Schulbarometer 2025/ 26: Ein Viertel der Kinder psychisch auffällig
18.06.2026 - 21:09:18 | boerse-global.de
Das zeigt die aktuelle Jahreserhebung 2024 des Robert Koch-Instituts (RKI), veröffentlicht im Journal of Health Monitoring. Besonders betroffen: Frauen, Erwerbstätige und Menschen mit niedrigerem oder mittlerem Bildungsabschluss.
Die höchste Stressintensität misst das RKI bei den 18- bis 29-Jährigen. Die Studie mit über 27.000 Teilnehmenden untersuchte auch, welche Bewältigungsstrategien helfen. Klar ist: Problemlösung und Flexibilität senken das Stresserleben. Verdrängung und Wunschdenken dagegen verstärken die Belastung.
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Bayern startet Offensive für digitale Balance
Parallel zu den neuen Daten rücken Schulen in den Fokus der Prävention. In Bayern starteten mehrere Ministerien die gemeinsame Agenda „Digitale Balance im Alltag von Schülerinnen und Schülern“. Die Initiative bringt einen Chat-Kompass für Grundschulen und einen Social-Media-Kompass für weiterführende Schulen. Zentraler Bestandteil: ein Handynutzungsverbot an Schulen bis zur siebten Jahrgangsstufe.
Auch Leipzig geht neue Wege. Seit Mitte Juni integriert das Programm MeTAzeit an mehreren Schulen Achtsamkeit und Bewegung in den Unterricht. Ziel ist die Stärkung von Selbstregulation und Konzentration. In Magdeburg diskutierten über 180 Fachkräfte auf einem bundesweiten Fachtag über Kitas als Orte der Gesundheitsförderung. Ihre Botschaft: Strukturelle Rahmenbedingungen sind wichtiger als punktuelle Einzelmaßnahmen.
Die Notwendigkeit solcher Interventionen untermauert das Deutsche Schulbarometer 2025/26. Die Befragung von 1.507 Kindern und Jugendlichen zeigt: 25 Prozent fühlen sich psychisch auffällig. Ein Drittel der 11- bis 17-Jährigen erlebt regelmäßig Mobbing, 61 Prozent stehen unter Leistungsdruck.
Pflegeverbände fordern School Nurses
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) fordert eine gesetzliche Verankerung von School Nurses in Deutschland. Ein Expertenbericht verweist auf die alarmierende gesundheitliche Lage bei Kindern und Jugendlichen – geprägt von zunehmenden psychischen Belastungen und sinkender Gesundheitskompetenz. Eine dauerhafte Finanzierung von Pflegefachkräften an Schulen soll kontinuierliche Prävention sichern.
Die Mental Health Alliance präsentierte internationale Modelle zur Frühintervention als Vorbilder. Dazu zählen die australischen Headspace-Zentren oder kanadische Projekte mit niederschwelligen Angeboten für junge Menschen. In Deutschland gibt es bereits ähnliche Ansätze, etwa Soulspace in Berlin oder RECOVER in Hamburg.
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Soziale Medien: Jugend und Eltern sehen es unterschiedlich
Ein wesentlicher Faktor für die psychische Gesundheit bleibt die Nutzung sozialer Medien. Eine EU-weite Umfrage aus dem Frühjahr 2026 zeigt eine erhebliche Diskrepanz: 48 Prozent der 13- bis 18-Jährigen sehen positive Effekte auf ihre Psyche. Bei den Eltern teilen nur 21 Prozent diese Einschätzung.
Die Jugendlichen verbringen an Schultagen durchschnittlich 4,5 Stunden vor Bildschirmen, am Wochenende 6,1 Stunden – deutlich mehr, als ihre Eltern vermuten.
KI-Chatbots als Brücke zur Therapie
Digitale Hilfsangebote gewinnen an Bedeutung. Eine Umfrage der SBK aus Februar 2026 zeigt: 38 Prozent der Befragten haben bereits KI-Chatbots bei mentalen Belastungen genutzt. 63 Prozent bewerten diese Angebote als hilfreich.
Dennoch bleibt Skepsis: 79 Prozent glauben nicht, dass künstliche Intelligenz menschliche Empathie ersetzen kann. Fachleute betonen trotzdem den Wert zertifizierter digitaler Anwendungen – sie können Wartezeiten auf professionelle Therapieplätze überbrücken.
