Spritpreise, Energiekrise

Spritpreise auf Rekordniveau: Super E10 so teuer wie nie, Diesel kurz vor Höchststand

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 12:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Super E10 hat am Wochenende ein neues Rekordhoch erreicht, Diesel liegt nur knapp unter seinem bisherigen Spitzenwert – befeuert von der angespannten Lage im Nahen Osten. Die Entwicklung treibt Forderungen nach einem Spritpreisdeckel und schürt Sorgen vor Preisen von bis zu drei Euro je Liter.

  • Tanken wird immer teurer - Benzin ist bereits auf einem Rekordhoch, nun ist auch Diesel nicht mehr weit entfernt. (Archivbild) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
    Tanken wird immer teurer - Benzin ist bereits auf einem Rekordhoch, nun ist auch Diesel nicht mehr weit entfernt. (Archivbild) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
  • Tanken ist derzeit sehr teuer. (Archivbild) - Bild: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa
    Tanken ist derzeit sehr teuer. (Archivbild) - Bild: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa
Tanken wird immer teurer - Benzin ist bereits auf einem Rekordhoch, nun ist auch Diesel nicht mehr weit entfernt. (Archivbild) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa Tanken ist derzeit sehr teuer. (Archivbild) - Bild: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

Die Preise für Superbenzin und Diesel haben am Wochenende bundesweit deutlich angezogen, Super E10 erreichte dabei ein neues Rekordhoch.

Rekordwerte an den Zapfsäulen

Nach Angaben des ADAC kostete ein Liter Superbenzin der Sorte E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt am Sonntag 2,273 Euro und damit 1,7 Cent mehr als am Freitag. Diesel verteuerte sich im gleichen Zeitraum sogar um 3,5 Cent auf 2,404 Euro je Liter und liegt damit nur noch 4,3 Cent unter seinem Rekordstand vom April. Kurzfristig entspannte sich die Lage am Montagmorgen nur leicht: E10 war um 10.00 Uhr gegenüber dem Vortag minimal teurer, Diesel minimal günstiger.

ADAC rechnet mit weiterem Anstieg

Der ADAC geht angesichts des weiter steigenden Ölpreises davon aus, dass die Tagesdurchschnittspreise für Super E10 und Diesel am Montag erneut leicht zulegen werden. Bereits in den zwei Wochen zuvor hatten die Spritpreise deutlich angezogen: Am 30. August lag der Preis für E10 noch gut 12 Cent, für Diesel gut 20 Cent unter den Werten vom Sonntag. Nach Einschätzung des Verkehrsclubs erklärt der jüngste Ölpreisanstieg zusammen mit dem Euro-Dollar-Wechselkurs das aktuelle Niveau an den Zapfsäulen nur teilweise.

Konflikt im Nahen Osten als Hintergrund

Auslöser für den Anstieg des Ölpreises ist die angespannte Lage im Nahen Osten. Ein für Montag geplantes Außenministertreffen der Golfstaaten im Oman, bei dem Iran und Oman eine Vereinbarung im Konflikt um die Straße von Hormus präsentieren sollten, fand nicht statt. Zudem musste Saudi-Arabien nach Drohnenangriffen eine wichtige Pipeline vorübergehend abschalten. Der ADAC verweist darauf, dass Rohöl der Sorte Brent Ende April in etwa so viel kostete wie derzeit, Super E10 seinerzeit aber bei rund 2,10 Euro je Liter lag.

Verkehrsclub fordert mehr Transparenz

Für Verbraucher sei die aktuelle Entwicklung schwer nachvollziehbar, heißt es vom ADAC. Aus Sicht des Clubs bestehe insbesondere auf Raffinerie- und Großhandelsebene weiterer Erklärungsbedarf. Notwendig sei mehr Transparenz bei der Preisbildung entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Rohöl bis zur Zapfsäule. Auf dieser Grundlage ließen sich mögliche Übertreibungen oder strukturelle Probleme besser erkennen.

Warnungen vor drei Euro je Liter

Der Tankstellen-Interessenverband rechnet mit dauerhaft hohen Preisen und hält Spritpreise von drei Euro je Liter für möglich. Man werde sich damit auseinandersetzen müssen, sagte Verbandsvertreter Herbert Rabl der „Rheinischen Post“. An Autobahnen gebe es diese Preise bereits. Rabl kritisiert das Vorgehen der Mineralölkonzerne und spricht von „Abkassieren“, von dem auch die Tankstellenbetreiber selbst betroffen seien.

ADAC widerspricht Extremszenario

Der ADAC erwartet dagegen nicht, dass Diesel im Tagesdurchschnitt die Marke von drei Euro je Liter erreicht. Dafür müsste es zu einer nochmals deutlich stärkeren Preissteigerung auf den internationalen Ölmärkten kommen. Ein neuer Höchststand für Diesel sei allerdings nicht ausgeschlossen, sollte sich die geopolitische Lage weiter verschärfen. Damit bleibt die weitere Entwicklung der Energiepreise eng an die politische Situation im Nahen Osten gekoppelt.

Schwesig bringt Spritpreisdeckel ins Spiel

Die hohen Preise nähren politische Forderungen nach einem Eingriff in die Preisbildung. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sprach sich in der „Rheinischen Post“ für einen Spritpreisdeckel nach Luxemburger Vorbild aus. Es gehe so nicht weiter mit den Spritpreisen, sagte sie, man brauche eine Lösung, die die Belastung für die Bürger begrenze. Ein solcher Deckel würde den Kraftstoffpreis staatlich begrenzen und könnte über Steuern oder Ausgleichszahlungen flankiert werden.

