Seehäfen-Tarifkonflikt, ZDS

Seehäfen-Tarifkonflikt: ZDS bietet 3,4% für 11.000 Beschäftigte

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach dem 48-Stunden-Ausstand bietet der ZDS 3,4 Prozent mehr Lohn. Verdi berät den Vorschlag bis zum 14. September mit den Beschäftigten.

Seehafen-Tarifstreit: ZDS legt neues Angebot nach Warnstreik vor
Stille Containerterminals und Hafenkräne bei Dämmerung nach einem Streik Illustration mit AI erstellt.

Nach einem massiven 48-stündigen Warnstreik an der deutschen Nordseeküste ist Bewegung in die Tarifverhandlungen für die rund 11.000 Beschäftigten der Seehafenbetriebe gekommen.

Während die Containerterminals infolge der Arbeitsniederlegungen zeitweise den Betrieb einstellten, legte der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) in der vierten Verhandlungsrunde am Abend des 9. September 2026 ein modifiziertes Angebot vor. Die Gewerkschaft ver.di prüft die Vorschläge nun in einer mehrtägigen Konsultationsphase.

Auswirkungen der Warnstreikwellen auf den Hafenbetrieb

Der jüngste Arbeitskampf, der von Mittwochabend bis Freitagabend in der Woche vor dem 11. September stattfand, führte zu erheblichen Beeinträchtigungen in der Logistiklandschaft. In den betroffenen Häfen Hamburg, Bremerhaven, Bremen, Wilhelmshaven, Brake und Emden ruhte die Arbeit an den Containerterminals weitgehend. Nach Ende des 48-stündigen Streiks wurde für den Standort Bremerhaven eine Yard-Auslastung von 88 Prozent gemeldet.

Die Auswirkungen der Tarifauseinandersetzung blieben nicht auf deutsche Standorte beschränkt; logistische Verzögerungen waren laut Branchenberichten auch in den Häfen von Antwerpen, Le Havre und Rotterdam spürbar. In Rotterdam kam es zudem am 4. September zu einem eigenständigen Streik.

Die Reederei Hapag-Lloyd bewertete die Situation kritisch und hielt weitere Arbeitsniederlegungen im Zuge des anhaltenden Konflikts für möglich. Bereits Mitte August hatte ein erster 24-stündiger Warnstreik, der am Abend des 17. August begann, den Betrieb in den sechs deutschen Seehäfen gestört und Notfallmaßnahmen der Reedereien erforderlich gemacht.

Verhandlungsstand und Details des neuen ZDS-Angebots

In der vierten Verhandlungsrunde am 9. September in Hamburg präsentierte der ZDS eine neue Offerte, um einen drohenden unbefristeten Arbeitskampf abzuwenden. Das Angebot sieht eine Erhöhung der Stundenlöhne um 3,4 Prozent vor, die rückwirkend zum 1. August 2026 in Kraft treten soll.

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Der 48-Stunden-Warnstreik an der Nordseeküste hat gezeigt, wie schnell Containerterminals den Betrieb einstellen — in Bremerhaven lag die Yard-Auslastung danach bei 88 Prozent. Für HR-Leiter in Logistikbetrieben entscheidet jetzt die Vorbereitung: Wer Verhandlungsstand, Laufzeit-Streit und Notfallmaßnahmen im Griff hat, verliert im nächsten Arbeitskampf keine Zeit. Kostenlosen HR-Report zum Tarifkonflikt anfordern

Im Vergleich zu vorherigen Vorschlägen wurde die Laufzeit auf zwölf Monate verkürzt. Zudem umfasst das Paket eine Erhöhung des Urlaubsgeldes um 200 Euro sowie teilweise eine Jahrespauschale in Höhe von 416 Euro.

Der Arbeitgeberverband fordert von der Gewerkschaft, den Beschäftigten beide zuletzt vorgelegten Varianten zur Abstimmung zu stellen. In der vorangegangenen dritten Runde hatte der ZDS noch eine Erhöhung von 5,1 Prozent bei einer deutlich längeren Laufzeit von 18 Monaten sowie ein geringeres Urlaubsgeld angeboten.

Die Arbeitgeberseite verband ihr aktuelles Angebot mit einer Warnung vor möglichen Arbeitsplatzverlusten, sollten die Lohnforderungen der Gewerkschaft in vollem Umfang erfüllt werden.

Position der Gewerkschaft und weiteres Vorgehen

Die Gewerkschaft ver.di bewertete das am Mittwochabend vorgelegte Angebot als lediglich geringfügige Verbesserung gegenüber dem vorangegangenen Stand.

Die ursprüngliche Forderung der Arbeitnehmervertreter beläuft sich auf ein Lohnplus von 8,2 Prozent, mindestens jedoch eine Erhöhung von 2,50 Euro pro Stunde bei einer Laufzeit von einem Jahr. Besonders die Laufzeitgestaltung des Arbeitgeberangebots war im Vorfeld der vierten Runde als kritischer Punkt markiert worden.

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Die Ablehnungsfront unter den Hafenarbeitern ist derzeit stabil. Eine Befragung von 6.100 Beschäftigten durch ver.di-Tarifbotschafter ergab, dass mehr als vier Fünftel der Befragten das Angebot der dritten Runde ablehnten. Zuvor lag die Ablehnungsquote bei etwa drei Vierteln.

Die Gewerkschaft hat angekündigt, die neuen Vorschläge bis Montag, den 14. September 2026, intern mit den Beschäftigten zu beraten. Sollte bis zu diesem Zeitpunkt keine Einigung erzielt werden, stehen eine offizielle Mitgliederbefragung oder eine Ausweitung des Arbeitskampfs im Raum.

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