Selbständige: 45,7 Prozent melden fehlende Aufträge
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 07:34 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSGefährdete Existenzen im Kleingewerbe
- Die Ifo-Umfrage erfasst Solo-Selbständige und Kleinstunternehmen mit fehlenden Aufträgen.
- 19,5 Prozent sehen ihre wirtschaftliche Existenz bedroht, in der Gesamtwirtschaft sind es 6,7 Prozent.
- Der Jimdo-Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Oktober von -18,8 auf -18,6 Punkte.
- Unternehmensberatungen erreichten erstmals seit zwei Jahren wieder ein positives Geschäftsklima.
Ifo-Umfrage zeigt anhaltenden Auftragsmangel
Der Auftragsmangel bei Selbständigen hält an: 45,7 Prozent der Befragten berichten von fehlenden Aufträgen. Firmen und Privatkunden hielten sich zurück, sagte Ifo-Forscherin Katrin Demmelhuber.
Existenzsorge liegt deutlich über Gesamtwirtschaft
Knapp ein Fünftel der Solo-Selbständigen und Kleinstunternehmen, 19,5 Prozent, sieht die eigene wirtschaftliche Existenz bedroht. In der Gesamtwirtschaft liegt dieser Anteil bei 6,7 Prozent.
Geschäftsklima bleibt im negativen Bereich
Der Jimdo-Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Oktober nur geringfügig von -18,8 auf -18,6 Punkte. Damit überwiegt weiterhin die Skepsis der Selbständigen.
Die laufenden Geschäfte bewerteten die Befragten zwar weniger negativ, zugleich erhielten die Erwartungen einen Dämpfer. Eine spürbare Belebung des Geschäfts lasse weiter auf sich warten, erklärte Demmelhuber.
Beratung und IT mit besseren Signalen
Im Einzelhandel und in vielen Dienstleistungsbranchen bleibt die Lage der Solo-Selbständigen und Kleinstunternehmen angespannt. Lichtblicke gibt es bei den Unternehmensberatungen, deren Geschäftsklima erstmals seit zwei Jahren wieder im positiven Bereich liegt.
Auch bei den IT-Dienstleistern hat sich das Klima verbessert. Nach Einschätzung des Ifo-Instituts kommt die wirtschaftliche Erholung bei den Selbständigen jedoch noch nicht in der Breite an.
Die Ifo-Zahlen zeichnen ein deutlich angespannteres Bild für Selbständige und Kleinstunternehmen als für die Gesamtwirtschaft. Besonders relevant ist die Kombination aus fehlenden Aufträgen und dem hohen Anteil jener Betriebe, die ihre wirtschaftliche Existenz bedroht sehen. Für Solo-Selbständige bedeutet ein ausbleibender Auftrag häufig nicht nur geringere Umsätze, sondern unmittelbar weniger Einkommen und geringere Spielräume für Rücklagen, Investitionen oder Personal.
Der nur leicht verbesserte Geschäftsklimaindex zeigt zugleich, dass eine allgemeine Stimmungsaufhellung die kleinsten Marktteilnehmer bislang kaum erreicht. Die schwächeren Erwartungen deuten darauf hin, dass viele Betroffene kurzfristig nicht mit einer kräftigen Nachfragebelebung rechnen. Dass Firmen und Privatkunden zurückhaltender agieren, belastet insbesondere Branchen mit vielen Einzelaufträgen und geringer Kapitaldecke.
Branchen mit unterschiedlichen Signalen
Die Entwicklung ist nicht überall gleich: Im Einzelhandel und in vielen Dienstleistungen bleibt die Lage angespannt, während Unternehmensberatungen erstmals seit zwei Jahren wieder ein positives Geschäftsklima melden. Auch die Verbesserung bei IT-Dienstleistern weist darauf hin, dass Nachfrage und Geschäftsmodell entscheidend für die Widerstandsfähigkeit sind.
Für die wirtschaftliche Entwicklung kommt es deshalb nicht allein auf Durchschnittswerte an. Eine nachhaltige Belebung müsste bei den kleinen Betrieben über neue Aufträge ankommen. Bleibt sie aus, können sich anhaltende Nachfrageschwäche, bedrohte Existenzen und zurückgestellte Investitionen gegenseitig verstärken.
