Schwarz-Gruppe, E-Dienstwagen

Schwarz-Gruppe stoppt E-Dienstwagen: Wertverluste zu hoch

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Umweltbundesamt beziffert Steuerausfälle durch Dienstwagen auf 4,2 Milliarden Euro. Die Schwarz-Gruppe setzt E-Dienstwagen vorerst aus.

Dienstwagenprivileg: Milliardenverlust und Konzern stoppt E-Autos
Modernes Elektroauto vor einem modernen Bürogebäude bei Dämmerung als Symbol für Firmenwagenstrategien. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die pauschale Dienstwagenbesteuerung kostet den Staat Milliarden – und schadet dem Klima. Während Umweltökonomen und Behörden Alarm schlagen, zieht ein Großkonzern die Reißleine bei E-Autos.

Kritik an Steuermindereinnahmen und falschen Anreizen

Das Umweltbundesamt (UBA) hat die Kosten der Ein-Prozent-Regelung durchgerechnet. Das Ergebnis: Für 2024 entgingen dem Staat mindestens 4,2 Milliarden Euro. Davon entfielen 2,73 Milliarden auf die Bereitstellung der Fahrzeuge und 1,47 Milliarden auf deren private Nutzung.

Doch nicht nur der Fiskus leidet. Die Regelung verursacht laut UBA zusätzliche CO?-Emissionen von 1,68 Millionen Tonnen. Besonders absurd: Die Vergünstigungen für Hybrid-Dienstwagen – immerhin 720 Millionen Euro Steuergeld – zeigen keinerlei emissionsmindernde Wirkung. Und die Förderung von E-Dienstwagen? Die kommt vor allem Besserverdienenden zugute.

Noch deutlicher wird die Organisation Transport & Environment (T&E). Deutschland gewährt im EU-Vergleich die höchsten Steuervorteile für fossile Firmenwagen. Pro Fahrzeug sind das netto rund 10.000 Euro – doppelt so viel wie in anderen Mitgliedstaaten. Während Länder wie Frankreich den Verbrauch besteuern, subventioniert Deutschland ihn indirekt.

Der Blick nach Belgien zeigt, wie es anders geht: Dort stieg der E-Auto-Anteil in Flotten von 8,8 Prozent (2021) auf prognostizierte 54,2 Prozent (2025) – eine direkte Folge einer Steuerreform.

Schwarz-Gruppe stoppt E-Dienstwagen – trotz Steueranreizen

Ausgerechnet jetzt bremst ein deutscher Großkonzern die Elektromobilität aus. Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) hat am heutigen Freitag einen Bestellstopp für neue E-Dienstwagen in Deutschland verhängt. Der Grund: hohe Wertverluste auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Da die Gruppe ihre Fahrzeuge direkt kauft und nicht least, trifft sie die geringe Restwertstabilität besonders hart.

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In anderen EU-Ländern setzt der Konzern dagegen weiter auf elektrische Antriebe. Auch das Netto-Null-Ziel bis 2050 bleibt bestehen. Die Ladeinfrastruktur wurde zuletzt massiv ausgebaut: Zum Ende des Geschäftsjahres 2025 gab es 24.024 Ladepunkte an knapp 7.000 Standorten.

Der Stopp kommt zu einem überraschenden Zeitpunkt. Denn Dataforce-Daten für das erste Halbjahr 2026 zeigen: Elektroautos erreichten erstmals einen Anteil von 30 Prozent an den Neuzulassungen im deutschen Flottenmarkt. Vor allem Unternehmen mit mehr als 50 Fahrzeugen setzen aus Wirtschaftlichkeitsgründen auf E-Mobilität.

Neue Regeln für Stromkosten – und Arbeitszeit

Abseits der großen Debatten gibt es konkrete Neuerungen. Das Bundesfinanzministerium hat am 21. Juli festgelegt: Wer seinen Dienstwagen privat lädt, braucht für eine steuerfreie Erstattung künftig einen Einzelnachweis per Zähler. Alternativ gilt eine halbjährliche Strompreispauschale des Statistischen Bundesamtes. Eine Übergangsfrist läuft noch bis zum 31. Juli.

Auch rechtlich tut sich was: Ein EuGH-Urteil vom 9. Oktober 2025 (C-110/24) hat weitreichende Folgen. Reisezeiten im Firmenwagen zu wechselnden Einsatzorten sind demnach voll als Arbeitszeit zu vergüten – wenn es sich um organisierte Sammelfahrten handelt. Experten rechnen mit Lohnnachforderungen von bis zu 400 Euro pro Monat, besonders angesichts des auf 13,90 Euro gestiegenen Mindestlohns.

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Und wer bei der Steuererklärung schummelt, dem droht Ärger. Das Finanzgericht Niedersachsen bestätigte am 21. Januar: Bewusst falsche Entfernungsangaben zwischen Wohnung und Arbeitsstätte rechtfertigen den Vorwurf der Steuerhinterziehung. Im konkreten Fall hatte ein Verkaufsdirektor eine deutlich zu geringe Distanz angegeben.

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