Sonntagsarbeit, Genehmigungen

Sonntagsarbeit explodiert: Genehmigungen verdoppeln sich seit 2015

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 15:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Streit um die Arbeitszeitreform verschärft sich: Handwerk und Arbeitgeber fordern mehr Flexibilität, Gewerkschaften warnen vor Gesundheitsrisiken. Die Sonntagsarbeit hat sich seit 2015 verdoppelt.

Arbeitszeitreform: Handwerk fordert Flexibilität, Gewerkschaften warnen
Ein aufgeräumter Arbeitsplatz in einer modernen Handwerkswerkstatt mit hochwertigem Werkzeug bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das deutsche Handwerk drängt auf eine Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes. Im Zentrum stehen Forderungen nach mehr Flexibilität und weniger Bürokratie – doch Gewerkschaften warnen vor Gesundheitsrisiken.

Referentenentwurf sorgt für Ärger

Ein im Juni 2026 vorgelegter Referentenentwurf zur Reform sorgt bereits für Diskussionen. Die Pläne sehen vor, die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche Betrachtungsweise zu ersetzen. Dieser Spielraum soll allerdings nur tarifgebundenen Betrieben offenstehen.

Genau daran entzündet sich die Kritik. Arbeitgeberpräsident Dulger und IW-Expertin Hammermann bemängeln: Nur etwa 20 Prozent der Betriebe in Deutschland sind tarifgebunden. Die Mehrheit der Unternehmen bliebe damit außen vor. Zusätzlich belastend: Die elektronische Arbeitszeiterfassung soll künftig noch am selben Tag erfolgen – in der Praxis ein erheblicher Zusatzaufwand.

Explosion bei Sonntagsarbeit

Parallel wächst der Druck beim Thema Sonn- und Feiertagsarbeit. Die Zahlen sind beachtlich: Wurden 2015 noch 25.000 Ausnahmegenehmigungen registriert, waren es 2025 bereits 51.700. Die Linken-Politikerin Anne Zerr spricht von einem massiven Anstieg – und die Verstöße gegen Schutzvorschriften nehmen ebenfalls zu. In sechs Bundesländern stieg die Zahl dokumentierter Fälle zwischen 2015 und 2025 um 1.600 Prozent auf 98 Fälle.

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Gleichzeitig sinkt die Kontrolldichte. 2024 führten Behörden 12.972 Arbeitszeitkontrollen durch – ein Rückgang von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2015 summiert sich der Rückgang auf 23 Prozent. Während DIHK-Präsident Adrian sogar eine Grundgesetzänderung für rechtssichere Sonntagsöffnungen fordert, lehnt SPD-Fraktionschef Miersch weitere Lockerungen ab. Die Bundesregierung plant lediglich punktuelle Ausweitungen – etwa für Bäckereien, Konditoreien und Bibliotheken.

Handwerk fordert Praxisnähe

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) mahnt zudem eine mittelstandsverträgliche Umsetzung an. Besonders betroffen: Betriebe der Metallverarbeitung. Neue EU-Verordnungen mit ihren Mess- und Dokumentationspflichten belasten vor allem kleine Betriebe beim Warmwalzen, Drahtziehen oder der Stückverzinkung. Der Verband fordert praxisnahe Vorgaben, die finanziell nicht überfordern.

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KI verändert die Arbeitswelt

Die Debatte spielt sich vor einem internationalen Vergleich ab: 2025 lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in Deutschland bei 34,2 Stunden, im EU-Schnitt bei 36,7. In der Politik wird deshalb auch über 13-Stunden-Tage als punktuelle Höchstgrenze diskutiert, um Bedarfsspitzen abzufedern.

Auch die Technologie mischt mit: Eine Untersuchung der Emory University deutet darauf hin, dass KI-Einsatz tendenziell zu längeren Arbeitszeiten führt. Für 2027 werden weitere Verschiebungen durch Automatisierung erwartet. Die Bundesregierung betont, technologische Effizienzgewinne müssten mit dem Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer in Einklang gebracht werden. Ob das gelingt, dürfte sich schon bald zeigen.

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