Schufa-Gutachten zur NS-Zeit: Kein Missbrauch von Daten nachweisbar
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 09:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Ein von der Schufa beauftragtes Gutachten zur Unternehmensgeschichte kommt zu dem Ergebnis, dass sich für die Jahre 1933 bis 1945 kein Missbrauch des Karteikartenarchivs für Zwecke des NS-Regimes nachweisen lässt.
Keine Hinweise auf politische oder rassistische Datennutzung
Die unabhängigen Historiker untersuchten die Geschichte der 1927 in Berlin gegründeten Kreditauskunftei bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Nach ihren Angaben bezogen sich die gespeicherten Informationen ausschließlich auf wirtschaftliche Aspekte wie Zahlungsfähigkeit und Kreditverhalten.
Daten zur Religionszugehörigkeit, politischen Einstellung oder Abstammung seien nicht gespeichert worden. Auf eine gezielte Nutzung der Schufa-Daten zur politischen oder rassistischen Verfolgung gebe es keine Hinweise.
Jüdische Gründer wurden verdrängt
Gleichzeitig wurden die jüdischen Gründer Kurt und Walter Gerhard Meyer sowie Robert Kauffmann nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten systematisch aus ihren Funktionen gedrängt und zur Emigration gezwungen. Auch jüdische Mitglieder des Verwaltungsausschusses verloren im Laufe des Jahres 1933 ihre Posten.
Die Historiker beschreiben die Schufa als wirtschaftlich relevantes Unternehmen, das zunächst in einer Nische tätig gewesen und deshalb nicht im unmittelbaren Fokus der nationalsozialistischen Gleichschaltung gestanden habe.
Recherche in 74 Archiven und Datenbanken
Das 85-seitige Gutachten entstand im Auftrag der Schufa im Vorfeld ihres 100-jährigen Bestehens im Jahr 2027. Die Untersuchung bezog nach Angaben der beteiligten Firmenhistoriker 74 Archive, Institutionen und Datenbanken in Deutschland, Polen, den Vereinigten Staaten, Argentinien und der Schweiz ein.
Das Schufa-Gebäude in Berlin und das dortige Archiv brannten nach einem Bombenangriff 1945 aus. Heute hat die Auskunftei ihren Sitz in Wiesbaden und verfügt nach eigenen Angaben über Informationen zu 68 Millionen Menschen in Deutschland.
Bonitätsauskünfte im Alltag
Auskunfteien wie Schufa, Creditreform und Crif liefern Banken, Versandhändlern, Mobilfunkanbietern und Energieversorgern Informationen zur Zahlungsfähigkeit potenzieller Kunden. Diese Daten fließen in Entscheidungen über Verträge, Kredite und die Lieferung von Waren ein.
Historische Aufarbeitung mit aktueller Bedeutung
Das Gutachten ordnet die Schufa als wirtschaftlich relevantes, aber zunächst nicht zentral von der nationalsozialistischen Gleichschaltung erfasstes Unternehmen ein. Entscheidend ist die Trennung zwischen zwei Befunden: Für eine gezielte Nutzung des Karteikartenarchivs zur politischen oder rassistischen Verfolgung gebe es keine Hinweise; zugleich seien jüdische Gründer und Ausschussmitglieder bereits 1933 aus ihren Funktionen gedrängt worden.
Damit verweist die Untersuchung auf ein wiederkehrendes Muster der NS-Wirtschaftsgeschichte. Unternehmen konnten ihre alltäglichen Geschäftsabläufe fortführen, während jüdische Beschäftigte, Eigentümer oder Führungskräfte entrechtet, verdrängt und zur Emigration gezwungen wurden. Die fehlende festgestellte Datenweitergabe entlastet die damalige Tätigkeit der Auskunftei in diesem Punkt, beseitigt aber nicht die Verantwortung für den Ausschluss jüdischer Beteiligter.
Warum die Schufa-Geschichte heute relevant bleibt
Die historische Frage fällt in eine Gegenwart, in der Bonitätsdaten weitreichende Folgen für Verbraucher haben. Nach eigenen Angaben verfügt die Schufa heute über Informationen zu 68 Millionen Menschen; Auskunfteien beeinflussen unter anderem Entscheidungen über Kredite, Mietverhältnisse, Mobilfunk- und Energieverträge.
Für Leser liegt die Bedeutung deshalb in der Verbindung von Geschichte und Datenmacht: Transparenz darüber, welche Informationen gesammelt und wie sie verwendet werden, bleibt ebenso wichtig wie eine nachvollziehbare Unternehmensaufarbeitung. Das Gutachten stützt die Aussage, dass die NS-Zeit keine nachgewiesene politische oder rassistische Zweckentfremdung des Archivs erkennen lässt, dokumentiert aber zugleich die Ausgrenzung der jüdischen Gründer.
