Sicherheitslücken, Behebung

Sicherheitslücken: Behebung dauert im Median 43 Tage – nur 26 Prozent geschlossen

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 22:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Lange Behebungszeiten und angreifbare Sicherungen erhöhen die Risiken; Experten empfehlen Updates, minimale Zugriffsrechte und KI-gestützte Abwehr.
Industrielle Fertigungshalle mit großen Maschinen in einer ruhigen, schattigen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Experten und aktuelle Forschungsergebnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit, Produktionsinfrastrukturen durch konsequente Updates, widerstandsfähige Backups und KI-gestützte Abwehrstrategien gegen zunehmend automatisierte Angriffsmethoden abzusichern.

Angesichts von Angreifern, die Schwachstellen mithilfe künstlicher Intelligenz in Rekordzeit ausnutzen, geraten klassische Abwehrmechanismen in Fertigung und Betriebstechnik zunehmend unter Druck.

Wachsende Schadensrisiken in der Fertigungsindustrie

Die Fertigungsindustrie steht im Fadenkreuz Cyberkrimineller. Nach Angaben von Allianz Commercial entfallen 33 Prozent des Werts großer Cyber-Schadensfälle auf das produzierende Gewerbe – mehr als auf jede andere Branche. Das Management müsse daher das Konzept eines überlebensfähigen Minimalbetriebs definieren und veraltete Systeme modernisieren, für die keine Sicherheitsaktualisierungen mehr bereitgestellt werden.

Dass die Bedrohungslage akut ist, zeigt auch der Cisco Relentless Defense Report: 89 Prozent der befragten IT-Sicherheitsexperten in Deutschland meldeten mindestens einen geschäftsschädigenden Cybervorfall innerhalb der vergangenen zwölf Monate. Gleichzeitig gaben 61 Prozent der 300 Befragten an, Bedrohungen nicht ausreichend vorausschauend begegnen zu können. Lediglich 7 Prozent erreichen in der Erhebung die höchste Reifestufe.

Große Verzögerungen bei der Behebung von Sicherheitslücken

Eine Analyse von a16z verdeutlicht die Diskrepanz zwischen der Geschwindigkeit von Angreifern und der Reaktionszeit der Verteidiger. Auswertungen von Verizon aus dem Jahr 2026 zeigen, dass eine mediane vollständige Fehlerbehebung 43 Tage in Anspruch nimmt.

Anzeige

Die rasanten Entwicklungen bei Cyberrisiken und neue technologische Standards fordern Unternehmen heute mehr denn je heraus. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer jetzt kennen müssen, um ihre IT-Sicherheit zukunftssicher aufzustellen. Neue KI-Gesetze und Cyberrisiken: Den kostenlosen Report jetzt anfordern

Lediglich 26 Prozent der bekannt ausgenutzten Schwachstellen wurden demnach vollständig behoben. Veracode ermittelte für das Jahr 2025 eine durchschnittliche Fehlerbehebungsdauer von 252 Tagen, verglichen mit 171 Tagen vor fünf Jahren.

Gleichzeitig beschleunigen moderne KI-Modelle das Entdecken von Einfallstoren dramatisch: Anthropic demonstrierte, dass ein noch unveröffentlichtes Modell in unter einer Stunde einen funktionierenden Fernzugriffs-Exploit ohne Anmeldedaten für einen Linux-Kernel-Fehler erzeugen konnte. Auf industrieller Ebene verschärft sich das Problem zusätzlich.

Laut Dragos blieben im Jahr 2025 rund 25 Prozent der industriellen Sicherheitsmeldungen ohne Software-Patch oder Schutzmaßnahme; lediglich 2 Prozent erforderten sofortiges Handeln. Zudem wiesen 89 Prozent der Krankenhäuser in einer Umfrage aus dem Jahr 2025 bekannt ausgenutzte Schwachstellen an ihren Geräten auf.

Schwachstellen in Backup-Systemen und Cyberresilienz

Die Absicherung von Datenkopien erweist sich häufig als kritische Schwachstelle. Laut Sophos erlebten im Jahr 2024 rund 94 Prozent der Ransomware-Betroffenen gezielte Angriffe auf ihre Backups, wovon 57 Prozent erfolgreich waren. Dies hat drastische finanzielle Konsequenzen: Die medianen Wiederherstellungskosten belaufen sich laut a16z-Analyse auf rund 3 Millionen US-Dollar bei kompromittierten Sicherungen, gegenüber 375.000 US-Dollar bei intakten Backups.

Bei Sophos Healthcare sank der Anteil erfolgreicher Wiederherstellungen aus Backups im Jahr 2025 auf 51 Prozent, verglichen mit 72 Prozent drei Jahre zuvor.

Anzeige

Wer die Widerstandsfähigkeit seines Unternehmens gegen digitale Angriffe proaktiv stärken möchte, findet in diesem Leitfaden wertvolle Ansätze zur Prävention. Erfahren Sie im kostenlosen E-Book, wie Sie Sicherheitslücken schließen und gleichzeitig neue gesetzliche Anforderungen ohne hohe Investitionen erfüllen. IT-Sicherheit ohne teure Investitionen: Gratis-E-Book herunterladen

Eine Untersuchung von QNAP zur Cyberresilienz unter 1.838 Organisationen aus 93 Ländern ergab, dass sich 50 Prozent (922 Organisationen) in den Risikostufen im Aufbau oder hohes Risiko einstufen.

Zwar lagern 83 Prozent ihre Sicherungen an einem separaten Standort, doch 49 Prozent (896 Organisationen) halten diese rund um die Uhr ohne Löschschutz online. 24 Prozent schützen zentrale Speichersysteme lediglich mit einfachen Zugangsdaten aus Benutzername und Passwort. 29 Prozent verzichten gänzlich auf interne Bedrohungserkennung, während nur 13 Prozent über Erkennungsmechanismen auf Unternehmensniveau verfügen.

KI als Einfallstor und Instrument der Abwehr

Während Angreifer generative Werkzeuge für Zero-Day-Exploits und Einbrüche nutzen, setzen laut Cisco bisher nur 27 Prozent der befragten deutschen Sicherheitsexperten auf KI-gestützte Sicherheitsfunktionen.

Als Hürden nannten 44 Prozent die Furcht vor einer Kompromittierung der KI-Systeme, 39 Prozent regulatorische Vorgaben, 38 Prozent internen Missbrauch und 33 Prozent Datenschutzbedenken. Nur 47 Prozent zeigten sich sehr zuversichtlich, manipulierte KI-Agenten zuverlässig aufzuspüren.

Für die künftige Cyberresilienz gewinnt die Software-Stückliste an Bedeutung, um im Zusammenspiel mit System-, Versions- und Kundendaten betroffene Installationen exakt zu identifizieren. Zudem warnen Sicherheitsexperten davor, KI-Agenten weitreichende Vollmachten auf Unternehmensdaten zu gewähren.

Vielmehr seien minimale Rechte, eine strikte Trennung von Daten und Ausführungsbefehlen sowie risikobasierte Priorisierungen in der Betriebstechnik notwendig, um Produktionsausfälle effektiv zu verhindern.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70472164 |