Solarverband: Förderstopp und Irankrieg treiben Nachfrage nach PV
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 10:57 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSEigenheimbesitzer setzen in Deutschland wieder verstärkt auf Solaranlagen. Im zweiten Quartal lag der Zubau von Photovoltaikanlagen im Heimsegment rund zehn Prozent über dem Vorjahresquartal, wie der Bundesverband Solarwirtschaft berichtet.
Solarverband meldet stärkere Nachfrage
Der Verband sieht eine steigende Nachfrage, ausgelöst durch den Irankrieg und Ankündigungen der Bundesregierung, die Einspeisevergütung für Solarstrom schrittweise ab 2027 abzuschaffen. Viele private Haushalte wollen demnach die bestehenden Förderbedingungen noch nutzen und zugleich ihre Abhängigkeit von unsicheren weltweiten Energiemärkten verringern.
Im Juli habe sich der Boom weiter verstärkt: Auf privaten Wohndächern wurden 21 Prozent mehr Photovoltaikanlagen verbaut als im Vorjahresmonat. Damit setzt sich im Sommer eine Entwicklung fort, die bereits im zweiten Quartal sichtbar war.
Leicht geringerer Zubau über das Jahr hinweg
Über den Zeitraum von Januar bis Juli fällt die Bilanz im Heimsegment dennoch etwas schwächer aus als im Vorjahr. In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres wurde eine Stromproduktion von 2,72 Gigawattpeak (GWp) neu installiert, im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 2,79 GWp.
In den vergangenen beiden Jahren war der PV-Zubau im Vergleich zu 2023 um rund ein Drittel gefallen. 2022 und 2023 hatten jedoch extrem hohe Energiepreise zu einer außergewöhnlich hohen Nachfrage geführt, sodass die aktuellen Werte von einem sehr hohen Ausgangsniveau aus betrachtet werden müssen.
Nachfrage bleibt auf hohem Niveau
Der Solarverband spricht vor diesem Hintergrund von einer weiterhin robusten Entwicklung im Heimsegment. Trotz geringerer Gesamtleistung im bisherigen Jahresverlauf liegen Zubau und Installationszahlen deutlich über dem Niveau vor dem Energiepreissprung 2022 und 2023.
Die Zahlen des Bundesverbands Solarwirtschaft zeigen eine ambivalente Entwicklung im Markt für private Photovoltaikanlagen. Während der jüngste Förderstopp für bestimmte Solaranlagen durch Bundesfinanzminister Christian Lindner und die Diskussion um die künftige Einspeisevergütung kurzfristig für eine Belebung der Nachfrage sorgen, ist der Gesamtzubau im Heimsegment seit dem Rekordjahr 2023 rückläufig. Eigenheimbesitzer reagieren damit auf politische und geopolitische Unsicherheiten sowie auf die weiterhin bedeutende Rolle der Energiepreise für ihre Haushaltsbudgets.
Politische Rahmenbedingungen und Verunsicherung
Die Ankündigung der Bundesregierung, die Einspeisevergütung für Solarstrom ab 2027 schrittweise auslaufen zu lassen, verändert die Kalkulation für viele private Investoren. Der wirtschaftliche Fokus verschiebt sich weg von der gewinnorientierten Einspeisung ins Netz hin zur möglichst hohen Eigennutzung des selbst erzeugten Stroms. Gleichzeitig hat der Stopp einzelner Förderprogramme für Solaranlagen das Signal gesendet, dass staatliche Unterstützung nicht dauerhaft garantiert ist. Dies kann zwei Effekte haben: zum einen Vorzieheffekte, weil Hausbesitzer noch von bestehenden Bedingungen profitieren wollen, zum anderen Zurückhaltung bei jenen, die auf stabile Rahmenbedingungen angewiesen sind.
Geopolitik, Energiepreise und Ausblick
Der Bezug des Solarverbands auf den Irankrieg verdeutlicht, dass internationale Konflikte weiterhin als Risiko für Versorgungssicherheit und Energiepreise wahrgenommen werden. Viele Haushalte sehen Photovoltaik deshalb als Versicherung gegen mögliche Preissteigerungen und als Schritt zu mehr Autarkie. Dass der Gesamtzubau im Heimsegment dennoch leicht unter Vorjahresniveau liegt und nach dem Ausnahmeboom 2022/2023 deutlich gefallen ist, deutet darauf hin, dass ein Teil der Nachfrage bereits vorgezogen wurde und die einfach erschließbaren Dachflächen vielerorts genutzt sind. Für die kommenden Jahre wird entscheidend sein, wie verlässlich die Politik die Übergangsregeln zur Einspeisevergütung gestaltet und welche Rolle Speicherlösungen und Eigenverbrauchskonzepte spielen. Für Leser bedeutet dies: Wer eine Solaranlage plant, sollte die aktuellen gesetzlichen Vorgaben genau prüfen und die Wirtschaftlichkeit stärker über langfristig gesparte Stromkosten als über Einspeiseerlöse berechnen.
