Schwerbehinderung: 1,14 Millionen Beschäftigte, aber nur 50,9% erwerbstätig
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zahl schwerbehinderter Beschäftigter steigt – und das schneller als auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Trotzdem liegt die Erwerbstätigenquote mit 50,9 Prozent weit unter dem Durchschnitt. Fachleute sehen noch viel Luft nach oben.
Deutlicher Zuwachs bei Beschäftigungsverhältnissen
Im Jahr 2024 stieg die Zahl der schwerbehinderten Beschäftigten auf 1,14 Millionen. Das entspricht einem Zuwachs von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der allgemeine Arbeitsmarkt verzeichnete im selben Zeitraum lediglich 0,4 Prozent Wachstum.
Die Erwerbstätigenquote von Menschen mit Schwerbehinderung liegt mit 50,9 Prozent aber signifikant unter der allgemeinen Quote von 77,2 Prozent. Auch bei der gesetzlichen Beschäftigungspflicht hapert es: Von rund 181.000 anzeigepflichtigen Arbeitgebern erfüllten lediglich 39 Prozent ihre Quote vollständig.
Qualifiziertes Potenzial bleibt ungenutzt
Daniel Terzenbach, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, sieht erheblichen Nachholbedarf. „Ein großes Fachkräftepotenzial bleibt derzeit ungenutzt“, betont er. Die Qualifikationsstruktur der Arbeitslosen untermauert diesen Befund.
2025 waren rund 185.000 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet – ein Anstieg von 5,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt mit 12 Prozent doppelt so hoch wie der Gesamtschnitt. Dabei verfügen 52 Prozent der arbeitslosen Schwerbehinderten über einen Berufsabschluss. Ihre Eignung für den regulären Arbeitsmarkt steht also außer Frage.
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Fünf Millionen Euro für Inklusion in Schleswig-Holstein
Einzelne Bundesländer setzen auf gezielte Förderprogramme. Das Integrationsamt Schleswig-Holstein stellt eine einmalige Summe von fünf Millionen Euro für Inklusionsbetriebe bereit. Ein ergänzendes Modellprojekt ist mit jährlich 1,5 Millionen Euro bis 2027 dotiert.
Unternehmen erhalten finanzielle Anreize für inklusive Ausbildungsplätze. Pro neuem Ausbildungsplatz sind Prämien von bis zu 10.000 Euro möglich. Bei unbefristeter Übernahme gibt es eine weitere Zahlung in gleicher Höhe. Sozialministerin Aminata Touré bezeichnet einen inklusiven Arbeitsmarkt als „Gewinn für die gesamte Gesellschaft“. Seit Projektbeginn wurden bereits 146 Teilnehmende registriert.
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Barrierefreiheit: Defizite im ÖPNV
Ein wesentlicher Faktor für gelungene Arbeitsmarktintegration ist barrierefreie Infrastruktur. Der Behindertenbeauftragte Jürgen Dusel kritisiert bestehende Mängel im öffentlichen Personennahverkehr. Häufige Defekte an Aufzügen und nicht barrierefreie Bushaltestellen erschwerten den Weg zur Arbeitsstätte massiv.
Untersuchungen des ADAC an rund 150 Haltestellen verdeutlichen das Problem: Nur 20 Prozent der Straßenbahnhaltestellen und lediglich 3 Prozent der Bushaltestellen erfüllen die empfohlenen Standards. Auch bei der Deutschen Bahn besteht Handlungsbedarf. Zwar gelten 90 Prozent der 5.400 Bahnhöfe als stufenfrei, aber rund 3.500 Stationen sind noch nicht vollständig barrierefrei.
Austausch und Praxisprojekte geben Impulse
Anfang Juli fanden in Berlin die 13. Inklusionstage statt – mit Schwerpunkt auf Ausbildung und Arbeit für junge Menschen mit Behinderungen. Im Rahmen der Veranstaltung wurde der Bundesteilhabepreis verliehen. Ausgezeichnet wurden unter anderem die Kölner Schauspielschule „Der Keller“, der Verein inKlub und die eva Kinderbetreuung.
Dass Inklusion auch in unkonventionellen Bereichen funktioniert, zeigt ein Projekt beim „Dong Open Air“-Festival in Neukirchen-Vluyn. Menschen mit Behinderung der GSE Essen unterstützten Aufbau und Betrieb des Festivals. Die wissenschaftliche Begleitung durch die IST-Hochschule soll Erkenntnisse liefern, wie sich die Vermittlung auf den freien Arbeitsmarkt durch solche praktischen Einsätze verbessern lässt.
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