Siemens, Microsoft, Meta: Großkonzerne bauen Manager-Posten ab
28.05.2026 - 10:30:30 | boerse-global.deMünchen/Redmond – Die Industrie- und Technologiewelt erlebt einen tiefgreifenden Wandel. Immer mehr Großkonzerne stellen ihre Organisationen auf Künstliche Intelligenz und schlanke Führungsebenen um. Klassische Managerposten verschwinden, während KI-Systeme operative Aufgaben übernehmen. Das Ziel: Effizienzsteigerung um jeden Preis.
Siemens schafft Chef-Etagen ab
Der Münchner Technologieriese Siemens bereitet eine der tiefgreifendsten Reformen seiner Geschichte vor. Ab dem 1. Oktober 2026 fallen unter der Initiative „One-Tech-Company“ zahlreiche klassische Führungstitel weg. Positionen wie CEO oder CFO in einzelnen Divisionen werden durch schlichte „Head of“-Bezeichnungen ersetzt.
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Die IG Metall hat dem Vorhaben zugestimmt – unter der Bedingung, dass keine Arbeitsplätze durch die Umbenennungen verloren gehen. Der Umbau folgt auf ein Rekordjahr: 2025 erzielte Siemens einen Gewinn von 10,4 Milliarden Euro. Doch die Schattenseite ist bereits absehbar: Die Softwaretochter evosoft soll bis Ende 2027 geschlossen werden.
Microsofts Führungsrevolution
Auch Microsoft schlägt einen radikalen Kurs ein. Konzernchef Satya Nadella hat das bisherige Senior Leadership Team aufgelöst. An seine Stelle treten ein fünfköpfiges Corporate Leadership Team und eine 35-köpfige Engineering Leadership Group.
Der Umbau kommt nicht von ungefähr. Im April 2026 lief der Exklusivvertrag mit OpenAI aus. Und trotz jährlicher Investitionen von rund 190 Milliarden Euro in die Infrastruktur hapert es bei der Akzeptanz: Nur 20 Millionen der 400 Millionen Microsoft-365-Nutzer – gerade einmal fünf Prozent – verwenden den kostenpflichtigen Copilot-Dienst. Seit Mai 2026 sind nun „Computer-Use“-Agenten in Copilot Studio verfügbar, die eigenständig Aufgaben am Rechner übernehmen können.
KI erobert die Fabrikhallen
Auf der CamundaCon 2026 in Amsterdam stellte die Softwarefirma Camunda mit ProcessOS eine KI-Schicht vor, die Geschäftsprozesse analysiert und optimiert. Das System arbeitet mit sogenannter agentischer Softwareentwicklung und behält stets den Menschen im Loop – visuelle Modelle sichern die Kontrolle.
Im produzierenden Gewerbe geht es noch konkreter zu. Der IT-Dienstleister Syntax brachte am 27. Mai 2026 ShiftBook auf den Markt. Die Erweiterung für SAP Digital Manufacturing standardisiert die Kommunikation bei Schichtwechseln. Unternehmen wie Gerresheimer setzen die Lösung bereits in ihren Smart Factories ein.
Die ROTH Group wiederum wirbt mit Retrofit-Lösungen für ältere Maschinen. Durch den Austausch veralteter Steuerungen gegen moderne Systeme wie die Siemens S7-1500 sollen bestehende Anlagen fit für Industrie 5.0 gemacht werden.
Deutschland hinkt bei KI-Nutzung hinterher
Eine aktuelle PwC-Studie unter 1.217 Führungskräften weltweit zeigt: Deutschland ist bei der KI-Fitness nur Mittelmaß. Mit einer Bewertung von 5,6 von 10 Punkten liegt die Bundesrepublik knapp über dem globalen Durchschnitt von 5,5 und vor den USA (5,2). Spitzenreiter sind China (6,9) und Saudi-Arabien (6,2).
Besonders alarmierend: Eine kleine Gruppe von „KI-Führern“ – gerade 20 Prozent der Unternehmen – vereint 74 Prozent der finanziellen Erträge aus KI-Investitionen. In Deutschland konzentrieren sich 52 Prozent der KI-Bemühungen auf Effizienzsteigerung, nur 25 Prozent zielen auf Umsatzwachstum. Und lediglich 42 Prozent der deutschen Vorstände übernehmen persönliche Verantwortung für KI-Initiativen – bei den globalen Vorreitern sind es 74 Prozent.
Daten der SPS/WORKTECH Academy aus dem Frühjahr 2026 zeigen zudem: Die KI-Nutzung am Arbeitsplatz ist auf 75 Prozent gestiegen – 2025 lag sie noch bei 59 Prozent. Doch die Unternehmenspolitik hinkt hinterher: 33 Prozent der Organisationen haben noch immer keine formalen KI-Richtlinien. 15 Prozent der Mitarbeiter finanzieren ihre KI-Tools sogar aus eigener Tasche.
Neue Führungsmodelle und Stellenabbau
Neben der Technologie rücken auch neue Managementphilosophien in den Fokus. Das Konzept des „Cheffing“ – ein Ansatz von unten nach oben, bei dem Mitarbeiter ihre Vorgesetzten aktiv beeinflussen – gewinnt an Aufmerksamkeit. Eine Gallup-Studie aus dem Jahr 2022 hatte gezeigt, dass 40 Prozent der deutschen Arbeitnehmer das Führungsverhalten ihrer Vorgesetzten für verbesserungswürdig hielten.
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Noch drastischer geht Meta vor. Der Facebook-Konzern hat 8.000 Stellen gestrichen. Konzernchef Mark Zuckerberg begründete den Schritt mit der Notwendigkeit von Innovation – und räumte ein, dass einige der betroffenen Mitarbeiter genau an den KI-Systemen arbeiteten, die ihre Aufgaben nun übernehmen.
Parallel dazu bauen Salesforce und Cornerstone ihre Partnerschaft aus. Sie integrieren Workforce-Intelligence in Plattformen wie Slack, um KI-gestützte Schulungen und Datenanalysen direkt in den Arbeitsalltag von Vertriebs- und Serviceteams einzubetten.
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