Schweizer, Mietmarkt

Schweizer Mietmarkt: Haushalte zahlen laut Verband 360 Franken zu viel

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 22:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Bundesrat setzt auf statistische Mietvergleiche; Eigentümer- und Mieterverband kritisieren den Gegenvorschlag aus unterschiedlichen Gründen.

Bundesrat lehnt Mietpreis-Initiative ab und schlägt Vergleichsmiete vor
Ein modernes, mehrstöckiges Wohngebäude mit Balkonen vor einem bewölkten Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Der Bundesrat hat am Freitag die Ablehnung der eidgenössischen Mietpreis-Initiative beschlossen und einen indirekten Gegenvorschlag präsentiert. Dieser sieht vor, künftig eine statistische Vergleichsmiete als Massstab für zulässige Mietzinse heranzuziehen.

Das Vorhaben stösst jedoch bei den massgeblichen Interessenverbänden beider Seiten auf entschiedenen Widerstand. Während der Hauseigentümerverband (HEV) vor bürokratischen Hürden warnt, befürchtet der Mieterinnen- und Mieterverband (MV) eine massive Verteuerung des Wohnraums.

Gegenvorschlag setzt auf statistische Bandbreiten

Der Kern des bundesrätlichen Vorschlags besteht darin, missbräuchliche Mietzinse durch klarere, transparentere gesetzliche Regeln zu verhindern. Statt der von der Initiative geforderten automatischen und regelmässigen Mietzinskontrollen soll eine statistische Vergleichsmiete eingeführt werden. Diese soll auf einer repräsentativen Stichprobe aktuell bezahlter Mieten basieren und Vermietern bei einem Mieterwechsel als Orientierung dienen. Während der laufenden Mietdauer soll zudem eine Anpassung an die Teuerung möglich bleiben.

Die Landesregierung begründet diesen Schritt damit, dass die geltenden Regeln komplex und undurchsichtig seien. Mit dem neuen System könnten sowohl Mietende als auch Vermietende rascher feststellen, ob ein Mietzins als missbräuchlich einzustufen ist.

Eine Annahme der ursprünglichen Initiative hält der Bundesrat hingegen für zu aufwendig. Er befürchtet zudem, dass ohne einen wirksamen, aber investitionsfreundlichen Missbrauchsschutz der Wohnungsbau zurückgehen könnte.

Hauseigentümer kritisieren Bürokratie und mangelnde Vergleichbarkeit

Der Hauseigentümerverband lehnt den vorgeschlagenen Systemwechsel deutlich ab. HEV-Präsident und SVP-Nationalrat Gregor Rutz bezeichnete die Pläne als zu bürokratisch. Er gab zu bedenken, dass Mieten statistisch gesehen nur bedingt vergleichbar seien, was die praktische Umsetzung einer solchen Bandbreite erschwere.

Auch der Verband Casafair äusserte sich kritisch und warnte vor einer weiteren Verschärfung der Mietpreisspirale durch die geplanten Neuregelungen. In Branchenkreisen wird die Wahrscheinlichkeit, dass der Gegenvorschlag im Parlament eine Mehrheit findet, derzeit als äusserst gering eingeschätzt.

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Mieterverband warnt vor explodierenden Kosten

Auf Seiten der Mieterschaft fielen die Reaktionen noch schärfer aus. Carlo Sommaruga, Präsident des Mieterverbandes und SP-Ständerat, nannte den Gegenvorschlag skandalös. Er warf dem Bundesrat vor, in der aktuellen Situation eher zur Verschärfung der Probleme beizutragen, statt diese zu lösen.

Die SP-Nationalrätin Jacqueline Badran kritisierte das Vorhaben als einen Versuch, eine Marktmiete einzuführen, was den Mietenmarkt destabilisieren würde. Nach ihrer Einschätzung würde dieser Systemwechsel die Kosten für Mietende drastisch erhöhen.

Während die Mietpreis-Initiative die Mietenden um rund 10 Milliarden Franken entlasten wolle, könne der Vorschlag aus dem Wirtschaftsdepartement Mehrkosten in mindestens gleicher Höhe verursachen. Badran bezeichnete den Vorstoss als einen Widerspruch zur geltenden Verfassung.

Druck durch angespannte Lage am Wohnungsmarkt

Die politische Debatte findet vor dem Hintergrund einer angespannten Lage auf dem Schweizer Wohnungsmarkt statt. Schätzungen des Mieterverbandes zufolge zahlen Haushalte in der Schweiz im Durchschnitt monatlich etwa 360 Franken zu viel Miete. Dies entspreche einem jährlichen Transfer von rund 10 Milliarden Franken von Mietenden zu Vermietenden.

Aktuell leben rund 60 Prozent der Haushalte in der Schweiz in Mietverhältnissen, wobei fast 40 Prozent der Betroffenen mehr als ein Drittel ihres Einkommens für die Miete aufwenden müssen.

Diese Situation spiegelt sich auch in der öffentlichen Meinung wider. Eine Onlineumfrage des Bundesamtes für Wohnungswesen (BWO) ergab, dass rund 63 Prozent der Befragten für die Mietpreis-Initiative stimmen würden. Etwa zwei Drittel der Stimmberechtigten stufen die Lage an ihrem Wohnort als besorgniserregend ein, und 79 Prozent befürworten eine Bindung der Miete an die tatsächlichen Kosten und eine angemessene Rendite.

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Zeitplan für die Gesetzesvorlage

Das Wirtschaftsdepartement unter Bundespräsident Guy Parmelin wurde beauftragt, bis Mitte nächsten Jahres eine konkrete Gesetzesvorlage auszuarbeiten. Das zuständige Departement WBF sieht vor, die Vernehmlassung im ersten Halbjahr 2027 durchzuführen und die entsprechende Botschaft an das Parlament bis Ende 2027 vorzulegen.

Zusätzlich soll bis April 2027 eine Änderung der Verordnung zur Berechnung der Nettorendite bei einem Referenzzinssatz von über 2 Prozent geprüft werden.

Die Mietpreis-Initiative, die den Stein ins Rollen gebracht hatte, war im Juni mit über 140.000 Unterschriften eingereicht worden. Sie wird von einer Allianz aus SP und Gewerkschaften getragen und fordert unter anderem eine automatische Überprüfung missbräuchlich hoher Mieten.

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