Spahn-Rücktritt: Leihmutterschaft spaltet CDU/ CSU-Fraktion
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach nur 14 Monaten an der Spitze der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat Jens Spahn am Samstag sein Amt niedergelegt. Auslöser ist eine private Entscheidung mit politischen Folgen: Spahn und sein Ehemann Daniel Funke sind mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern eines Sohnes geworden – ein Modell, das die Union strikt ablehnt.
Die Leihmutter-Affäre
Die CDU hat die Leihmutterschaft mehrfach klar verurteilt. Erst im Februar bekräftigte der Parteitag diese Linie, auch die Frauen-Union positionierte sich zuletzt entsprechend. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten. Spahn selbst äußerte sich 2015 noch kritisch zu dem Thema.
Genau diese Diskrepanz zwischen Parteilinie und privatem Handeln wurde dem 44-Jährigen zum Verhängnis. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte ihn nach einer Welle der Kritik aus den eigenen Reihen zum Rücktritt auf. „Die Glaubwürdigkeit der Union in dieser Grundsatzfrage ist das höchste Gut“, begründete Merz den Schritt.
Spahn selbst schrieb in seinem Rücktrittsschreiben, dass sein persönliches Familienglück derzeit nicht mit den Anforderungen seines politischen Amtes vereinbar sei. „Die Familie steht für mich an erster Stelle.“
Chronologie einer Eskalation
Die Affäre eskalierte innerhalb weniger Tage:
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- 15. Juli: Erste Medienberichte über die Vaterschaft durch eine Leihmutter in den USA.
- 16. Juli: Die Frauen-Union bekräftigt ihre Ablehnung der Leihmutterschaft.
- 17. Juli: Der CDU-Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, fordert öffentlich Konsequenzen. Spahn verteidigt sich in einem Podcast, räumt aber ein, über die Frage der Vereinbarkeit lange zerrissen gewesen zu sein.
- 18. Juli: Nach Beratungen mit den Landesvorsitzenden fordert Merz den Rücktritt. Spahn erklärt noch am selben Tag seinen Rückzug.
Kritiker aus der Union sowie von Grünen und Linken bezeichneten den Rücktritt als überfällig.
Wer übernimmt jetzt?
Bis zur Wahl eines Nachfolgers führt der CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann die Fraktion kommissarisch. Merz kündigte im ZDF-Sommerinterview an, noch vor seinem geplanten Urlaub Ende Juli eine Entscheidung über die Neubesetzung treffen zu wollen. Eine umfassendere Kabinettsumbildung schloss der Kanzler dabei nicht aus.
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Als Favorit für den Fraktionsvorsitz gilt Kanzleramtschef Thorsten Frei. Daneben werden Alexander Dobrindt (CSU), Carsten Linnemann, Günter Krings und Nina Warken als mögliche Kandidaten gehandelt.
Die personelle Neuaufstellung kommt zu einem schwierigen Zeitpunkt. Aktuelle Umfragen sehen die Union im Sonntagstrend bei nur noch 21 Prozent – deutlich hinter der AfD. Die schnelle Klärung der Führungsfrage gilt daher als wichtiges Signal für die Stabilität des Regierungsbündnisses.
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