Smart Glasses: DSGVO-Verstöße drohen Marktrücknahmen und Update-Sperren
12.06.2026 - 07:54:39 | boerse-global.de
Smart Glasses mit integrierten Kameras werden zur Gefahr für die Privatsphäre – besonders in Schwimmbädern und Umkleiden.
Verbotswelle rollt an
Am heutigen Freitag warnte die Behörde vor dem Einsatz der Datenbrillen in sensiblen Bereichen. Das Problem: Normale Sehhilfen und kamerabasierte Brillen sind kaum zu unterscheiden. Unbefugte Aufnahmen ohne Einwilligung sind datenschutzrechtlich unzulässig.
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Potsdam reagierte bereits. Die Stadt änderte ihre Haus- und Badeordnung und verbietet Smart Glasses explizit. Hintergrund sind Berichte über heimliche Aufnahmen, die auf pornografischen Plattformen landeten.
Andere Städte zögern noch. Magdeburg und Halle haben keine spezifischen Verbote. Berlin verweist auf bestehende allgemeine Foto- und Filmverbote. Opferschutzorganisationen wie Hate Aid kritisieren: Strafrechtliche Konsequenzen greifen oft nur bei Verletzungen der Intimsphäre – etwa in Umkleidekabinen.
In Sachsen sind Kameras in Saunabereichen bereits generell verboten. Städte wie Dresden und Leipzig schulen ihr Personal, um auch unauffällige Kamerabrillen zu erkennen.
Boom trotz Bedenken
Der Markt für Smart Glasses wächst rasant. Marktführer EssilorLuxottica verkaufte 2025 rund sieben Millionen Geräte – ein Marktanteil von 80 Prozent. Der Konzern arbeitet im Rahmen einer bis in die 2030er Jahre verlängerten Partnerschaft mit Meta zusammen.
Um die Nachfrage zu bedienen, baut das Unternehmen eine Produktion im italienischen Agordo auf. Der Start der europäischen Fertigungsstätte ist für Anfang 2027 geplant.
Seit April 2026 sind in Deutschland zudem die Rokid Glasses erhältlich. Für rund 700 Euro bieten sie integrierte KI-Assistenten mit Echtzeit-Übersetzungen und Navigation. Auch Apple, Google, Snap und Samsung arbeiten eigenen Berichten zufolge an Modellen.
Strengere Regeln in Sicht
International wächst der Druck auf die Hersteller. Im US-Bundesstaat Pennsylvania prüft ein Gesetzentwurf eine verpflichtende, gut sichtbare Anzeige bei laufender Aufnahme. Händler müssten Kunden zudem über geltende Aufnahmegesetze informieren.
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Auch die EU will nachschärfen. Ziel ist die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Bei Verstößen drohen Marktrücknahmen oder technische Updatesperren.
Datenschützer kritisieren vor allem die mangelnde Sichtbarkeit von Aufnahme-LEDs. Bei aktuellen Modellen werden die Warnsignale oft übersehen. Gleichzeitig planen Hersteller bereits die Integration von Gesichtserkennung – die nächste Eskalationsstufe in der Debatte um den Schutz personenbezogener Daten im öffentlichen Raum.
