12-Uhr-Tankregel, Spritpreise

Spritpreise: Bundesrat prüft Abschaffung der 12-Uhr-Tankregel

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 15:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die seit April geltende 12-Uhr-Regel für Preiserhöhungen an Tankstellen gerät weiter unter Druck. Schleswig-Holstein bringt ihre Abschaffung in den Bundesrat, während ADAC und Fachleute auf größere Preisunterschiede im Tagesverlauf verweisen.

  • Mit welchen Maßnahmen kann die Politik die hohen Spritpreise abfedern? Die 12-Uhr-Regel steht stark in der Kritik. (Symbolbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa
    Mit welchen Maßnahmen kann die Politik die hohen Spritpreise abfedern? Die 12-Uhr-Regel steht stark in der Kritik. (Symbolbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa
  • Sinkende Rohölpreise sorgen für ein wenig Entspannung. - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
    Sinkende Rohölpreise sorgen für ein wenig Entspannung. - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
  • Der ADAC beklagt «krasse Preissprünge». - Bild: Peter Kneffel/dpa
    Der ADAC beklagt «krasse Preissprünge». - Bild: Peter Kneffel/dpa
Mit welchen Maßnahmen kann die Politik die hohen Spritpreise abfedern? Die 12-Uhr-Regel steht stark in der Kritik. (Symbolbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa Sinkende Rohölpreise sorgen für ein wenig Entspannung. - Bild: Bernd Weißbrod/dpa Der ADAC beklagt «krasse Preissprünge». - Bild: Peter Kneffel/dpa

Die seit April geltende 12-Uhr-Regel für Preiserhöhungen an Tankstellen gerät weiter unter Druck: Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen fordert ihre Abschaffung, und der Bundesrat befasst sich am Freitag mit dem Vorstoß.

ADAC sieht keinen Entlastungseffekt

„Diese Regel hat bislang einfach keinen erkennbaren Entlastungseffekt beim Tanken gezeigt“, sagte Madsen der Deutschen Presse-Agentur. Auch der ADAC sprach sich für eine vollständige Abschaffung aus.

Die Regel habe weder für mehr Verlässlichkeit noch für bessere Vergleichbarkeit der Preise gesorgt, sagte Madsen. Nach seiner Einschätzung verschafften sich Tankstellen mit einem deutlichen Preissprung um 12 Uhr einen Puffer für den weiteren Tagesverlauf.

Dieselpreis schwankt um bis zu 17 Cent

Seit dem 1. April dürfen Tankstellen die Preise für Benzin und Diesel nur noch einmal täglich erhöhen – um 12 Uhr. Preissenkungen sind weiterhin jederzeit möglich.

ADAC-Experte Stefan Gerwens sagte bei einer Veranstaltung in Berlin, im September habe der Unterschied zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Tagespreis für einen Liter Diesel bei 17 Cent gelegen. Das Preisspektrum sei damit größer als vor Einführung der Regel. Verbraucher, die mittags tanken müssten, erlebten „krasse Preissprünge“.

Weniger Preisänderungen, keine niedrigeren Preise

Justus Haucap, Direktor des Düsseldorf Institute for Competition Economics, erklärte, Tankstellen hätten ihre Preise seit Einführung der Regel im Schnitt achtmal täglich geändert, gegenüber durchschnittlich 22 Änderungen zuvor. Niedrigere Preise seien daraus nicht automatisch gefolgt; entscheidend seien der Tankzeitpunkt und die getankte Menge.

Haucap verwies zudem darauf, dass einige Tankstellen ihre Öffnungszeiten geändert hätten. Betreiber könnten nachts geringere Margen erzielen und deshalb auf eine Öffnung verzichten.

Studien und Verstöße

Das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung kam in einer Studie zu dem Ergebnis, dass die Regel der Mineralölindustrie zusätzliche Gewinne verschafft habe. Bei Superbenzin lag die Gewinnmarge in den ersten zwei Wochen nach Einführung demnach durchschnittlich sechs Cent je Liter höher als in den zwei Wochen davor. Für Diesel stellten ZEW und DICE keinen eindeutigen Effekt fest.

