Seehäfen-Tarifkonflikt, Arbeiter

Seehäfen-Tarifkonflikt: 64,7% der Arbeiter lehnen Lohnangebot ab

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

64,7 Prozent der befragten Hafenarbeiter lehnen den Arbeitgebervorschlag ab. Ver.di startet nun die Abstimmung über mögliche unbefristete Streiks.

Deutsche Seehäfen: Ver.di-Mitglieder weisen Lohnangebot zurück
Leeres Containerterminal in einem deutschen Seehafen bei Dämmerung mit gestapelten Containern unter bewölktem Himmel. Illustration mit AI erstellt.

In den deutschen Seehäfen spitzt sich der Tarifkonflikt zwischen der Gewerkschaft ver.di und dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) zu. Eine breite Mehrheit der Beschäftigten hat das jüngste Lohnangebot der Arbeitgeber aus der vierten Verhandlungsrunde zurückgewiesen.

Wie der ver.di-Landesbezirk Niedersachsen-Bremen nach dem Ende der bis zum 14. September 2026 laufenden Rückkopplungsrunde mitteilte, sprachen sich 64,7 Prozent der Teilnehmenden gegen den Vorschlag aus.

Bei der Befragung von über 5.500 Hafenarbeitern stimmten 3.578 gegen die Offerte, während 1.945 Beschäftigte für die Annahme votierten. Nun stehen die Zeichen auf Urabstimmung und möglichen unbefristeten Arbeitskämpfen.

Große Differenzen bei Löhnen und Laufzeiten

Die Vorstellungen der Tarifparteien liegen weiterhin deutlich auseinander. Der ZDS bot zuletzt eine Erhöhung der Stundenlöhne um 3,4 Prozent rückwirkend zum 1. August 2026 bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Ergänzend waren 200 Euro mehr Urlaubsgeld sowie ab dem 1. Januar 2027 eine Erhöhung der Jahrespauschale für Betriebe im Containerumschlag um 416 Euro vorgesehen. Alternativ legte der Verband eine 18-Monats-Variante vor, die Lohnsteigerungen von 5,1 Prozent, mindestens aber 1,20 Euro mehr pro Stunde sowie eine Container-Zulage von 616 Euro umfasste.

ZDS-Verhandlungsführer Seebold erklärte, dass sich beide Angebote an den wirtschaftlichen Grenzen bewegten. Zudem kritisierte er, dass die Gewerkschaft lediglich das Zwölf-Monats-Angebot zur Abstimmung gestellt habe.

Die Gewerkschaft ver.di fordert hingegen für die rund 11.000 Beschäftigten in den Häfen Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Emden, Brake und Wilhelmshaven ein Lohnplus von 8,2 Prozent, mindestens jedoch 2,50 Euro mehr pro Stunde bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

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64,7 Prozent der über 5.500 befragten Hafenarbeiter haben das Lohnangebot der Arbeitgeber abgelehnt — die Urabstimmung über unbefristete Streiks in sechs deutschen Seehäfen läuft bis zum 1. Oktober. Wer Containerbewegungen und Frachtflüsse planen muss, braucht jetzt einen belastbaren Notfallplan statt Abwarten. Kostenlosen Notfallplan für Hafenstreik-Ausfälle anfordern

Urabstimmung über unbefristete Streiks terminiert

Infolge des negativen Votums leitet ver.di nun die Urabstimmung ein. Die Befragung der Gewerkschaftsmitglieder an der Nordseeküste beginnt am kommenden Freitag und läuft bis zum 1. Oktober 2026. Die Auszählung der Stimmen ist für den 2. Oktober 2026 angesetzt.

Für die Ausrufung eines unbefristeten Streiks sind formale Hürden einzuhalten: Erforderlich ist ein Quorum von über 75 Prozent der rund 8.700 stimmberechtigten Mitglieder. Wird diese Schwelle bei der Ablehnung des Angebots erreicht, soll über die Einleitung unbefristeter Streikmaßnahmen beraten werden.

Drohende Belastungen für Logistik und Frachtströme

Bereits in den vergangenen Wochen hatten Warnstreiks den Betrieb in mehreren Häfen zeitweise lahmgelegt. Neben Aktionen unter anderem in Brake, Emden und Wilhelmshaven legten Beschäftigte vom 2. bis zum 4. September 2026 unter anderem in Hamburg die Arbeit nieder.

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Warnstreiks haben den Betrieb in Brake, Emden, Wilhelmshaven und Hamburg bereits zeitweise lahmgelegt — ein unbefristeter Arbeitskampf würde Schiffsabfertigungen und Containerbewegungen nachhaltig stören. Sichern Sie sich jetzt die Checkliste für alternative Frachtrouten, bevor Ihre Konkurrenz die freien Kapazitäten beansprucht. Checkliste alternative Frachtrouten jetzt abrufen

Zudem hatte am Abend des 17. August 2026 mit der Nachtschicht ein 24-Stunden-Warnstreik in den sechs betroffenen Seehäfen stattgefunden. In Hamburg waren dabei unter anderem die HHLA-Terminals Altenwerder, Burchardkai und Tollerort sowie der Betreiber Eurogate betroffen.

Sollte es nach der Urabstimmung zu einem regulären, unbefristeten Arbeitskampf kommen, befürchten Branchenbeobachter spürbare Einschränkungen für den gesamten Güterverkehr. Ein solcher Streik würde insbesondere den Hamburger Hafen empfindlich treffen und droht, Schiffsabfertigungen, Frachtflüsse sowie Containerbewegungen nachhaltig zu stören.

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