Deutliche regionale und zeitliche Unterschiede

Unabhängig vom generellen Niveau schwanken die Preise weiterhin regional und im Tagesverlauf erheblich. Nach Daten des Portals Tankerkönig ist Sprit derzeit in Süddeutschland, insbesondere Bayern, deutlich günstiger, während im Norden und vor allem in Ostdeutschland höhere Preise verlangt werden. Hinzu kommen ausgeprägte Tagesschwankungen: Nach einem Preissprung am Mittag liegen die Kraftstoffpreise meist mehr als 20 Cent über den kurz zuvor verlangten Beträgen und fallen am Nachmittag häufig wieder, bevor sie am späten Vormittag ihr typisches Tagestief erreichen.

Autobahn-Tankstellen besonders teuer

An Autobahn-Tankstellen sind die Preise traditionell deutlich höher als abseits der Fernstraßen. Eine ADAC-Untersuchung zeigte zuletzt einen durchschnittlichen Abstand von mehr als 30 Cent je Liter. Für Autofahrer bedeutet dies, dass die Wahl der Tankstelle und des Zeitpunktes der Fahrtplanung entscheidenden Einfluss auf die tatsächlichen Kosten haben kann. Die derzeitige Debatte über mögliche Maßnahmen zur Entlastung setzt vor diesem Hintergrund an strukturellen Unterschieden des Marktes an.

Auswirkungen auf Heizöl und Gas

Die Spannungen im Nahen Osten treffen Verbraucher nicht nur beim Tanken, sondern auch beim Heizen. Nach Angaben des Portals Heizöl24 lag der Heizölpreis am Montag mehr als 30 Cent je Liter über dem Niveau von Ende August und damit bei 1,66 Euro je Liter. Damit bleibt er noch unter den Höchstständen des Jahres 2022, als er zeitweise mehr als 2 Euro erreichte. Gleichzeitig kletterte der Preis für europäisches Erdgas wegen Angebotssorgen aus Fördergebieten am Persischen Golf deutlich: Der Terminpreis TTF zur Lieferung in einem Monat erreichte den höchsten Stand seit Ende 2022.

Gaspreis verdreifacht – Folgen für Kunden

Der europäische Gaspreis hat sich im laufenden Jahr bereits fast verdreifacht, weil ein Ende des Iran-Kriegs und die damit verbundenen Einschränkungen bei der Lieferung von Energierohstoffen nicht abzusehen sind. Europäische Staaten, darunter Deutschland, stehen zudem unter Zeitdruck, ihre Gasspeicher vor dem Winter wieder zu füllen. Für Endkunden wirkt sich dies aufgrund längerer Lieferverträge nicht unmittelbar aus, Experten rechnen jedoch damit, dass die Tarife für Neukunden und möglicherweise auch für Bestandskunden steigen werden.

Belastung für Haushalte und Pendler

Die aktuellen Rekordwerte bei Super E10 und die Nähe des Dieselpreises zu seinem historischen Höchststand verschärfen den finanziellen Druck auf viele Haushalte und Unternehmen. Besonders betroffen sind Pendler in ländlichen Regionen, Handwerksbetriebe und Logistikfirmen, deren Kostenstrukturen stark von Treibstoffpreisen abhängen. Da Diesel als wichtigster Kraftstoff für den Güterverkehr gilt, können anhaltend hohe Preise mittelfristig auch die Verbraucherpreise für Waren des täglichen Bedarfs beeinflussen.

Geopolitik als Preistreiber – aber nicht allein

Der Zusammenhang zwischen der angespannten Lage im Nahen Osten, unterbrochenen Öl- und Gaslieferwegen und der Preisentwicklung an den Energiemärkten zeigt, wie eng die deutschen Spritpreise an globale Faktoren gekoppelt sind. Die abgesagte diplomatische Initiative zur Straße von Hormus und der Ausfall einer wichtigen saudischen Pipeline verdeutlichen, wie schnell Risiken für die Versorgungssicherheit eingepreist werden. Gleichzeitig macht der Hinweis des ADAC deutlich, dass der aktuelle Rohölpreis noch unter früheren Spitzen liegt, während E10 dennoch auf einem Rekordniveau notiert. Das lenkt den Blick auf Raffinerien und Großhändler und die Frage, wie Preissprünge entlang der Wertschöpfungskette entstehen.

Politische Debatte um Eingriffe in den Markt

Der Ruf nach einem Spritpreisdeckel nach Luxemburger Vorbild und die Warnungen vor möglichen Preisen von drei Euro je Liter markieren eine neue Eskalationsstufe in der politischen Diskussion über Entlastung und Marktregulierung. Ein Preisdeckel würde tief in die bestehende Ordnung von Steuern, Abgaben und Wettbewerb eingreifen und müsste europarechtlich sauber ausgestaltet werden. Gleichzeitig verweisen die starken regionalen und tageszeitlichen Unterschiede darauf, dass zumindest ein Teil der Belastung durch bewusste Planung reduziert werden kann – etwa durch das Meiden von Autobahn-Tankstellen und das Tanken zu günstigeren Tageszeiten. Für viele Verbraucher bleibt die Preisbildung dennoch schwer nachvollziehbar, was Forderungen nach mehr Transparenz weiter verstärken dürfte.

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