Siemens-Chef Busch warnt vor umfassenden EU-Zöllen gegen China
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 08:46 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSSiemens-Chef Roland Busch warnt vor umfassenden EU-Zöllen gegen China und spricht sich stattdessen für gezielte Maßnahmen aus. Zugleich fordert er von der Europäischen Union mehr Tempo bei der Regulierung und Zulassung von Künstlicher Intelligenz.
Warnung vor pauschalen Strafzöllen
Busch sagte der "Welt am Sonntag", es könne Gründe für wenige, gezielte Zölle geben, doch müsse man äußerst vorsichtig sein, nicht mangelnde Wettbewerbsfähigkeit zu schützen, weil sich das rächen könne. Die Handelsprobleme Europas mit China seien nach seiner Darstellung nicht allein auf unfaire Praktiken zurückzuführen.
Er warnte davor, jedes Problem mit chinesischen Importprodukten pauschal darauf zurückzuführen, dass China alles subventioniere. Er glaube nicht, dass dies die ganze Wahrheit sei, sondern verwies auf sehr leistungsfähige Wettbewerber in China mit starken Ingenieuren und engagierten Teams, die innovative Produkte entwickelten und neue Technologien, einschließlich Künstlicher Intelligenz, rasch adaptierten.
Neue Wettbewerbslandschaft mit China
Nach Einschätzung des Siemens-Chefs stellt diese Kombination aus Innovationskraft und Geschwindigkeit eine neue Wettbewerbslandschaft dar, die Europa anerkennen und auf die es reagieren müsse. Anstatt sich auf Abschottung zu konzentrieren, sieht Busch die Notwendigkeit, die eigene Stärke bei Technologie, Forschung und Entwicklung auszubauen.
Er betonte, dass die europäischen Unternehmen sich auf einen dauerhaften Wettbewerb mit starken chinesischen Akteuren einstellen müssten. Dazu gehöre auch, regulatorische Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Investitionen und Innovationen in Europa attraktiv bleiben.
Kritik am langsamen KI-Regulierungsprozess
Mit Blick auf KI-Technologien forderte Busch die EU auf, die Zulassung und Regulierung deutlich zu beschleunigen. Man dürfe das Entwicklungstempo der KI-Technologie nicht durch Regulierung bremsen, sagte er und verwies darauf, wie lange es dauere, bis etwa ein AI Act oder Data Act verabschiedet werde.
Nach seinen Worten können sich KI-Modelle innerhalb von zwei Jahren sechs- oder achtmal weiterentwickeln, während politische Entscheidungen und Verordnungen noch beraten werden. Bis entsprechende Regelungen in Kraft träten, habe sich die Technologie oft bereits in eine andere Richtung bewegt, sodass Europa Gefahr laufe, dauerhaft hinterherzuhinken.
"Größte Wette der Geschichte" auf Technologie
Das Risiko einer Blasenbildung im Bereich der KI-Technologie bewertet Busch als überschaubar. Er spricht von der größten Wette der Geschichte auf Technologie, macht jedoch deutlich, dass es sich aus seiner Sicht nicht um eine Blase handelt, die auf geliehenem Geld basiert.
Ein Großteil der eingesetzten Mittel stamme demnach von Unternehmen, die einen erheblichen Cashflow erwirtschaften. Zudem müsse bei einem möglichen Scheitern nicht jede Investition vollständig abgeschrieben werden, weil viele Projekte in bestehende Strukturen und Produkte eingebettet seien.
Positiver Ausblick auf KI-Einsatz
Busch zeigte sich überzeugt, dass sich die Investitionen in Künstliche Intelligenz auszahlen werden. Erste positive Effekte seien bereits sichtbar, etwa durch effizientere Abläufe, gesteigerte Produktivität und neue Geschäftsmodelle in der Industrie.
KI werde die Märkte nach seiner Einschätzung positiv verändern, Effizienz und Effektivität steigern, Ressourcen schonen und Innovationen beschleunigen. Leserinnen und Leser werden gebeten, diesen Artikel an Freunde weiterzuleiten.
Die Aussagen von Siemens-Chef Roland Busch fügen sich in eine anhaltende Debatte über den richtigen Umgang Europas mit der wirtschaftlichen und technologischen Konkurrenz aus China ein. In den vergangenen Jahren haben die EU-Institutionen mehrfach Anti-Dumping-Maßnahmen und Untersuchungen gegen bestimmte chinesische Produkte eingeleitet, insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien und der Elektromobilität. Vor diesem Hintergrund richten sich Buschs Warnungen vor umfassenden Zöllen vor allem gegen eine Politik, die pauschal und flächendeckend auf Handelsschranken setzt.
Industriepolitischer Hintergrund
Busch betont, dass chinesische Unternehmen nicht allein wegen staatlicher Unterstützung erfolgreich seien, sondern auch aufgrund hoher Innovationskraft und großer technischer Kompetenz. Damit verschiebt er den Fokus weg von der reinen Subventionsfrage hin zu strukturellen Wettbewerbsfaktoren wie Forschung, Entwicklung und die schnelle Einführung neuer Technologien. Für europäische Unternehmen bedeutet dies, dass sie ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit durch Investitionen in Innovation, Ausbildung und Digitalisierung stärken müssen, statt vor allem auf protektionistische Maßnahmen zu setzen.
Gleichzeitig verweist seine Kritik an umfassenden Zöllen auf mögliche Folgewirkungen für exportorientierte Konzerne. Unternehmen wie Siemens sind in globalen Lieferketten eng mit China verflochten, sowohl als Produktionsstandort als auch als Absatzmarkt. Breite Strafzölle könnten daher Rückwirkungen auf europäische Betriebe, höhere Kosten für Endkunden und Gegenmaßnahmen Pekings nach sich ziehen.
Regulierung von KI und technologische Dynamik
Mit Blick auf die Regulierung von Künstlicher Intelligenz richtet Busch den Blick auf das Tempo politischer Entscheidungen. Seine Hinweise auf AI Act und Data Act spiegeln die Sorge wider, dass lange Gesetzgebungsverfahren hinter der rasanten Entwicklung von KI-Systemen zurückbleiben. Für Unternehmen ist dabei besonders relevant, ob neue Regeln rechtssicher und zugleich flexibel genug sind, um Innovation nicht auszubremsen.
Buschs Einschätzung, die aktuelle Investitionswelle in KI sei keine klassische Blase, verweist auf die veränderte Struktur der Technologiebranche: Viele große Konzerne finanzieren ihre KI-Projekte aus laufenden Gewinnen, statt überwiegend auf fremdfinanzierte Spekulation zu setzen. Für Beschäftigte und Kunden könnte dies bedeuten, dass KI-Anwendungen schrittweise in Produkte und Dienstleistungen integriert werden, etwa in der industriellen Automation, in Energiesystemen oder im Verkehr. Zugleich bleibt die Frage, wie Regulierung, Wettbewerbspolitik und Datenschutz mit dieser Dynamik Schritt halten.
Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft
Für Leserinnen und Leser in Deutschland ist die Debatte relevant, weil sie zentrale Weichenstellungen für Arbeitsplätze, Investitionen und technologische Souveränität betrifft. Buschs Warnung vor pauschalen Zöllen und zu langsamer Regulierung lässt sich als Plädoyer für eine Industriepolitik lesen, die offene Märkte, Innovationsförderung und pragmatische Regeln verbindet. Ob die europäische Politik diesem Kurs folgt, wird sich daran zeigen, wie künftige Entscheidungen zu Handel mit China und zur Regulierung von KI ausgestaltet werden.