Nach Angaben des Bundeskartellamts wurde seit Einführung tausendfach gegen die Regel verstoßen. In den ersten Wochen habe es auch grobe Abweichungen gegeben, darunter technische Fehler und Preiserhöhungen wenige Minuten nach 12 Uhr. Die Bundesländer sind für Sanktionen zuständig.

Preise nach Rekorden wieder leicht gesunken

Im Gesetz zur Anpassung von Kraftstoffpreisen ist vorgesehen, dass das Bundeswirtschaftsministerium die Auswirkungen der Regel auswertet und dem Bundestag ein Jahr nach ihrem Start berichtet. Überlegungen zu einer Abschaffung gebe es nicht, teilte das Ministerium mit.

Nach Rekordständen in der vergangenen Woche gaben die Spritpreise zuletzt leicht nach. Sowohl Diesel als auch Superbenzin E10 waren im bundesweiten Tagesdurchschnitt am Dienstag günstiger als am Montag. Auch am Mittwochvormittag lagen die von Tankerkönig erfassten Preise unter den Vergleichswerten des Vortags, besonders bei Diesel. Als wichtiger Grund gelten gesunkene Rohölpreise.

Weniger Preisänderungen, aber größere Ausschläge

Die 12-Uhr-Regel sollte den Tankstellenmarkt übersichtlicher machen: Seit dem 1. April dürfen Betreiber die Preise für Benzin und Diesel nur einmal täglich erhöhen, während Senkungen jederzeit möglich bleiben. Damit wurde der Zeitpunkt möglicher Aufschläge berechenbarer, der Wettbewerb über viele kleine Preisänderungen hinweg aber eingeschränkt.

Für Autofahrer ist entscheidend, wann sie tanken können. Wer am Vormittag tankt, kann von niedrigeren Preisen profitieren; wer erst nach 12 Uhr oder während einer längeren Fahrt tanken muss, trifft auf den festgelegten Aufschlag. Die im September beobachtete Diesel-Spanne von bis zu 17 Cent pro Liter verdeutlicht die Größenordnung: Bei einem 50-Liter-Tank kann der Unterschied 8,50 Euro betragen.

Bundesrat vor Bewertung der Regel

Die Debatte fällt in eine Phase hoher Kraftstoffpreise und zusätzlicher Entlastungsmaßnahmen. Der Bundesrat befasst sich auf Initiative Schleswig-Holsteins mit der Abschaffung, während die gesetzlich vorgesehene Auswertung durch das Bundeswirtschaftsministerium erst nach dem ersten Jahr der Regelung ansteht. Damit stehen zwei Ansätze gegenüber: eine schnelle politische Korrektur oder die systematische Bewertung über einen längeren Zeitraum.

Die Befürworter einer Abschaffung verweisen auf höhere Tagesunterschiede und mögliche Zusatzgewinne der Mineralölwirtschaft. Für Verbraucher bleibt deshalb nicht nur der Literpreis relevant, sondern auch der Tankzeitpunkt; Preisvergleichsangebote können helfen, ersetzen aber keine freie Wahl des Zeitpunkts.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau.de: „ADAC fordert Abschaffung der 12-Uhr-Regel an Tankstellen“ (23.09.2026)

Der Bericht bestätige die Forderung des ADAC nach einer vollständigen Abschaffung und hebe hervor, die Regel habe zwar die Zahl der täglichen Preisänderungen reduziert, die Preise aber nicht gesenkt. Anders als die dpa-Meldung konzentriere sich der Beitrag stärker auf die ADAC-Bewertung sowie die bereits vorliegende Kritik von ZEW und Fraunhofer; die anstehende Befassung des Bundesrates stehe dort nicht im Mittelpunkt.

Medienübergreifend bestehe damit Einigkeit über die Kritik an der bisherigen Wirkung der Regel. Offen bleibe, ob der Bundesrat eine Abschaffung anstoße und wie die gesetzlich vorgesehene Jahresauswertung ausfalle.

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