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Soziale Arbeit am Limit: 87 Prozent fürchten Berufsunfähigkeit

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Steigende Fehlzeiten, digitale Personalmodelle und geplante Industrieaktionen zeigen, wie Unternehmen und Beschäftigte auf den Personalmangel reagieren.

Personalmangel: Prävention, digitale Kompetenzen und Proteste prägen 2026
Ein minimalistisch gestalteter medizinischer Untersuchungsraum in einem modernen Bürogebäude mit diagnostischen Geräten. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte unterstreichen die wachsende Bedeutung betrieblicher Präventionsmaßnahmen und der sozialen Selbstverwaltung, um dem zunehmenden Personalmangel in Deutschland zu begegnen.

Im Rahmen der Woche des bürgerschaftlichen Engagements vom 11. bis zum 20. September sowie des Tags der Demokratie am 15. September machen die Deutsche Rentenversicherung Bund und der Verband der Ersatzkassen (vdek) mit der Initiative „Mitreden! Bei Rente und Gesundheit“ auf die Mitgestaltungsmöglichkeiten in der Sozialversicherung aufmerksam.

Die soziale Selbstverwaltung, die alle sechs Jahre durch die Sozialwahl legitimiert wird, gilt nach der Bundestags- und Europawahl als drittgrößte Wahl in Deutschland. Für die kommende Wahl im Jahr 2029 ebnete der Bundestag bereits im vergangenen Dezember den Weg für eine digitale Stimmabgabe.

Ausschreibungen und wirtschaftliche Relevanz der Gesundheitsvorsorge

Die Relevanz betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) spiegelt sich auch in konkreten Marktbewegungen wider. Die Krankenkasse BARMER hat aktuell einen EU-weiten Rahmenvertrag für betrieblich-medizinische Screening-Varianten im offenen Verfahren ausgeschrieben. Die Ausschreibung umfasst vier spezifische Untersuchungsbereiche: Herzkreislauf, Rücken, Carotis und Haut.

Interessierte Dienstleister können ihre Angebote bis zum 21. Oktober 2026 einreichen, wobei der Vertragsbeginn für den 1. Januar 2027 am Erfüllungsort Wuppertal festgesetzt ist. Bieter müssen unter anderem eine Haftpflichtversicherung in Höhe von mindestens 3 Millionen Euro nachweisen.

Der wirtschaftliche Druck auf die Unternehmen durch krankheitsbedingte Ausfälle nimmt derweil zu. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) um 7,4 Prozent. Nach Daten der DAK erhöhten sich die Fehlzeiten bereits im Jahr 2024 um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Laut dem Experten Georg Soller verursacht ein einzelner Ausfalltag Produktivitätsverluste zwischen 300 und 600 Euro. In diesem Kontext gewinnen zusätzliche Leistungen wie die betriebliche Krankenversicherung (bKV) an Bedeutung, da sie schnellere Facharzttermine oder Chefarztbehandlungen ermöglicht und als steuerfreier Sachbezug gewährt werden kann.

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Digitales Kompetenzmanagement und Transformation der Personalarbeit

Um dem Wissensverlust durch den demografischen Wandel entgegenzuwirken, setzt die Berliner Charité seit September 2026 auf neue digitale Lösungen. Mit der norwegischen Plattform „Dossier“ erprobt die Klinik ein digitales Kompetenzmanagement für mehrere tausend Beschäftigte in fünf Anwendungsfeldern.

Prof. Volkmar Falk, Direktor am Deutschen Herzzentrum (DHZC), betonte, dass eine frühzeitige Identifikation von Kompetenzlücken für die Nachfolgeplanung essenziell sei. Das System wurde in den Jahren 2023 bis 2025 in Zusammenarbeit mit den Universitätskliniken Bonn und Göttingen für den deutschen Markt angepasst.

Parallel dazu fordern Berater wie Walter Jochmann von Kienbaum einen tiefgreifenden Wandel der Personalfunktion. Auf der Fachmesse Zukunft Personal Europe mahnte er an, das Personalmanagement vom reinen Geschäftspartner zum wertschöpfenden Partner umzubauen.

Die Kosten der Personalfunktion lägen üblicherweise bei 1 bis 2 Prozent des Umsatzes. Bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) entfielen rund 70 Prozent des Aufwands auf menschliche und organisatorische Faktoren. Deutschland belege laut Daten von LinkedIn derzeit Platz eins bei der KI-Talentdichte.

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Herausforderungen in sozialen Berufen und der Industrie

Die Lage in der Sozialen Arbeit bleibt laut einer Untersuchung von ver.di angespannt. Ein nicht repräsentativer „Realitäts-Check“, der im Frühsommer durchgeführt wurde, zeigt, dass 79 Prozent der Teams im Kinder- und Familienbereich eine deutlich gestiegene Arbeitsmenge verzeichnen.

Über 87 Prozent der Befragten äußerten die Sorge, ihren Beruf nicht bis zum Renteneintritt ausüben zu können. Während bundesweit mehr als 550.000 Kita-Plätze ungenutzt bleiben, fehlen gleichzeitig über 100.000 pädagogische Fachkräfte. Zudem sank die Geburtenrate im Jahr 2025 laut Statistischen Bundesamt um 2,7 Prozent auf 1,32 Kinder je Frau.

Auch in der Industrie wächst der Veränderungsdruck. Der Gesamtbetriebsrat von Bosch Mobility, der 74.000 Beschäftigte an 40 deutschen Standorten vertritt, hat der Unternehmensführung ein Positionspapier übergeben. Für den kommenden Montag sind Massendemonstrationen und ein Aktionstag geplant, um für pragmatische Übergangspfade bei der Antriebswende und den Schutz der Zulieferer zu werben.

Ähnliche Proteste kündigte die IG Metall für Montag vor Standorten von Mercedes und Porsche an. Die Gewerkschaft verzeichnete seit 2020 einen Mitgliederverlust von über 10 Prozent und rechnet damit, bis Ende 2026 unter die Marke von 2 Millionen Mitgliedern zu fallen. In den Branchen Metall, Automobilbau und Elektro fielen seit 2020 fast 300.000 Stellen weg.

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