Stadtwerke München, kritische Infrastruktur

Stadtwerke-München-Chef Bieberbach drängt nach Umspannwerk-Attacken auf Reformen

Veröffentlicht am: 06.09.2026 um 18:57 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Nach Anschlägen auf Umspannwerke fordert Stadtwerke-München-Chef Florian Bieberbach praxisnähere Regeln für den Schutz kritischer Infrastruktur. Er sieht Sicherheitsinvestitionen und moderne Überwachungstechnik durch bestehende Vorgaben ausgebremst.

Münchner Stadtwerke wollen besseren Schutz kritischer Infrastruktur
Strommast der Energieinfrastruktur (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Stadtwerke München, Florian Bieberbach, fordert nach den Anschlägen auf die Umspannwerke in Jänschwalde und Bergheim einen deutlich praxisnäheren Schutz kritischer Infrastruktur. Politik und Behörden sollten nach seiner Ansicht den Schwerpunkt von Dokumentationspflichten auf konkrete Sicherheitsmaßnahmen verlagern.

Bieberbach kritisiert zu viel Bürokratie

In einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt" schreibt Bieberbach, Sicherheit entstehe nicht auf dem Papier, sondern durch handlungsfähige Menschen und einen Ordnungsrahmen, der konkrete Maßnahmen ermöglicht und nicht verlangsamt. Aus seiner Sicht hemmen die bestehenden Vorgaben die Einführung und Nutzung moderner Sicherheitslösungen.

Betreiber kritischer Infrastruktur sollten nach seiner Darstellung Überwachungssysteme einsetzen können, ohne ständig befürchten zu müssen, gegen Datenschutz- oder KI-Vorschriften zu verstoßen. Die aktuelle Rechtslage führe dazu, dass verfügbare Technik nicht in vollem Umfang genutzt werde.

Mehr Freiraum für Überwachungstechnik

Bieberbach nennt als Beispiel, dass es sinnvoll wäre, Eindringlinge bereits filmen zu dürfen, wenn sie sich einer Anlage nähern oder Schutzzäune überwinden, und nicht erst, wenn sie sich schon auf dem Betriebsgelände befinden. Dadurch könnten Sicherheitsverantwortliche schneller reagieren und potenzielle Angriffe frühzeitig erkennen.

Nach den Anschlägen auf die Umspannwerke in Jänschwalde und Bergheim sieht der Stadtwerke-Chef hier akuten Handlungsbedarf. Die Vorfälle hätten verdeutlicht, wie verletzlich wichtige Knotenpunkte der Energieversorgung sind und welche Folgen Störungen haben können.

Sicherheitsinvestitionen im Regulierungsrahmen

Zugleich fordert Bieberbach, dass Investitionen in physische Sicherheit, Cyberabwehr und Krisenfähigkeit im Regulierungsrahmen stärker berücksichtigt werden. Nur wenn solche Ausgaben anerkannt und refinanziert würden, könnten Betreiber kritischer Infrastruktur das notwendige Schutzniveau dauerhaft gewährleisten.

Die Stadtwerke München sehen sich damit als Teil einer breiteren Debatte um den Schutz der Energieversorgung in Deutschland, bei der Sicherheitsanforderungen, finanzielle Spielräume und rechtliche Vorgaben in Einklang gebracht werden müssen.

Die Forderungen von Florian Bieberbach kommen vor dem Hintergrund wachsender Sorge um die Verwundbarkeit der Energieversorgung in Deutschland. Angriffe auf Umspannwerke wie in Jänschwalde und Bergheim zeigen, dass physische Sabotageakte nicht nur theoretische Risiken sind, sondern konkrete Auswirkungen auf regionale Netze und damit auf Haushalte und Unternehmen haben können.

Hintergrund: Energieinfrastruktur im Fokus

Umspannwerke gelten als zentrale Knotenpunkte der Stromversorgung, weil sie Spannungsebenen umwandeln und den Strom zwischen Übertragungs- und Verteilnetzen verteilen. Werden solche Anlagen beschädigt, kann es zu Versorgungsunterbrechungen, Netzengpässen und erheblichen Folgekosten kommen. Der rechtliche Rahmen für den Schutz kritischer Infrastruktur wurde in den vergangenen Jahren mehrfach angepasst, etwa durch verschärfte Vorgaben für Betreiber und ein stärkeres Augenmerk auf Cybersicherheit.

Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Regulierung

Bieberbach adressiert ein Spannungsfeld, das viele Betreiber kritischer Infrastruktur betrifft: einerseits der Anspruch, Angriffe frühzeitig zu erkennen und abzuwehren, andererseits strenge Vorgaben zu Datenschutz, Videoüberwachung und dem Einsatz von KI-Systemen. Wenn Überwachungstechnik erst eingesetzt werden darf, wenn sich Personen bereits auf dem Betriebsgelände befinden, kann dies Sicherheitslücken schaffen. Der Vorschlag, Annäherungen an Anlagen früher erfassen zu dürfen, zielt darauf, Reaktionszeiten zu verkürzen und Prävention zu stärken.

Bedeutung für Kommunen und Verbraucher

Für kommunale Versorger wie die Stadtwerke München verbindet sich der Schutz kritischer Infrastruktur mit der Verantwortung für eine stabile Versorgung der Bevölkerung. Investitionen in physische Sicherung, Cyberabwehr und Krisenfähigkeit stehen jedoch im Wettbewerb mit anderen Ausgaben, etwa für den Ausbau erneuerbarer Energien oder die Modernisierung von Netzen. Werden diese Sicherheitsinvestitionen im Regulierungsrahmen stärker berücksichtigt, könnte dies mittelfristig die Finanzierung erleichtern und dazu beitragen, Ausfälle und Folgeschäden zu verhindern, die am Ende Kunden und Kommunen treffen.

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