Schufa: Mehr Verbraucher in Zahlungsschwierigkeiten – Privatinsolvenzen steigen
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 12:11 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
In Deutschland geraten nach einer Schufa-Auswertung angesichts hoher Lebenshaltungskosten und der Konjunkturschwäche mehr Verbraucher in Zahlungsschwierigkeiten.
Anteil mit Zahlungsstörungen steigt
Der Anteil der Verbraucher mit Zahlungsstörungen lag 2025 bei 8,1 Prozent, wie die Wirtschaftsauskunftei in Wiesbaden mitteilte. Im Vorjahr waren es 7,9 Prozent gewesen. Gemeint sind unter anderem nicht rechtzeitig beglichene Rechnungen oder Kreditraten, die von Unternehmen oder Banken an die Schufa gemeldet werden.
„Ein zunehmender Teil der Verbraucher gerät finanziell unter Druck“, erklärte Schufa-Vorstandsvorsitzende Tanja Birkholz. Eine „Verschuldungskrise“ in Deutschland sieht sie allerdings nicht.
Mehr Menschen erstmals in finanzieller Klemme
Die Zahl der Menschen, die 2025 erstmals in Zahlungsschwierigkeiten gerieten, nahm im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent zu. Solche erstmaligen finanziellen Engpässe privater Haushalte seien seit dem Inflationsschub Mitte 2021 bis 2023 zu beobachten gewesen.
Auch die Zahl der Anträge auf Privatinsolvenz stieg erneut: um 8,3 Prozent auf 88.000. Die Schufa führt die Entwicklung auf die höheren finanziellen Belastungen seit 2022 zurück, insbesondere durch teurere Lebensmittel und Energie.
Weniger Insolvenzen als zu früheren Höchstständen
Die Zahl neuer Privatinsolvenzen liegt damit weiterhin unter den Höchstständen von 2006 bis 2012. Damals wurden jeweils mehr als 100.000 Anträge gestellt. „Von einer Pleitewelle der Deutschen kann keine Rede sein“, sagte Birkholz dem „Focus“.
30- bis 49-Jährige besonders häufig betroffen
Mehr als die Hälfte der neuen Privatinsolvenzen entfiel 2025 auf Menschen im Alter von 30 bis 49 Jahren. Weitere 13 Prozent betrafen die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen. Nur ein Prozent der Antragsteller war älter als 74 Jahre.
Unter den Menschen, die sich über eine Privatinsolvenz entschulden wollten, waren 58 Prozent Männer und 42 Prozent Frauen. Grundlage der Schufa-Auswertung sind historische Daten zum 31. Dezember 2025 aus dem archivierten Datenbestand zu rund 69 Millionen Verbrauchern in Deutschland.
Belastungen kommen zeitversetzt an
Die Schufa-Zahlen beschreiben vor allem die finanzielle Lage bis Ende 2025. Der Anstieg fällt in eine Phase, in der Haushalte die seit 2022 deutlich höheren Preise für Lebensmittel und Energie dauerhaft in ihre Budgets einbauen mussten. Besonders problematisch ist das für Menschen ohne Rücklagen, weil schon einzelne unerwartete Ausgaben die regelmäßigen Zahlungen gefährden können.
Die Altersverteilung zeigt, dass Überschuldung kein Randproblem einer einzelnen Generation ist. Die Gruppe der 30- bis 49-Jährigen trägt häufig hohe laufende Kosten, etwa für Wohnen, Familie und Kredite. Bei jüngeren Erwachsenen können dagegen geringe Einkommen, wenig Vermögen und leicht zugängliche digitale Ratenangebote den finanziellen Spielraum schnell einengen.
Neue Regeln für kleine Ratenkäufe
Ab dem 20. November 2026 müssen Zahlungsanbieter bei Ratenkäufen ab 20 Euro die Kreditwürdigkeit prüfen. Hintergrund ist die wachsende Nutzung von „Buy now, pay later“-Angeboten: Nach Angaben des MDR bevorzugten zuletzt 15 Prozent der Befragten bei einem Einkauf von 1.000 Euro eine Zahlung in Teilbeträgen; Verbraucherschützer warnten davor, dass sich viele kleine Raten zu einer hohen Zinslast summieren könnten.
Für Verbraucher bedeutet die Entwicklung, dass nicht nur große Kredite, sondern auch zahlreiche kleine Verpflichtungen relevant werden. Die neuen Prüfungen könnten riskante Finanzierungen begrenzen, erfassen aber nicht jede Form des Kaufs auf Rechnung. Entscheidend bleibt daher, sämtliche Raten, Fristen und Gesamtkosten im Blick zu behalten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
MDR: „Jetzt kaufen, später zahlen: Für Ratenkauf bei Klarna, Paypal & Co. gelten bald strengere Regeln“ (08.10.2026)
Der Bericht bestätige den wachsenden finanziellen Druck durch Ratenkäufe und beschreibe, dass sich viele kleine Verpflichtungen zu einer hohen Zinslast summieren könnten. Anders als die dpa-Meldung zu den Schufa-Jahreszahlen setze der Beitrag den Schwerpunkt auf die bevorstehende Bonitätsprüfung ab 20. November; offen bleibe, wie stark die neuen Regeln die Zahl problematischer Finanzierungen tatsächlich senken würden.
Medienübergreifend werde damit einerseits ein Anstieg finanzieller Belastungen beschrieben, andererseits zwischen allgemeinen Zahlungsschwierigkeiten und den speziellen Risiken digitaler Kleinkredite unterschieden. Der MDR-Bericht hebe zudem hervor, dass der klassische Kauf auf Rechnung von der neuen Prüfung ausgenommen bleibe.
