Speicher-Boom, Stadtwerke

Speicher-Boom: 27% der Stadtwerke planen konkrete Projekte

18.06.2026 - 13:31:15 | boerse-global.de

DGUV-Vorschriften, Billigimport-Risiken und Stadtwerke-Projekte prägen den deutschen Batteriespeichermarkt. Neue Zellkonzepte und digitale Steuerung treiben die Entwicklung voran.

Batteriespeicher-Boom: Sicherheit, Förderung und neue Technologien
Speicher-Boom - Nahaufnahme von modernen Lithium-Ionen-Batteriezellen in einem großen industriellen Batteriespeicher, die ein kühles blaues Licht abstrahlen. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Experten betonen Mitte Juni: Die Einhaltung der DGUV Vorschrift 3 und eine strukturierte Betriebssicherheitsstrategie sind essenziell.

Der Bundesverband Energiespeicher (BVES) empfiehlt ein mehrstufiges Vorgehen. Dazu gehören eine Erstprüfung, Brandschutz-Checks und – ab einer Kapazität von 50 Kilowattstunden (kWh) – die enge Abstimmung mit der Feuerwehr.

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Risiken durch minderwertige Importe

Bei der Auswahl von Speichersystemen warnen Branchenkenner vor Billigimporten. Sie enthalten oft thermisch sensible Zellen, die einen „thermal runaway“ auslösen können – einen unkontrollierten Temperaturanstieg.

Als stabilere Alternative gilt die Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP). Neben der Zellchemie spielen Brandschutz, Ersatzteilverfügbarkeit und Anbieterstabilität eine zentrale Rolle.

Die Förderlandschaft ist zweigeteilt: Eine bundesweite Förderung für Speicher gibt es nicht mehr. Dafür existieren weiterhin Programme auf Landes- und Kommunalebene. Stabil bleibt die Mehrwertsteuerbefreiung für PV-Anlagen und Speicher, die seit 2023 gilt.

Stadtwerke treiben den Ausbau voran

Großbatteriespeicher boomen. Eine umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) von Mitte Juni zeigt: 11 Prozent der Stadtwerke setzen bereits Projekte um, 27 Prozent planen konkret, 46 Prozent prüfen die Realisierung.

Die geplanten Kapazitäten erreichen bis zu 500 Megawatt (MW). Der VKU fordert dafür angepasstes Baurecht: Speicher sollen näher an Umspannwerken gebaut werden dürfen. Auch brauche es verlässliche Netzentgeltregelungen über 2029 hinaus.

Private Projektentwickler ziehen nach. Zwei Speicher mit je 20 MW Leistung und 41 Megawattstunden (MWh) Kapazität stehen in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein kurz vor der Inbetriebnahme. Ein weiterer Akteur sicherte sich Netzanschlusskapazitäten von 2,3 Gigawatt (GW) für Solar- und Speicherprojekte – baureif zwischen 2026 und 2029.

Das größte Einzelprojekt in Nordrhein-Westfalen ist auf 3.600 MWh ausgelegt. International ging Mitte Juni in der chinesischen Provinz Hebei ein Speicherkraftwerk mit 100 MW in Betrieb. Seine Systemeffizienz liegt bei über 94,5 Prozent.

Wirtschaftliches Potenzial durch Lastverschiebung

Eine Analyse von PV Austria zeigt die ökonomische Bedeutung der Technologie. Mit 16 Gigawattstunden (GWh) Speicherkapazität ließen sich PV-Überschüsse in die nachfragestarken Abendstunden verschieben.

Das senkt den Strompreis in Spitzenzeiten. Berechnungen ergeben ein Einsparpotenzial von bis zu 150 Millionen Euro jährlich. An Sommertagen könnte der Preis um bis zu 7,5 Cent pro kWh sinken. Gefordert werden dafür Erleichterungen bei Förderungen und Befreiungen von Netzentgelten.

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Neue Zellkonzepte und digitale Steuerung

Die Forschung arbeitet an Alternativen. Ein Team des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) untersuchte Alterungsprozesse in Natrium-Zink-Salzschmelzbatterien. Diese arbeiten bei etwa 600 Grad Celsius.

Erstmals konnten die Forscher per Röntgenradiographie beobachten, wie sich Zink im Separator ansammelt und für den Speicherprozess verloren geht. Die Erkenntnisse könnten zu vereinfachten Zellkonzepten führen.

Parallel dazu schreitet die Digitalisierung voran. Gemeinsam mit Forschungsinstituten und Industriepartnern entstand eine Open-Source-Referenzimplementierung für Energiemanagementsysteme (EMS). Sie setzt Steuersignale gesetzeskonform um und soll Wärmepumpen und andere Komponenten ins intelligente Stromnetz integrieren.

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