Sicherheitsbeauftragte, KMU

Sicherheitsbeauftragte: Neue 50er-Grenze entlastet KMU – mit Risiken

28.05.2026 - 21:30:24 | boerse-global.de

Reform entlastet KMU bei Sicherheitsbeauftragten, doch Brandschutz und Klimawandel fordern Unternehmen heraus.

Sicherheitsbeauftragte: Neue 50er-Grenze entlastet KMU – mit Risiken - Foto: über boerse-global.de
Sicherheitsbeauftragte: Neue 50er-Grenze entlastet KMU – mit Risiken - Foto: über boerse-global.de

Neue Vorschriften, technische Innovationen und wachsende Klimarisiken zwingen Unternehmen zum Umdenken.

Entlastung für kleine Betriebe – aber mit Risiken

Eine Reform ändert die Regeln für Sicherheitsbeauftragte grundlegend. Künftig müssen Unternehmen erst ab 50 Mitarbeitern einen Sicherheitsbeauftragten benennen. Die Maßnahme soll vor allem kleine und mittlere Betriebe (KMU) von Bürokratie entlasten.

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Viele Unternehmen machen unbewusst Fehler bei der GBU – ein kostenloser Report zeigt, wie Sie auf der sicheren Seite bleiben und rechtssichere Gefährdungsbeurteilungen erstellen, die von Aufsichtsbehörden anerkannt werden. Diese 7 Irrtümer zur Gefährdungsbeurteilung können Arbeitgeber teuer zu stehen kommen

Doch die Kehrseite zeigt der DEKRA-Arbeitssicherheitsreport 2023. Die Studie befragte 1.500 Beschäftigte und offenbarte eklatante Mängel: Viele Firmen mit weniger als 50 Angestellten vernachlässigen die vorgeschriebenen Unterweisungen zu Arbeitssicherheit und Brandschutz.

Zum Vergleich: 87 Prozent der Großunternehmen mit über 500 Mitarbeitern schulen regelmäßig. Bei mittelständischen Firmen sind es nur 69 Prozent. Noch alarmierender: Lediglich 70 Prozent der Beschäftigten kennen die Sicherheitsregeln vollständig. Und 39 Prozent beobachten, dass diese Vorschriften nicht konsequent eingehalten werden.

Besonders krass ist der Unterschied bei der betrieblichen Gesundheitsförderung. Während 87 Prozent der Großkonzerne ihren Mitarbeitern entsprechende Angebote machen, sind es bei KMU gerade einmal 37 Prozent.

Lithium-Ionen-Brände: Neue Gefahr erfordert neue Regeln

Die Technik entwickelt sich rasant – und mit ihr die Brandrisiken. Eine neue Brandklasse Klasse L nach ISO 3941:2026 wurde speziell für Lithium-Ionen-Batterien eingeführt. Das ist eine direkte Reaktion auf die zunehmende Verbreitung von E-Autos, Akku-Werkzeugen und Energiespeichern.

Für den vorbeugenden Brandschutz gibt es jetzt eine zertifizierte Lösung: Die VdS Schadenverhütung hat das N2 ORS-System der Wichmann Brandschutzsysteme als ganzheitliche Lösung zur aktiven Brandvermeidung anerkannt. Das System arbeitet mit Sauerstoffreduktion und eignet sich besonders für sensible Bereiche wie Rechenzentren, Serverräume, Hochregallager und Archive.

Wie viele Brandschutzhelfer ein Unternehmen braucht, ist klar geregelt. Die aktuellen Richtlinien (ASR A2.2 und DGUV Information 205-023) empfehlen, fünf Prozent der Belegschaft entsprechend auszubilden. Die genaue Zahl muss jedoch in einer Gefährdungsbeurteilung ermittelt werden – unter Berücksichtigung von Schichtarbeit, Krankheit und Urlaubszeiten. Experten raten zu einer Auffrischung alle drei bis fünf Jahre.

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Wenn es brennt: Lehren aus aktuellen Großbränden

Die Bedeutung strenger Sicherheitsprotokolle zeigt ein aktueller Vorfall. Zwischen dem 26. und 27. Mai 2026 brachen in den Industriegebieten Thuy Van und Binh Xuyen in der vietnamesischen Provinz Phu Tho mehrere Großbrände aus. Bei der Firma SYC Green World Co., Ltd. wurde eine zweistöckige Fabrikhalle vollständig zerstört. Verletzte gab es glücklicherweise nicht.

Nur einen Tag später, am Nachmittag des 27. Mai, führten Polizei und Sozialbehörden in der Provinz Ca Mau eine gemeinsame Brandschutzübung durch. Ziel war es, Schwachstellen in den Notfallplänen zu identifizieren und zu beheben.

Klimawandel: Die neue Gefahr am Arbeitsplatz

Die größte Herausforderung kommt jedoch schleichend. Der Klimawandel verändert die Arbeitsbedingungen grundlegend. Extreme Wetterereignisse und steigende Temperaturen werden zum Sicherheitsrisiko.

Der TÜV Rheinland hat bereits im Februar 2026 reagiert und einen erweiterten Rahmen für Gefährdungsbeurteilungen angekündigt. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) schätzt, dass rund ein Drittel aller Arbeitnehmer in Europa klimabedingten Risiken ausgesetzt ist. Besonders betroffen: die Bauwirtschaft, die Logistik und die Landwirtschaft.

Vorbeugen ist besser als heilen

Beim DGUV-Impulsforum am 19. Mai 2026 in Berlin betonte Dr. Stephan Fasshauer, Geschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung: Resilienz entsteht nicht im Krisenfall, sondern durch frühzeitige Risikoerkennung und verlässliche Strukturen.

Dass dieser Ansatz Früchte trägt, zeigt ein Beispiel aus Vietnam: Am 27. Mai 2026 führten Ärzte des Regionalkrankenhauses Mong Cai Gesundheitschecks und Untersuchungen auf Berufskrankheiten für über 1.000 Arbeiter der Firma Ecotextile Vietnam Co., Ltd. durch. Am selben Tag besuchten Beamte des Innenministeriums in Can Tho schwer verletzte Arbeitsunfallopfer – im Rahmen des Aktionsmonats für Arbeitssicherheit 2026.

Die Botschaft ist klar: Wer heute in Sicherheit investiert, spart morgen Leid und Kosten.

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