Schneller Gründen: Bund und Länder vereinfachen Gründung digital
04.06.2026 - 02:18:59 | boerse-global.deBund und Länder wollen die Unternehmensgründung radikal vereinfachen – und das ist dringend nötig. Denn Bürokratie ist inzwischen teurer als die Steuerlast selbst.
Am heutigen Donnerstag startet ein Pilotprojekt, das Gründer in Deutschland endlich entlasten soll. Unter dem Namen „Schneller Gründen“ führen Bund und Länder Gewerbe- und Steueranmeldung in einem einzigen digitalen Antrag zusammen. Das Finanzamt Mannheim-Stadt bringt dabei praktische Erfahrung ein – zunächst geht es um die Anmeldung von Einzelunternehmen.
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Parallel dazu geht gruender-werkzeug.de an den Start. Die Plattform des IHK-Preisträgers Markus Tonn bietet Gründungsberatern digitale Werkzeuge: Liquiditätsplanung, Stundensatz-Rechner und einen Rechtsform-Finder. Ein Netzwerk von 60 Beratern bundesweit soll die administrative Hürde senken, die viele vom Schritt in die Selbstständigkeit abhält.
Bürokratie schlägt Kosten – ein alarmierender Befund
Die Dringlichkeit dieser Maßnahmen zeigt eine aktuelle Studie von IONOS und YouGov. Rund 4.000 Entscheider wurden befragt – das Ergebnis ist ein Weckruf: 55 Prozent der deutschen Mittelständler nennen Bürokratie als größtes Hindernis für die Digitalisierung. Damit hat der Verwaltungsaufwand sogar die Kosten (52 Prozent) als Hauptproblem überholt.
Zwar haben deutsche Unternehmen aufgeholt: 60 Prozent betreiben inzwischen eine Website, 44 Prozent nutzen Künstliche Intelligenz. Doch der internationale Vergleich ist ernüchternd. In Großbritannien haben 81 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen einen Online-Aufritt. Deutsche Firmen investieren derzeit vor allem in IT-Sicherheit, Online-Sichtbarkeit und KI-Anwendungen.
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Die finanziellen Folgen sind enorm. Beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum am Dienstag bezifferte IHK-Präsident Matthias Belke die Bürokratiekosten für 2024 auf 146 Milliarden Euro an entgangener Wirtschaftsleistung.
Länder ziehen nach – NRW macht den Anfang
Mehrere Bundesländer reagieren auf die schwächelnde Konjunktur mit eigenen Reformen. Nordrhein-Westfalen hat am Dienstag ein Maßnahmenpaket verabschiedet: E-Mail wird künftig der Standard-Kommunikationsweg zwischen Bürgern und Verwaltung. Zahlreiche Berichtspflichten für Unternehmen fallen weg.
In Rheinland-Pfalz fordern Wirtschaftsvertreter einen klaren Kurswechsel. Die Wirtschaftsleistung des Landes sank 2025 um 0,5 Prozent – das vierte Minusjahr in Folge. Große Player wie BASF und TE Connectivity haben bereits Stellenabbau angedroht. Die Forderung lautet: „Wirtschaft first“.
Auf Bundesebene kündigte Kanzler Friedrich Merz am Dienstag eine umfassende Unternehmenssteuerreform an. Geplant sind eine Senkung der Körperschaftssteuer und niedrigere Strompreise. Ein eigenes Kabinett zur Bürokratieentlastung ist für den 15. Juli angesetzt.
Deutschland verliert an Attraktivität – Europa drängt
Der Reformdruck kommt nicht von ungefähr. Der EY-Europe-Attractiveness-Survey 2025 zeigt: Ausländische Direktinvestitionen in Deutschland sind um zehn Prozent auf 548 Projekte eingebrochen – der niedrigste Stand seit 2009. Zwar bleiben die USA mit 98 Projekten der größte Investor, doch chinesische Investitionen gingen um 15 Prozent zurück.
Weitere Veränderungen stehen ab 2027 an. Dann wird die E-Rechnung für Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Jahresumsatz Pflicht. Doch eine aktuelle Umfrage von easybill zeigt: 29 Prozent der betroffenen Firmen haben die Umstellung noch nicht begonnen. Hauptgrund: technische Umsetzungsschwierigkeiten.
Auf europäischer Ebene bereitet die EU-Kommission ein „Tax Omnibus“-Paket vor, das am 24. Juni vorgestellt werden soll. Ziel ist die Vereinfachung mehrerer Steuerrichtlinien. Bei einstimmiger Zustimmung der Mitgliedsstaaten könnten Unternehmen jährlich sieben Milliarden Euro sparen – und das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 0,2 Prozentpunkte wachsen.
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