Smart Meter: EU zwingt Deutschland zu 50 Prozent bis 2030
09.06.2026 - 21:16:51 | boerse-global.de
Ein neuer Entwurf für ein Elektrifizierungsgesetz sieht feste Quoten für die Mitgliedstaaten vor. Deutschland, das bei Smart Metern Schlusslicht ist, stünde damit vor einem massiven Modernisierungsdruck. Der Gesetzesentwurf soll Ende Juli offiziell vorgelegt werden.
Stufenplan bis 2033
Der Verordnungsentwurf sieht konkrete Zielmarken vor: Bis Ende 2030 müssen mindestens 50 Prozent aller Endkunden mit Smart Metern ausgestattet sein. Bis Ende 2033 steigt die Vorgabe auf 65 Prozent. Die Initiative ist Teil eines größeren Vorhabens zur Elektrifizierung des europäischen Energiesystems.
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Parallel dazu plant die Kommission eine steuerliche Neuausrichtung. Strom soll künftig nicht mehr höher besteuert werden als Erdgas. Das Ziel: Anreize für den Umstieg auf elektrische Anwendungen schaffen.
Deutschland hinkt massiv hinterher
Die Ausgangslage ist für die Bundesrepublik ernüchternd. Laut Bundesnetzagentur haben gerade einmal 5,5 Prozent der Haushalte einen Smart Meter installiert. Ein Blick auf die Branche zeigt das ganze Ausmaß: Ende 2025 hatten 77 von über 800 Messstellenbetreibern noch kein einziges intelligentes Messsystem verbaut.
Als wesentlicher Kostenfaktor gelten die Hardwarepreise. In Deutschland kostet ein Smart Meter pro Einheit zwischen 200 und 220 Euro. Das bremst den Roll-out zusätzlich.
Warum Smart Meter für die Energiewende entscheidend sind
Die flächendeckende Einführung der Technologie gilt als Grundvoraussetzung für eine effizientere Nutzung erneuerbarer Energien. Nur mit intelligenten Zählern lassen sich Stromüberschüsse in Zeiten hoher Solareinspeisung besser verwerten.
Ein aktueller Vorschlag zeigt, wohin die Reise geht: kostenlose Mittagsstromkontingente von bis zu drei Stunden täglich. Das wäre immer dann möglich, wenn die Netze durch hohe Einspeisung entlastet werden müssen und negative Strompreise auftreten. Ohne digitale Infrastruktur lassen sich solche flexiblen Tarife aber nicht flächendeckend umsetzen.
Finanzierungsfrage ungelöst
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Die EU-Kommission denkt über zusätzliche Spielräume für Klima-Investitionen nach. Eigentlich sind diese Mittel für Verteidigungsausgaben vorgesehen – bis zu 1,5 Prozent des BIP. Davon könnten zwischen 2026 und 2028 bis zu 0,3 Prozent für die Energiewende reserviert werden.
Für Deutschland würde das laut Berechnungen des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) ein Volumen von rund 27 Milliarden Euro bedeuten. Ob die Bundesregierung diesen Spielraum nutzt, ist fraglich. Ökonomen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) rechnen damit, dass Deutschland die Kapazitäten vollständig für Verteidigungszwecke beansprucht.
Hinzu kommt: Die nationale Schuldenbremse könnte einer Nutzung des EU-Spielraums für zusätzliche Klimaschulden entgegenstehen. Kritiker warnen bereits vor einer Aufweichung der geltenden Fiskalregeln.
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