Selbstständigen-Krise, Geschäftsklima

Selbstständigen-Krise: Geschäftsklima auf -29,9 Punkte gefallen

27.05.2026 - 09:50:53 | boerse-global.de

Neues AGDD-Programm unterstützt Rückkehrer aus dem Entwicklungsdienst bei der Firmengründung in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.

Selbstständigen-Krise: Geschäftsklima auf -29,9 Punkte gefallen - Foto: über boerse-global.de
Selbstständigen-Krise: Geschäftsklima auf -29,9 Punkte gefallen - Foto: über boerse-global.de

Rückkehrer aus dem Entwicklungsdienst erhalten ab Juni gezielte Unterstützung bei der Gründung eigener Unternehmen – ausgerechnet in einer Phase wachsender wirtschaftlicher Unsicherheit unter Selbstständigen.

Die Arbeitsgemeinschaft der Entwicklungsdienste e.V. (AGDD) hat ein neues Programm vorgestellt, das Fachkräften nach ihrem Auslandseinsatz den Weg in die Selbstständigkeit ebnen soll. Ein Online-Seminar am 16. Juni 2026 führt in ein Modell der kollegialen Beratung ein, das genau diese Rückkehrer bei der Gründung eigener Firmen unterstützen soll.

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Kollegiale Beratung als Schlüsselstrategie

Das Seminar richtet sich an Menschen, die nach einem Entwicklungsdienst nun eigene gewerbliche oder Beratungspraktiken aufbauen wollen. Die Veranstaltung läuft per Zoom von 17:00 bis 19:30 Uhr und stellt die „Kollegiale Beratung" in den Mittelpunkt. Dabei geht es darum, gemeinsame Erfahrungen zu nutzen, um individuelle berufliche Herausforderungen zu lösen.

Jasper Hoffmann, der Ansprechpartner für das Seminar, betont, dass die Teilnehmer in einem strukturierten Rahmen ihre Geschäftsmodelle und Strategien diskutieren können. Durch den Aufbau eines kooperativen Netzwerks will die AGDD die Isolation überwinden, die viele Neugründer nach der Rückkehr aus dem Ausland erleben. Der Ansatz ergänzt klassische Gründungsberatungen durch Erfahrungen von Menschen mit ähnlichem Hintergrund in der internationalen Zusammenarbeit.

Wirtschaftsklima trübt sich ein

Die Start des Programms fällt in eine Zeit wachsender Nervosität unter kleinen Unternehmen. Das ifo Institut meldete Ende Mai 2026 einen deutlichen Einbruch des Geschäftsklimas für Selbstständige. Der Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex für diesen Sektor fiel im April auf -29,9 Punkte. Fast die Hälfte der Befragten klagte über anhaltenden Auftragsmangel.

Die Umfrageergebnisse zeigen zudem: 20,6 Prozent der Selbstständigen machen sich ernsthafte Sorgen um ihre wirtschaftliche Existenz. Über 38 Prozent können ihre künftige Geschäftsentwicklung kaum abschätzen. Für Rückkehrer, die sich neu am Markt etablieren wollen, sind das keine guten Nachrichten. Die AGDD setzt deshalb bewusst auf kollegiale Netzwerke – als strategisches Instrument zur Risikominimierung.

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Regionale Unterstützung wächst

Während die Stimmung bundesweit gedrückt ist, verändern sich regionale Hilfsangebote. Der Lotsendienst Havelland ist kürzlich ins Kulturhaus „Johannes R. Becher" in Falkensee umgezogen. Seit 2007 hat der Dienst 570 Unternehmensgründungen begleitet. Künftig gibt es dort jeden dritten Mittwoch im Monat kostenlose Einzelberatungen.

Auch die IHK und die Handwerkskammer Magdeburg boten am 26. Mai einen Beratungstag zur Unternehmenssicherung an. Der Sanierungsforum Mitteldeutschland e.V. führte kostenlose Erstgespräche zur finanziellen Stabilität durch. In Pasewalk wiederum findet am 18. Juni eine kostenlose Veranstaltung zur Fachkräftegewinnung statt – ein Thema, das viele kleine Betriebe umtreibt.

Internationale Perspektiven

Bemerkenswert ist der Blick über die Landesgrenzen: Ein „Business Roundtable Ukraine" bei der IHK Magdeburg am 28. Mai befasste sich mit Beteiligungsmöglichkeiten deutscher Mittelständler am Wiederaufbau des Landes. Reiner Perau, Geschäftsführer der Deutsch-Ukrainischen Industrie- und Handelskammer, informierte über Investitionsmöglichkeiten und die EU-Annäherung der Ukraine.

Für Rückkehrer aus dem Entwicklungsdienst eröffnen sich hier besondere Chancen. Sie bringen genau die interkulturellen Kompetenzen und regionalen Kenntnisse mit, die für solche Projekte gefragt sind. Der Schritt in die Selbstständigkeit bedeutet für sie nicht nur Überleben im Inland, sondern auch Positionierung als Spezialisten für anspruchsvolle internationale Einsätze.

Neue Wege in der Sozialwirtschaft

Parallel dazu entstehen durch öffentliche Förderung neue Berufsfelder. Die Stadt Rüsselsheim erhielt Fördermittel von bis zu 1,17 Millionen Euro für das Projekt „Mäc – Männer in Care-Berufe 2.0". Das 30-monatige Vorhaben wird aus dem ESF-Plus-Programm „Win-Win" finanziert und soll benachteiligte Männer zwischen 18 und 35 Jahren in Pflege- und soziale Berufe führen.

Ausblick: Netzwerke als Rettungsanker

Die Konzentration auf kollegiale Beratung markiert einen Wandel in der Gründungsförderung. Statt klassischer Top-down-Beratung setzt man auf geteilte Erfahrungen – besonders wertvoll für Rückkehrer, die internationale Expertise in den deutschen Rechts- und Wirtschaftsrahmen übersetzen müssen.

Der Umzug des Lotsendienstes Havelland und der Fokus der IHK Magdeburg auf Unternehmenssicherung zeigen: Die Unterstützung wandelt sich von reiner Gründungshilfe zur langfristigen Stabilitätshilfe. Für Rückkehrer, die ein Unternehmen aufbauen wollen, bilden diese regionalen und kollegialen Angebote ein Sicherheitsnetz gegen die hohe Unsicherheit, die derzeit über einem Drittel der Selbstständigen lastet.

Das Seminar am 16. Juni könnte der Auftakt für weitere digitale Formate sein, die den Gründergeist der Rückkehrer stabilisieren sollen. Ob das gelingt, wird auch davon abhängen, ob die Auftragslage wieder anzieht – denn der fehlende Bedarf bleibt der Hauptgrund für das trübe Geschäftsklima.

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