Sozialreform, Ifo-Institut

Sozialreform: Ifo-Institut plant 60 Milliarden Euro Einsparungen

17.06.2026 - 14:12:45 | boerse-global.de

Ifo-Institut schlägt drastische Kürzungen bei Sozialleistungen vor. Union uneins über Reformkurs, Rentenversicherung warnt vor steigenden Beiträgen.

Ifo-Studie: 60 Milliarden Einsparungen durch Sozialreform bis 2030
Sozialreform - Ein zerknülltes, offizielles Dokument, das Kürzungen bei Sozialleistungen und Renten symbolisiert, mit unscharfem Hintergrund. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Es sieht drastische Einschnitte bei Sozialleistungen vor – und sorgt für heftige politische Debatten.

Bis 2030 sollen jährlich bis zu 60 Milliarden Euro eingespart werden. Das ist der Kern einer Studie, die das Ifo-Institut am Dienstag im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) veröffentlichte. Grundlage sind Berechnungen, wonach die Staatsquote ohne Gegensteuer auf über 54 Prozent steigen könnte – das gesamtstaatliche Defizit droht auf 310 Milliarden Euro zu klettern.

Elterngeld und Mütterrente im Visier

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Die größten Einsparpotenziale sehen die Forscher bei den Sozialausgaben. Ihr Vorschlag: Die Einkommensgrenze für das Elterngeld soll von 175.000 auf 50.000 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen sinken. Das würde den Haushalt um rund drei Milliarden Euro entlasten.

Noch tiefer greifen die Pläne ins Rentensystem ein. Ifo-Präsident Clemens Fuest schlägt vor, die Mütterrente über vier Jahre hinweg zu halbieren. Zudem sollen Rentenerhöhungen künftig an die Inflationsrate statt an die Lohnentwicklung gekoppelt werden. Zusammen mit der Mütterrenten-Kürzung ergibt das ein Sparvolumen von jährlich 20 Milliarden Euro bis 2030.

Hinzu kommen pauschale Kürzungen bei Subventionen nach dem sogenannten Rasenmäher-Prinzip. Das Institut empfiehlt, nicht genehmigte Finanzhilfen um 60 Prozent zu reduzieren – ein Volumen von 31 Milliarden Euro.

Union uneins über Reformkurs

Die Vorschläge spalten die Unionsparteien. CSU-Chef Markus Söder lehnt die geplanten Änderungen bei Mütterrente und Elterngeld ab. Auch CDU-Politikerin Karin Prien stellte sich gegen die Kürzungen beim Elterngeld.

Ganz anders CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann: Er signalisierte Unterstützung für eine konsequente Haushaltskonsolidierung und befürwortete pauschale Subventionskürzungen.

Innenminister verschärfen Kampf gegen Sozialbetrug

Parallel zur Ifo-Studie berieten die Innenminister von Bund und Ländern am heutigen Mittwoch über Maßnahmen gegen Sozialleistungsbetrug. Geplant sind ein verbesserter digitaler Datenaustausch und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Geprüft wird zudem, den Zugang zum Bürgergeld für EU-Bürger zu erschweren. Auch eine Kürzung des Kindergeldes für EU-Ausländer steht im Raum, deren Kinder im Heimatland leben.

Alexander Dobrindt, Vorsitzender der CSU im Bundestag, bezeichnete den aktuellen Bürgergeld-Regelsatz von 563 Euro für Alleinstehende als zu hoch. Er sieht Einsparmöglichkeiten von knapp 50 Milliarden Euro pro Jahr.

Rentenversicherung schlägt Alarm

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Kritik an den Haushaltsplanungen kommt von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Grund ist die geplante Kürzung der Bundeszuschüsse um vier Milliarden Euro für 2027.

Vorstandsvorsitzender Alexander Gunkel warnte, die Maßnahme konterkariere die Ziele des Rentenpakets und werde zwangsläufig zu höheren Beiträgen führen. Nach Einschätzung der Versicherung steigt der Beitragssatz bereits 2027 auf 18,8 Prozent, 2028 auf 19,9 Prozent und bis 2035 auf rund 21 Prozent.

Das Rentenniveau bleibe zwar bis 2031 bei mindestens 48 Prozent gesichert, soll dann aber bis Mitte der 2030er Jahre auf etwa 47 Prozent sinken. Die Nachhaltigkeitsrücklage beläuft sich laut aktuellen Angaben für Ende 2025 auf rund 41,3 Milliarden Euro.

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