Deutschland, Iran

Krieg im Nahen Osten bremst Sommergeschäft der Reisebranche

11.04.2026 - 04:45:05 | dpa.de

Sommerurlaub ja – aber anders als geplant. Reisende reagieren auf höhere Preise und die unsichere Lage im Nahen Osten. Ein Land könnte davon besonders profitieren.

  • Wenn Unsicherheit wächst, bleiben viele bei Bewährtem: Ziele wie die Balearen sind im Sommer stark gefragt – wie hier Mallorca. (Archivbild) - Foto: Clara Margais/dpa
  • Krisen und Konflikte beeinflussen derzeit die Reiseentscheidungen vieler Urlauber. (Archivbild) - Foto: Christoph Reichwein/dpa
  • Viele Urlauber zieht es weiterhin nach Griechenland – Hoteliers blicken jedoch mit Unsicherheit auf den Sommer. (Archivbild) - Foto: Thanassis Stavrakis/AP/dpa
Wenn Unsicherheit wächst, bleiben viele bei Bewährtem: Ziele wie die Balearen sind im Sommer stark gefragt – wie hier Mallorca. (Archivbild) - Foto: Clara Margais/dpa Krisen und Konflikte beeinflussen derzeit die Reiseentscheidungen vieler Urlauber. (Archivbild) - Foto: Christoph Reichwein/dpa Viele Urlauber zieht es weiterhin nach Griechenland – Hoteliers blicken jedoch mit Unsicherheit auf den Sommer. (Archivbild) - Foto: Thanassis Stavrakis/AP/dpa

Für die Reisebranche entwickelt sich der Krieg im Nahen Osten zunehmend zum Belastungsfaktor im Sommergeschäft. «Unsicherheiten durch die geopolitischen Entwicklungen führen zu einer spürbaren Buchungszurückhaltung, ohne die Nachfrage grundsätzlich zu schwächen», sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands, Albin Loidl, der Deutschen Presse-Agentur. «Gleichzeitig sorgen steigende Kosten und operative Herausforderungen für zusätzlichen Druck in der Branche.»

Viele Reisende wichen auf alternative Ziele aus. Insgesamt spreche vieles für ein temporäres Innehalten – «mit einer Stabilisierung und dem Anziehen der Nachfrage, sobald sich die Lage beruhigt», sagte Loidl.

Stimmung in der Branche eingetrübt

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Erwartungen der Branche. Nach Angaben des Ifo-Instituts hat sich das Geschäftsklima bei Reisebüros und Veranstaltern im März deutlich eingetrübt. Der Branchenindikator fiel auf minus 41,7 Punkte, nach minus 14,8 Punkten im Februar. Die Unternehmen bewerten ihre Lage und die Erwartungen für die kommenden Monate deutlich schlechter.

«Die geopolitische Situation führt zu hoher Verunsicherung bei Reisenden und Reiseunternehmen, besonders für Reisen über die Golfstaaten im Nahen Osten», sagte Ifo-Experte Patrick Höppner. Viele Anbieter mussten demnach bereits Umbuchungen und Stornierungen vornehmen. 

Ziele im östlichen Mittelmeer, die näher an der Krisenregion liegen, verzeichneten derzeit mehr Zurückhaltung bei Neubuchungen, teilte der Reiseverband weiter mit. Davon profitieren tendenziell Destinationen im westlichen Mittelmeer – auch wenn höhere Preise und begrenzte Kapazitäten die Verlagerung bremsen.

Verschiebungen bei Reisezielen

Besonders gefragt seien vor allem westeuropäische Ziele wie die Kanaren und Balearen sowie die Kapverden, teilte Tui auf Anfrage mit. Auch ausgewählte Fernreiseziele in der Karibik stießen auf Interesse. Dagegen entwickelten sich Destinationen am Golf sowie Teile Asiens derzeit schwächer – unter anderem wegen eingeschränkter Umsteigeverbindungen. Auch bei Reisen in die Türkei beobachtet der Konzern aus Hannover eine «starke Zurückhaltung».

Die Preise bewegten sich insgesamt auf einem moderat erhöhten Niveau. Für bereits gebuchte Reisen blieben sie stabil. Gestiegene Kerosinpreise beschäftigten die Branche zwar, Tui habe für den Sommer aber bereits rund 85 Prozent seines Kerosinbedarfs abgesichert. Wie sich die Preise bis zu den Sommerferien weiterentwickeln, sei jedoch offen: «Vieles hängt von der Lösung des Konflikts in den nächsten Tagen ab.»

Hohe Nachfrage, aber regionale Unterschiede

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch beim Branchenzweiten Dertour. «Wir sehen, dass das Interesse an Reisen grundsätzlich weiter hoch ist. Allerdings gibt es erhöhten Beratungsbedarf», sagte Produktchef Sven Schikarsky. Die Gästezahlen lägen für die Sommerferien leicht über dem Vorjahresniveau. Beliebt seien vor allem klassische Ziele im westlichen Mittelmeer wie Spanien oder Italien, auch Griechenland bleibe stark nachgefragt.

Hoteliers in Griechenland sehen die Lage derzeit vergleichsweise stabil. Die größere Entfernung zur Krisenregion sorge dafür, dass die Nachfrage aus Europa stabil bleibe. Zugleich betonen sie, dass der weitere Verlauf der Saison stark von der geopolitischen Lage abhängen werde. Auf Zypern zeigen sich die Folgen deutlicher. Die Insel liegt nahe an der Krisenregion, die Flughäfen verzeichneten im März ein Minus von 15,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Regierung hat ihre internationale Tourismuswerbung verstärkt.

Flugpreise könnten weiter steigen

Die geopolitische Lage wirkt sich auch auf die Kosten im Luftverkehr aus. Der Reiseverband geht davon aus, dass gestiegene Kerosinpreise auch mittelfristig zu steigenden Flugpreisen führen könnten. Lufthansa hat nach eigenen Angaben bereits Preiserhöhungen umgesetzt, die Nachfrage nach Reisen bleibe dennoch unverändert hoch.

Das Unternehmen sieht sich durch abgesicherte Kerosinpreise besser vor Preisschwankungen geschützt. Doch die Unsicherheit bleibt: «Weil das geopolitische Umfeld weiterhin sehr volatil und von kurzfristigen Veränderungen sowie Marktschwankungen geprägt ist, können sich die Ticketpreise weiter erhöhen», erklärte eine Lufthansa-Sprecherin.

Mehr Urlaub im eigenen Land

Deutschland rückt vor diesem Hintergrund für viele Reisende stärker in den Fokus. Nach Angaben des Deutschen Tourismusverbands wollen 41 Prozent der Deutschen, die in den kommenden drei Monaten verreisen möchten, ihren Urlaub im eigenen Land verbringen, 15 Prozent planen sogar zwei bis drei Inlandsreisen. «Damit hat Deutschland als Reiseziel wie schon bisher eine sehr hohe Relevanz», sagte Geschäftsführer Norbert Kunz.

Der Deutschland-Tourismus werde zeitweise von der geopolitischen Sicherheitslage profitieren, sagte Kunz unter Verweis auf erste Zahlen der Reiseveranstalter. Allerdings dämpften hohe Energie- und Spritpreise sowie die insgesamt gestiegenen Lebenshaltungskosten die Aussichten. «Das heißt, Urlaubszeiten könnten verkürzt oder Tages- und Wochenendausflüge reduziert werden.»

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