Siemens-Chef Busch fordert schnellere Entscheidungen in Deutschland
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 06:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBusch nennt Bedingungen für Investitionen
- Roland Busch leitet den Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft.
- Japan bündelt seine Strategie in 17 Technologiefeldern und 62 Unterpunkten.
- Korea setzt laut Busch auf ein eigenes Kabinett mit kurzen Sitzungsabständen.
- Busch nennt gemeinsame Plattformen und Spezialchips als mögliche Kooperationsfelder.
Siemens-Chef fordert mehr Tempo von Deutschland
Siemens-Chef Roland Busch fordert von Deutschland und Europa schnellere Entscheidungen und bessere staatliche Rahmenbedingungen. Der Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft sagte dem Newsletter „Weltwirtschaft“ der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: „Wir müssen schneller werden“.
Japan dient als Beispiel für klare Prioritäten
Busch verwies auf Japans Strategie mit 17 Technologiefeldern und 62 Unterpunkten. Jeder Punkt benenne, was zu tun sei, um private und staatliche Investitionen zu mobilisieren; auch der Arbeitsmarkt solle reformiert werden.
Ein solcher Plan sei stark, sagte Busch. Korea gehe mit einem eigenen Kabinett, das sich in kurzen Abständen treffe, ähnlich vor. Auf die Frage, ob er ein solches Vorgehen auch in Deutschland sehe, antwortete Busch knapp: „Nein.“
Arbeitsmarkt und Energie im Mittelpunkt
Für Deutschland und Europa verlangte Busch einen reformierten Arbeitsmarkt, bezahlbare Energie, weniger Regulierung und schnellere Entscheidungen. Ohne diese Grundlagen könne die Industrie noch so viel leisten, ohne dass es funktioniere.
Kleine Unternehmen ohne globale Präsenz seien besonders auf Strukturreformen angewiesen. Dem japanischen Wirtschaftsministerium Meti bescheinigte Busch Erfolge bei der gemeinsamen Beschaffung kritischer Rohstoffe mit Unternehmen. Das wünsche er sich auch für Deutschland und Europa.
Busch warnt vor fehlenden Prioritäten
Industriepolitik sei nicht leicht, sagte Busch. „Wenn alles gleich wichtig ist, hat man keine Strategie“, so der Siemens-Chef.
Zudem sprach er sich für mehr Zusammenarbeit aus. Die Industrien Japans und Koreas überschnitten sich stark mit der deutschen, bisher seien die Unternehmen jedoch Wettbewerber gewesen.
Kooperation mit Wettbewerbern wird wichtiger
Wegen der Geopolitik und der Innovationsgeschwindigkeit Chinas setze nun ein Umdenken ein. Busch forderte, mit Wettbewerbern dort zu kooperieren, wo es sinnvoll und rechtlich zulässig sei.
Als Beispiele nannte er gemeinsame Plattformen oder einen gemeinsam entwickelten Spezialchip. In Deutschland sehe man die Welt dagegen „schwarz-weiß“: Wettbewerb oder nicht.
Roland Busch verbindet seine Forderung nach schnelleren Entscheidungen mit einem internationalen Standortvergleich. Japan arbeitet nach seiner Darstellung mit einem detaillierten Plan für 17 Technologiefelder und 62 Unterpunkte, während Korea die Umsetzung durch ein eigenes Kabinett und regelmäßige Treffen bündelt. Der Vergleich zielt damit nicht allein auf einzelne Gesetze, sondern auf die Fähigkeit eines Staates, Prioritäten festzulegen und Investitionen gezielt zu mobilisieren.
Für Deutschland nennt Busch mehrere miteinander verknüpfte Voraussetzungen: einen reformierten Arbeitsmarkt, bezahlbare Energie, weniger Regulierung und kürzere Entscheidungswege. Diese Punkte betreffen sowohl große Konzerne als auch kleinere Unternehmen, die nicht über globale Standorte und eigene politische Einflussmöglichkeiten verfügen. Die Debatte fällt in eine Phase, in der hohe Produktionskosten und eine schwache Auftragslage den Druck auf die Metall- und Elektroindustrie erhöhen. Zugleich werden in Deutschland KI, Robotik und digitale Technologien als Felder diskutiert, in denen mehr Tempo bei Entwicklung und Anwendung nötig ist.
Kooperation als industriepolitischer Faktor
Buschs Plädoyer für Kooperation mit Unternehmen aus Japan und Korea erweitert die Debatte über Standortbedingungen um eine strategische Dimension. Gemeinsame Plattformen oder Spezialchips könnten Entwicklungs- und Investitionsrisiken teilen, sofern Wettbewerbs- und Kartellrecht eingehalten werden. Dahinter steht die Einschätzung, dass geopolitische Spannungen und Chinas Innovationsgeschwindigkeit traditionelle Rivalitäten neu ordnen.
Für die Politik folgt daraus ein Zielkonflikt: Industriepolitik muss Prioritäten setzen, darf aber nicht in beliebige Einzelhilfen zerfallen. Für Unternehmen entscheidet sich die praktische Wirkung an konkreten Verfahren – etwa bei Genehmigungen, Energieversorgung, Fachkräften und der Beschaffung kritischer Rohstoffe. Je schneller diese Rahmenbedingungen geklärt werden, desto eher können Investitionsentscheidungen in Deutschland und Europa fallen.
