Schritte-Mythos, Vorteile

Schritte-Mythos: 7.000 täglich bieten gleiche Vorteile wie 10.000

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Analysen zeigen, dass Tempo und Regelmäßigkeit den Gesundheitseffekt mitbestimmen. Für Ältere gelten zudem niedrigere Schrittbereiche als sinnvoll.

Neue Studien zeigen: Weniger Schritte können ebenfalls schützen
Ein sonnenbeschienener Gehweg in einem Park bei tiefstehender Sonne, der zu sportlicher Betätigung einlädt. Illustration mit AI erstellt.

Die langjährige Empfehlung, täglich 10.000 Schritte für die optimale Gesundheitsprävention zu gehen, wird durch neuere wissenschaftliche Untersuchungen zunehmend differenziert betrachtet. Aktuelle Analysen von Daten der UK Biobank, die im September 2026 im British Journal of Sports Medicine thematisiert wurden, legen nahe, dass sowohl die Intensität der Bewegung als auch geringere Schrittzahlen signifikante gesundheitliche Vorteile bieten können.

Intensität gleicht geringere Schrittzahlen aus

Forschende der Monash University Melbourne und der University of Sydney untersuchten Datensätze von 64.743 Teilnehmern im mittleren Alter, deren Aktivität ursprünglich zwischen 2013 und 2015 mittels Trackern erfasst worden war.

In einer Nachbeobachtungszeit von etwa acht Jahren zeigte sich, dass das Risiko eines vorzeitigen Todes bei Personen, die weniger als 5.000 Schritte pro Tag zurücklegten, um bis zu 43 % sinken konnte – vorausgesetzt, das Gehtempo war hoch.

Konkret erwiesen sich mindestens 80 Schritte pro Minute über einen Zeitraum von 30 Minuten bei einer Gesamtzahl von unter 5.000 Schritten als ebenso wirksam wie 5.000 bis 7.500 Schritte in einem langsameren Tempo von etwa 60 Schritten pro Minute. Die Studie identifizierte die sogenannte Peak-30-Cadence (PK30) als entscheidenden Faktor.

Ein Wert von etwa 90 bis 100 Schritten pro Minute galt dabei als besonders vorteilhaft für die Senkung der Sterblichkeit sowie des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD). Dennoch wurde das niedrigste Sterberisiko in der Kohorte bei einer täglichen Leistung von 7.500 bis 10.000 Schritten gemessen, unabhängig von der Gehgeschwindigkeit.

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Historischer Ursprung ohne medizinische Grundlage

Die verbreitete Zielmarke von 10.000 Schritten basiert laut wissenschaftlichen Einordnungen nicht auf medizinischen Erkenntnissen, sondern auf einer Marketingkampagne.

Wie Koemel von der University of Sydney darlegte, gehe die Zahl auf eine japanische Werbestrategie für Schrittzähler aus den 1960er Jahren zurück. Im Vorfeld der Olympischen Spiele 1964 brachte das Unternehmen Yamasa ein Gerät namens „Manpo-kei“ auf den Markt, was übersetzt etwa „10.000-Schritte-Meter“ bedeutet.

Experten betonen daher, dass weniger die exakte Erreichung dieser runden Zahl als vielmehr die Regelmäßigkeit der Bewegung über Monate und Jahre hinweg für die Prävention entscheidend sei.

Eine weitere im Lancet Public Health veröffentlichte Untersuchung mit über 110.000 Teilnehmern stützt diese Ansicht: Demnach bieten bereits 7.000 Schritte täglich vergleichbare Vorteile wie 10.000 Schritte, insbesondere im Hinblick auf ein geringeres Demenzrisiko und eine reduzierte Herz-Kreislauf-Belastung.

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Altersspezifische Empfehlungen und Bewegungsdefizite

Professor Ulf Ekelund von der Norges idrettshøgskole verweist auf Metaanalysen, die zeigen, dass bereits die Steigerung von 2.000 auf 7.000 Schritte das Risiko für einen frühen Tod um 47 % senken kann. Dabei variieren die optimalen Zielwerte je nach Lebensalter: Während für Personen unter 60 Jahren ein Bereich von 8000 bis 10.000 Schritten empfohlen wird, gelten für über 60-Jährige bereits 6.000 bis 8.000 Schritte als ideal.

Trotz dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse bleibt der Bewegungsmangel in der Praxis ein gravierendes Problem. Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) aus einer Erhebung zwischen dem Frühjahr 2021 und dem Frühjahr 2023 verdeutlichen die Situation in Deutschland: 78 % der Menschen ab 65 Jahren bewegen sich demnach zu wenig.

In dieser Altersgruppe weisen 83 % mindestens zwei gesundheitliche Risikofaktoren auf. Nur 2 % der Befragten lebten gänzlich ohne Risikofaktoren wie starkes Übergewicht, Rauchen oder einseitige Ernährung. Fachleute raten daher neben der täglichen Schrittzahl ergänzend zu zwei bis drei Krafttrainingseinheiten pro Woche, um die allgemeine Gesundheit im Alter zu stabilisieren.

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