Spritpreise: BFT erwartet 35 bis 40 Cent Aufschlag
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 14:41 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSTankrabatt und THG-Vorgaben prägen den Jahreswechsel
- Carsten Müller führt das Ende des Tankrabatts und eine steigende THG-Quote als Gründe für den erwarteten Preisanstieg an.
- Der BFT-Chef beziffert die mögliche Erhöhung um die Mittagszeit auf 35 bis 40 Cent je Liter.
- Müller bezeichnet einen geplanten Spritpreisdeckel als „blanker Populismus“ und weist Vorwürfe gegen Tankstellenbetreiber zurück.
Tankstellenverband erwartet höheren Spritpreis zum Jahreswechsel
Der Chef des Bundesverbands der freien Tankstellen (BFT), Carsten Müller, rechnet damit, dass die Tankstellen zum Jahreswechsel die Spritpreise noch einmal deutlich anheben. Als Gründe nennt er unter anderem das Ende des Tankrabatts und eine steigende THG-Quote, die Kraftstoffanbieter zur Senkung ihrer CO2-Emissionen verpflichtet.
BFT-Chef nennt mögliche Erhöhung
Um die Mittagszeit sei insgesamt mit einer Erhöhung von „35 bis 40 Cent pro Liter“ zu rechnen, sagte Müller der „Süddeutschen Zeitung“. Das sei dann der Moment, „an dem ich nicht an der Tankstellenkasse stehen möchte.“
Tankrabatt endet Ende 2026
Die Bundesregierung will solche Preisspitzen mit einem Spritpreisdeckel begrenzen. Das Instrument soll nach dem Ende des Tankrabatts 2027 die Marge der Branche beschränken.
Müller kritisierte den geplanten Deckel als „blanker Populismus“. Zugleich widersprach der Tankstellenbetreiber Analysen, wonach Mineralölunternehmen die niedrigere Energiesteuer nur teilweise weitergäben. „Wir zocken niemanden ab“, sagte er.
Tankstellen sehen Nachteile durch Rabattende
Müller bezeichnete sich nicht als uneingeschränkten Fan des Tankrabatts. Seine Branche profitiere nicht von der gesenkten Energiesteuer, weil Betreiber am Tag vor der Einführung noch höher versteuerten Kraftstoff verkaufen müssten.
Am letzten Tag des Tankrabatts komme es teilweise zu Hamsterkäufen; manche Menschen füllten den Sprit in Colaflaschen ab, sagte Müller. Tankstellenbetreiber könnten niedrig besteuerte Bestände deshalb nicht mehr teurer verkaufen.
Der angekündigte Preisanstieg fällt in eine Phase, in der die deutsche Kraftstoffpolitik gleichzeitig auf steuerliche Entlastung, Klimavorgaben und staatliche Eingriffe in den Markt setzt. Der Tankrabatt läuft Ende Dezember 2026 aus; dadurch entfällt ab dem Jahreswechsel die bislang geltende Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel.
Zusätzlichen Kostendruck kann die steigende THG-Quote erzeugen. Sie verpflichtet Kraftstoffanbieter dazu, die Treibhausgasemissionen ihrer Kraftstoffe zu senken oder entsprechende Minderungsnachweise zu beschaffen. Die Kosten dieser Verpflichtung können sich auf die Preise auswirken, wobei die konkrete Entwicklung auch von Rohölnotierungen, Wechselkursen, Wettbewerb und regionalen Beschaffungskosten abhängt.
Preisdeckel als politischer Gegenentwurf
Parallel arbeitet die Bundesregierung an einem Spritpreisdeckel für 2027. Nach den aktuellen Plänen soll das Instrument nicht dauerhaft, sondern nur bei außergewöhnlichen Preissteigerungen greifen, die über mehrere Wochen deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegen. Vorgesehen sind zudem eine zeitliche Begrenzung und mögliche Ausnahmen zum Schutz der Versorgungssicherheit.
Für Autofahrer bedeutet die Entwicklung, dass der Jahreswechsel eine besondere Preissensibilität bekommen kann. Entscheidend wird sein, wie stark der Wegfall der Steuerentlastung tatsächlich durch Marktpreise und Anbieter weitergegeben wird und ob ein staatlicher Eingriff im konkreten Fall ausgelöst wird. Der Streit über den Deckel zeigt zugleich den Zielkonflikt zwischen Schutz vor Preissprüngen, wirtschaftlichem Betrieb von Raffinerien und Tankstellen sowie der Sicherung von Kraftstofflieferungen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
stern: „Spritpreise: Reiche-Plan für Spritpreisdeckel sieht Hürden vor“ (02.11.2026)
Der Beitrag beschreibt die geplanten Voraussetzungen für einen staatlichen Preisdeckel: Er soll bei außergewöhnlichen Preissteigerungen greifen, zeitlich begrenzt sein und die Versorgungssicherheit berücksichtigen. Der Schwerpunkt liegt auf der konkreten Ausgestaltung des politischen Instruments, während die vom Tankstellenverband erwartete Höhe des Preisanstiegs nicht im Mittelpunkt steht.
n-tv: „Spritpreisdeckel soll nur bei außergewöhnlichen Preisanstiegen gelten“ (02.11.2026)
Auch dieser Bericht stellt die geplante Begrenzung auf außergewöhnliche Preisbewegungen sowie die mögliche Befristung auf maximal drei Monate heraus. Im Vergleich zum stern-Bericht hebt er zusätzlich die Gefahr wirtschaftlich nicht tragfähiger Höchstpreise und möglicher Lieferengpässe hervor; offen bleibt die endgültige gesetzliche Ausgestaltung.
Beide Beiträge stimmen darin überein, dass der Preisdeckel nur unter klaren Bedingungen eingesetzt werden soll. Unterschiede bestehen vor allem beim Schwerpunkt: Der stern ordnet stärker die regionalen und politischen Hürden ein, n-tv betont die Risiken für Lieferungen und Versorgung.
