Schwarzmarkt-Risiko: Tabaksteuer-Erhöhung droht 3 Mrd. Euro Ausfälle
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Initiative „Tabaksteuer mit Augenmaß“ hat die Pläne der Bundesregierung für eine deutliche Anhebung der Tabaksteuer in den kommenden Jahren kritisiert.
Nach Einschätzung des Bündnisses, das vom Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) getragen wird, droht durch die Preissteigerungen ein Erstarken des illegalen Marktes. Dies führe dazu, dass die angestrebten fiskalischen Ziele verfehlt würden und stattdessen Steuerausfälle in Milliardenhöhe drohten.
Steuerpläne und Preissteigerungen bis 2030
Nach aktuellen Regierungsplänen ist eine gestaffelte Erhöhung der Tabaksteuer für den Zeitraum von 2027 bis 2030 vorgesehen. Davon betroffen sind klassische Zigaretten, Tabak zum Selberdrehen sowie Vapor-Produkte wie E-Zigaretten.
Branchenangaben zufolge soll der Preis für eine Standardpackung mit 20 Zigaretten bis zum Jahr 2030 auf rund 12 Euro steigen. Aktuell liegt der Preis in Deutschland bei etwa 9 Euro, wird aber laut Prognosen zeitnah die Marke von 11 Euro überschreiten.
BVTE-Sprecher Jan Mücke warnte am 21. September 2026 davor, dass diese Entwicklung einen Schwarzmarkt-Boom auslösen könnte. Unterstützung erhält die Initiative von führenden Branchenvertretern wie BAT, JTI, Philip Morris und Reemtsma.
Auch vonseiten der Strafverfolgungsbehörden gibt es Bedenken. Der BDZ-Bundesvorsitzende Thomas Liebel bezeichnete die Erhöhungen bereits im Juli 2026 als ein potenzielles Konjunkturprogramm für die organisierte Kriminalität.
Risiken durch Schmuggel und illegale Produktion
Die Branche verweist auf die bereits bestehende Belastung durch unversteuerte Ware. Laut Angaben des Herstellers BAT ist derzeit etwa jede vierte in Deutschland konsumierte Zigarette nicht ordnungsgemäß versteuert. Der gesamte nicht-inländische unversteuerte Konsum verursache demnach Steuerausfälle in der Nähe von 3 Milliarden Euro jährlich, wovon allein der Zigarettenschmuggel rund 400 Millionen Euro ausmache.
Kriminalermittler Ganz wies darauf hin, dass illegale Packungen künftig für 5 bis 7 Euro erhältlich sein könnten, während legale Produkte deutlich über 11 Euro kosten werden. Ein Blick auf internationale Märkte wie Australien zeigt, dass hohe Verbrauchsteuern mit Packungspreisen von bis zu 30 Euro oft von einem großen illegalen Markt begleitet werden.
Die Bundesregierung plant eine gestaffelte Tabaksteuer-Erhöhung von 2027 bis 2030 — betroffen sind Zigaretten, Tabak zum Selberdrehen und Vapor-Produkte. Für Steuerberater und Finanzverantwortliche im Handel stellt sich die Frage, wie sich Preissteigerungen, Schwarzmarkt-Risiko und Vollzugsdruck auf Mandanten und Sortimente auswirken. Der kostenlose Leitfaden ordnet die geplanten Schritte und die diskutierten Steuerausfall-Szenarien ein. Kostenlosen Leitfaden zur Tabaksteuer-Erhöhung anfordern
In Deutschland konnte der Zoll im laufenden Jahr 2026 bereits drei illegale Produktionsstätten für Zigaretten im Inland ausheben. Im europäischen Preisvergleich zeigen sich zudem deutliche Unterschiede: Während in Irland und Großbritannien Preise um 20 Euro aufgerufen werden, kosten Packungen in Bulgarien oder Bosnien lediglich zwischen 3,50 und 4,50 Euro.
Potenzial alternativer Nikotinprodukte
Ein weiterer Kritikpunkt der Initiative betrifft die Regulierung von Nikotinbeuteln. In Deutschland nutzen bereits rund 1,5 Millionen Menschen diese Produkte. Während 20 von 27 EU-Mitgliedstaaten Nikotinbeutel regulieren, steht eine entsprechende Regelung in Deutschland noch aus.
Branchenschätzungen zufolge könnte ein legaler und regulierter Markt für diese Produkte jährliche Mehreinnahmen zwischen 400 und 500 Millionen Euro für den Staat generieren.
Kontroverse zwischen Gesundheitspolitik und Wirtschaft
Dem Widerstand der Wirtschaft stehen Forderungen aus der Medizin gegenüber. Im September 2026 forderte das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) zusammen mit der Deutschen Krebshilfe höhere Steuern auf Tabak und Alkohol als Teil einer bundesweiten Präventionsdekade. DKFZ-Vorstandschef Prof. Michael Baumann betonte dabei, dass vier von zehn Krebserkrankungen in Deutschland als vermeidbar gelten.
Auch der Sucht- und Drogenbeauftragte Prof. Hendrik Streeck sprach sich am 20. September 2026 für eine steuerliche Umlage aus. Er verwies darauf, dass der Tabakkonsum im Gesundheitswesen jährliche Kosten in Höhe von 30 Milliarden Euro verursache.
Bereits heute gilt laut Branchenangaben etwa jede vierte in Deutschland konsumierte Zigarette als nicht ordnungsgemäß versteuert — und der Zoll hat 2026 drei illegale Produktionsstätten im Inland ausgehoben. Wer Mandanten im Tabakhandel berät, braucht eine belastbare Einordnung, wie sich der Schwarzmarkt bei weiter steigenden Preisen entwickeln könnte. Der Leitfaden bündelt Analyse zu Zollfahndung und Steuerausfall-Risiken. Analyse zu Schwarzmarkt und Zollfahndung sichern
Politisch ist das Thema zudem durch Spannungen innerhalb der Unionsfraktion belastet. Der Parlamentskreis Mittelstand (PKM) lehnt Steuererhöhungen grundsätzlich ab, was innerhalb der Regierungskoalition als Affront gegen den Kurs von Bundeskanzler Friedrich Merz gewertet wurde.
Während Wirtschaftsministerin Katherina Reiche eine Mehrwertsteuersenkung zur Entlastung in anderen Bereichen ins Spiel brachte, sieht Finanzminister Lars Klingbeil derzeit keinen finanziellen Spielraum für weitreichende Zugeständnisse.
