Spionage-Warnung, Five-Eyes

Spionage-Warnung: Five-Eyes decken chinesische LinkedIn-Kampagne auf

06.06.2026 - 15:16:05 | boerse-global.de

Geheimdienste enthüllen systematische Rekrutierung von Insidern über Jobportale. Deepfakes und Probeberichte dienen als Köder.

Five-Eyes-Allianz warnt vor chinesischer Spionage über LinkedIn
Spionage-Warnung - Eine stilisierte, schattenhafte Figur im Anzug reicht einer anderen Figur, deren Gesicht verdeckt ist, eine Hand mit einem leuchtenden digitalen Datenstrom. Im Hintergrund ist ein verschwommenes Netzwerk von Verbindungen zu sehen, das auf Online-Berufsnetzwerke hinweist. 06.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Geheimdienste der Five-Eyes-Allianz schlagen Alarm: Chinesische Agenten nutzen LinkedIn, Indeed und Upwork, um an geheime Informationen zu gelangen. In einem am Mittwoch veröffentlichten Bulletin mit dem Titel „Safeguarding Our Secrets“ beschreiben die Dienste aus den USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland ein systematisches Vorgehen.

Fünf Stufen zur Rekrutierung

Die Experten der Allianz haben einen standardisierten Prozess identifiziert. Zunächst schalten die Akteure gefälschte Stellenanzeigen oder kontaktieren Zielpersonen direkt – getarnt als Personalberater, Thinktanks oder private Unternehmen. Besonders im Fokus: Menschen aus dem indopazifischen Raum, die in Verteidigung, Außenpolitik oder Nachrichtendiensten arbeiten.

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Im zweiten Schritt folgen virtuelle Vorstellungsgespräche. Danach fordern die Täter die Kandidaten auf, sogenannte Probeberichte zu verfassen – etwa zu bilateralen Beziehungen oder Sicherheitsthemen. Dafür gibt es Honorare zwischen mehreren hundert und einigen tausend US-Dollar. Die Zahlungen laufen über PayPal, Wise, Western Union oder Kryptowährungen.

Sobald die finanzielle Beziehung steht, drängen die Hintermänner auf verschlüsselte Messenger. In dieser Phase steigt der Druck: Die Betroffenen sollen nicht-öffentliche oder klassifizierte Informationen preisgeben. Die Geheimdienste betonen: Auch die Kombination verschiedener nicht-geheimer Daten kann strategischen Wert haben.

Zielgruppe erweitert sich

Neben Regierungsmitarbeitern und Militärangehörigen geraten zunehmend Akademiker, Journalisten und Forscher ins Visier. Die Angreifer nutzen verstärkt Deepfakes und gefälschte Unternehmenswebsites, um ihre Tarnung glaubwürdig zu machen.

LinkedIn erklärte, gefälschte Konten verstießen klar gegen die Nutzungsbedingungen. Man gehe aktiv dagegen vor. Die chinesische Regierung wies die Vorwürfe zurück. Eine Sprecherin des Außenministeriums nannte die Anschuldigungen ironisch – schließlich betrieben die Five-Eyes-Staaten selbst weltweit Spionage. Die chinesische Botschaft in London sprach von böswilliger Verleumdung.

Technologie-Rivalität eskaliert

Die Warnung fällt in eine Zeit verschärfter wirtschaftlicher und technologischer Spannungen. Am Samstag wurde bekannt: Die chinesische Reformkommission NDRC stoppte die geplante Übernahme des KI-Startups Manus durch den US-Konzern Meta. Die Transaktion im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar wurde aus Gründen der nationalen Sicherheit untersagt. Peking fordert zudem die vollständige Löschung bereits übertragener Daten aus Metas Systemen.

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Auch in anderen Branchen wächst die Nervosität. Severin Schwan, Verwaltungsratspräsident des Pharmakonzerns Roche, warnte am Donnerstag vor den Folgen des zunehmenden Protektionismus in den USA und China. Das sei derzeit eines der größten Risiken für die globale Pharmaindustrie.

Europas Industrie unter Druck

Während chinesische Unternehmen wie Xpeng die lokale Fertigung in Europa ausbauen – etwa durch eine Kooperation mit Magna Steyr in Graz –, geraten europäische Standorte unter Druck. Eine interne EU-Analyse prognostiziert für 2026 den Verlust von über einer Million Arbeitsplätzen. Allein 600.000 davon könnten auf den Automobilsektor entfallen. Gründe: hohe Energiekosten und wachsender Wettbewerb bei Elektromobilität und Solartechnik.

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