Sicherheitsbeauftragte, Grenze

Sicherheitsbeauftragte: Neue Grenze bei 50 Mitarbeitern ab Mai

04.06.2026 - 21:16:54 | boerse-global.de

Lidl führt praktische Ergonomie-Trainings durch. Neue gesetzliche Regelungen verändern zudem die Pflicht zur Bestellung von Sicherheitsbeauftragten.

Lidl setzt auf Ergonomie-Schulungen für Mitarbeiter
Sicherheitsbeauftragte - Mitarbeiter nehmen an einer Ergonomie-Schulung in einem Lager oder Büro teil, lernen rückenschonendes Heben und korrekte Körperhaltung. 04.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Praktische Übungen statt trockener Theorie: Der Lebensmitteleinzelhändler Lidl setzt auf spezialisierte Ergonomie-Schulungen für seine Gesundheitsbeauftragten. Am 4. Juni fand eine entsprechende Maßnahme im Zentrallager in Schleswig-Holstein statt. Teilnehmer aus Verwaltung, Handel und Logistik lernten Techniken für rückengerechtes Heben und Tragen sowie bewegte Pausen.

Vom Lager bis zum Festival

Die Schulung geht über reine Theorie hinaus. Mitarbeiter erhalten Coaching direkt im Lager und an Büroarbeitsplätzen. Dabei geht es um konkrete Anpassungen: die richtige Einstellung von Kassenstühlen oder die Nutzung von Fußstützen. Parallel nutzt Lidl auch publikumswirksame Events wie das Festival Rock am Ring. Im dortigen „Rock Store“ bietet das Unternehmen Yoga-Sessions an – Gesundheitsthemen in lockerer Atmosphäre.

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Neue Regeln für Sicherheitsbeauftragte

Flankiert werden diese Maßnahmen von einer Gesetzesänderung. Der Bundestag beschloss am 26. März eine Neuregelung des Paragrafen 22 im Siebten Buch Sozialgesetzbuch (SGB VII). Seit dem 29. Mai gilt: Unternehmen müssen erst ab 50 Beschäftigten verpflichtend Sicherheitsbeauftragte bestellen. Bisher lag die Grenze bei 20 Mitarbeitern.

Für Betriebe mit 21 bis 49 Beschäftigten besteht die Pflicht nur noch bei besonderen Gefährdungslagen. Firmen mit 50 bis 249 Angestellten kommen mit einem Sicherheitsbeauftragten aus – sofern die Unfallverhütungsvorschriften keine höhere Zahl fordern. Kleinstbetriebe mit bis zu 20 Mitarbeitern bleiben weiterhin von der generellen Bestellpflicht befreit.

Hohe Belastung, lohnende Investitionen

Die Notwendigkeit betrieblicher Gesundheitsinvestitionen untermauern aktuelle Zahlen. Eine Erhebung von Civey und Factorial zeigt: 58,7 Prozent der Erwerbstätigen nehmen eine gestiegene Arbeitsbelastung wahr. Fast die Hälfte der Personalverantwortlichen berichtet von steigenden Krankenständen.

Der finanzielle Nutzen von Präventionsmaßnahmen ist belegt. Laut der Hochschule Aalen bringt das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) 4,80 Euro pro investiertem Euro. Der BKK Dachverband beziffert die Rendite allgemeiner BGM-Maßnahmen auf 2,70 Euro. Besonders relevant: Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) schätzt die Kosten eines einzigen Ausbildungsabbruchs auf durchschnittlich 6.478 Euro.

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Förderung und Qualifizierung

Krankenkassen unterstützen Unternehmen bei der Umsetzung. Nach Paragraf 20b SGB V werden kollektive Formate für Auszubildende gefördert – etwa in den Bereichen Bewegung, Ernährung oder Stressmanagement. Die Zuschüsse liegen je nach Anbieter zwischen 150 und 300 Euro pro Jahr.

Auch Beratungsunternehmen setzen auf verpflichtende Qualifizierungen. Roland Berger bietet strukturierte Bootcamps für neue Mitarbeiter und Fachkräfte vor Karriereschritten an. Neben fachlicher Entwicklung steht dort auch der verpflichtende Umgang mit Künstlicher Intelligenz auf dem Programm. Lokale Initiativen ergänzen das Angebot: Im Saarpfalz-Kreis werden Betriebe für herausragende Leistungen im betrieblichen Eingliederungsmanagement ausgezeichnet.

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