Sonntagsöffnung, Einzelhandel

Sonntagsöffnung: Einzelhandel fordert komplette Freigabe statt Lockerung

06.07.2026 - 07:31:46 | boerse-global.de

Handelsverbände kritisieren geplante Lockerungen des Sonntagsfahrverbots als unzureichend und fordern eine umfassende Reform für alle Branchen.

Handel lehnt Sonntagsöffnungs-Pläne ab: Reform gefordert
Sonntagsöffnung - Eine belebte Einkaufsstraße an einem Sonntag, Menschen gehen einkaufen und genießen die Freizeit. Geschäfte sind hell beleuchtet. 06.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Stattdessen fordern die Verbände eine grundlegende Reform für alle Branchen.

Das Bundesarbeitsministerium legte am 1. Juli 2026 einen Entwurf zur Änderung der Sonntagsöffnungszeiten vor. Ab dem 1. Januar 2027 sollen Bäckereien und Konditoreien an Sonntagen bis zu acht Stunden öffnen dürfen. Bibliotheken wären künftig für maximal sechs Stunden geöffnet. Den Handelsverbänden geht das nicht weit genug. Sie fordern die völlige Freigabe der Ladenöffnungszeiten am Sonntag.

„Einkaufen ist Freizeiterlebnis“

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), betont den Wandel im Einkaufsverhalten. Kunden sähen Einkaufen zunehmend als Freizeiterlebnis – die aktuellen Beschränkungen stünden dem entgegen.

Unterstützung kommt von Nils Busch-Petersen vom Handelsverband Berlin-Brandenburg. Er bezeichnet die Rechtslage als widersprüchlich. Es sei nicht vermittelbar, dass bestimmte Branchen Lockerungen erhielten, während andere weiterhin strikten Regeln unterlägen. Seine Forderung: Die Entscheidung über Sonntagsöffnungen solle bei den Kaufleuten und Kunden liegen.

René Glaser vom sächsischen Handelsverband weist auf praktische Hürden hin. Unter den aktuellen Bedingungen seien rechtssichere Genehmigungen für verkaufsoffene Sonntage kaum möglich. Die Verbände fordern eine umfassende Gesetzesänderung, um Planungssicherheit zu schaffen.

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Milliardenschaden durch Online-Konkurrenz

Der Handel begründet seine Forderungen mit massiven wirtschaftlichen Einbußen. Den Verbänden zufolge entgehen dem stationären Handel jährlich rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz durch chinesische Onlineplattformen. Diese unterliegen keinen zeitlichen Beschränkungen. Die Folge: Bereits 40.000 Arbeitsplätze sind in der Branche weggefallen.

Ein zentraler Kritikpunkt der Handelsvertreter richtet sich gegen die Gewerkschaft ver.di. Diese blockiere nach Ansicht der Verbände notwendige Lockerungen. Ohne eine Anpassung an moderne Konsumgewohnheiten und die Online-Konkurrenz sehen die Vertreter die Zukunftsfähigkeit vieler Innenstädte gefährdet.

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Zeitplan steht

Der aktuelle Koalitionsbeschluss konzentriert sich bislang auf gastronomienahes Handwerk und Bildungseinrichtungen. Sollte der Entwurf wie geplant umgesetzt werden, treten die längeren Öffnungszeiten zum Jahresbeginn 2027 in Kraft. Ob die Bundesregierung auf die Forderungen des Einzelhandels reagiert und den Entwurf ausweitet, bleibt offen.

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