Sozialwohnungen, Bestand

Sozialwohnungen: Bestand schrumpft um 20.000 Einheiten

16.06.2026 - 08:49:23 | boerse-global.de

Trotz leicht gestiegener Neubauzahlen schrumpft der Sozialwohnungsbestand 2025 um netto 20.000 Einheiten. Regionale Unterschiede und Branchenkrise belasten.

Sozialwohnungen in Deutschland: Bestand sinkt trotz mehr Neubauten
Sozialwohnungen - Eine Nahaufnahme eines modernen Sozialwohnungsbaus mit vielen Fenstern und Balkonen, der im warmen Sonnenlicht steht. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

000 Einheiten. Grund: Aus der Preisbindung fallen weit mehr Wohnungen heraus, als neu gebaut werden.

27.283 geförderte Neubau-Wohnungen entstanden im vergangenen Jahr. Das sind zwei Prozent mehr als 2024. Doch im gleichen Zeitraum verloren 57.621 Wohnungen ihre Mietpreisbindung. Ende 2024 gab es bundesweit noch rund 1,05 Millionen Sozialwohnungen.

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Regionale Unterschiede – NRW verliert am stärksten

Den größten Rückgang verzeichnet Nordrhein-Westfalen mit einem Minus von 18.538 Wohnungen. Berlin verlor 2.957, Bayern 2.790 Einheiten. Positiv entwickelten sich Baden-Württemberg (plus 3.046), Niedersachsen und Sachsen.

Bauministerin Hubertz will den Trend umkehren: Bis 2029 sollen insgesamt 23,5 Milliarden Euro Bundesmittel in den sozialen Wohnungsbau fließen.

Ifo-Index auf Talfahrt – Auftragsmangel belastet

Die Stimmung in der Baubranche ist so schlecht wie lange nicht. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für den Wohnungsbau fiel im Mai auf minus 29,3 Punkte – nach minus 28,2 im April. 42,2 Prozent der Unternehmen klagen über Auftragsmangel, die Stornierungsrate liegt bei 11,7 Prozent.

Gründe: gestiegene Materialkosten, höhere Zinsen und die Folgen internationaler Konflikte. Ein EU-Bericht bestätigt: Die Investitionen in den Wohnungsbau sind 2025 das fünfte Jahr in Folge gesunken – rund 20 Prozent unter dem Niveau von 2020. Kritik gibt es auch an komplexen Genehmigungsverfahren und mangelnder Digitalisierung.

Kommunen unter Druck – Projekte stocken

In Augsburg wird der Stillstand konkret: Die städtische Wohnungsbaugesellschaft WBG kann bis 2029/30 voraussichtlich nur 185 neue geförderte Wohnungen realisieren. Die staatliche Förderung sinkt von 28,2 Millionen Euro (2025) auf 22,1 Millionen Euro (2026) – rechnerisch fallen 46 Wohnungen weg. Bei 11.000 Haushalten auf der Warteliste diskutiert die Stadt über Notlösungen wie Mietendeckel.

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Auch Kassel hat ein Problem: Der jährliche Bedarf liegt bei 800 bis 1.000 Wohnungen, gebaut wird weniger als die Hälfte. Große Projekte am Lossegrund oder an der Stadthalle liegen auf Eis.

Private Investoren und Städte versuchen neue Wege: In Nidderau etwa kaufen Investoren Grundstücke und verpflichten sich zu 25 Jahren Mietpreisbindung. In Kassel werden Grundstücke unter Marktwert verkauft, um Anreize zu schaffen.

Grüne fordern neue Gemeinnützigkeit

Die Opposition sieht Handlungsbedarf. Ein Vorschlag der Grünen: eine neue Wohngemeinnützigkeit. Unternehmen, die dauerhaft Mieten zwischen 6 und 8 Euro pro Quadratmeter anbieten, sollen Investitionszuschüsse von bis zu 20 Prozent und Steuerbefreiungen bei Grunderwerb-, Körperschaft- und Gewerbesteuer erhalten.

Außerdem fordern sie: Ausnahmen in Genehmigungsverfahren nur noch, wenn mindestens 50 Prozent der neuen Wohnungen langfristig sozial gebunden werden. Ziel sei nicht nur kurzfristige Entlastung, sondern dauerhafte Stabilität am Wohnungsmarkt.

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