowie zu Werkverträgen.

Die endgültige Bestätigung der ostdeutschen Tarifforderung durch den Vorstand der IG Metall ist für den 9. November 2026 vorgesehen. Die Tarifverhandlungen für die ostdeutsche Stahlbranche sollen Mitte Dezember anlaufen. Die Friedenspflicht endet am 31. Dezember 2026, sodass ab dem 1. Januar 2027 Warnstreiks rechtlich zulässig sind.

Argumente der Gewerkschaft und Arbeitszeitfrage

Der Verhandlungsführer der IG Metall, Knut Giesler, führt positive Auftragseingänge als Argument für den Gehaltssprung an und verweist zugleich auf die anhaltende Belastung der Arbeitnehmer durch hohe Preise für Energie, Mobilität und Lebensmittel. Der bisherige, nun auslaufende Stahltarifvertrag hatte eine Laufzeit von 15 Monaten und umfasste neben drei Nullmonaten eine Erhöhung um lediglich 1,75 Prozent.

Neben den monetären Forderungen erklärt die IG Metall die Einführung einer 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich zu einer nicht verhandelbaren Kernforderung der anstehenden Tarifrunde. Die Arbeitnehmervertreter argumentieren, dass dieser Schritt als wirksames Instrument zum Schutz vor Arbeitsplatzverlusten diene.

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Deutliche Ablehnung durch die Arbeitgeberseite

Auf Seiten der Industrie stößt das Vorhaben auf entschiedenen Widerstand. Der Arbeitgeberverband Stahl wies die Forderung nach fünf Prozent mehr Gehalt kategorisch zurück. Nach Berechnungen der Arbeitgeberseite liegen die nationalen Lohn- und Lohnzusatzkosten bereits um 15 bis 20 Prozent über dem europäischen Durchschnitt.

Hinsichtlich der geforderten 32-Stunden-Woche warnen die Arbeitgeberverbände vor gravierenden Folgen. Im harten weltweiten Stahlmarkt, insbesondere vor dem Hintergrund des starken Wettbewerbsdrucks aus Asien, würde eine solche Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich einen fatalen Wettbewerbsnachteil für die heimischen Standorte bedeuten.

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