Schiffbrände, Feuer

Schiffbrände 2024: 250 Feuer auf Rekordniveau – neue SOLAS-Regeln ab Januar

25.05.2026 - 20:14:21 | boerse-global.de

Die Zahl der Schiffsbrände stieg 2024 um 20 Prozent. Neue SOLAS-Vorschriften und strengere Hafenkontrollen sollen die Sicherheit erhöhen.

Schiffbrände 2024: 250 Feuer auf Rekordniveau – neue SOLAS-Regeln ab Januar - Foto: über boerse-global.de
Schiffbrände 2024: 250 Feuer auf Rekordniveau – neue SOLAS-Regeln ab Januar - Foto: über boerse-global.de

Die Zahl der Feuer an Bord von Frachtschiffen ist auf ein Zehnjahreshoch gestiegen – und die Behörden reagieren mit verschärften Vorschriften.

Allein 2024 registrierte die Schifffahrtsbranche weltweit 250 Brände und Explosionen an Bord großer Handelsschiffe. Das entspricht einem Anstieg von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie der aktuelle Sicherheitsreport des Versicherers Allianz zeigt. Zwar ging die Zahl der Totalverluste auf ein Rekordtief von 27 gesunkenen Schiffen zurück – doch Brände waren mit sieben Fällen die zweithäufigste Ursache.

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Lithium-Ionen-Batterien als Brandbeschleuniger

Die Ursachen für die gefährlichen Feuer sind komplex. Immer häufiger geraten Elektroautos mit Lithium-Ionen-Akkus in Brand. Die sogenannte thermische Durchgeh-Reaktion macht diese Brände besonders tückisch: Herkömmliche Löschanlagen an Bord sind oft machtlos.

Ein spektakulärer Vorfall Ende 2025 verdeutlicht die Gefahr: Auf dem Containerschiff One Henry Hudson im Hafen von Los Angeles brach ein elektrischer Brand im Unterdeck aus, der zu Explosionen führte. Rund 100 Container brannten, viele davon mit Gefahrgut und Batteriekomponenten. Die Behörden ordneten eine Ausgangssperre für die Umgebung an.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Falsch deklarierte Gefahrgüter sind für mehr als 25 Prozent aller ladungsbedingten Brände verantwortlich. Große Reedereien, die über 70 Prozent der globalen Transportkapazität kontrollieren, setzen daher zunehmend auf KI-gestützte Screening-Tools, die Millionen von Buchungen in Echtzeit auf Risiken prüfen.

Neue SOLAS-Vorschriften seit Januar 2026

Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) hat reagiert. Seit dem 1. Januar 2026 gelten verschärfte Sicherheitsauflagen im Rahmen der SOLAS-Konvention. Die Änderungen betreffen vor allem Autotransporter und Ro-Ro-Schiffe:

  • Früherkennung: Pflicht zur Installation von Rauch- und Wärmemeldern in allen Fahrzeugdecks
  • Videoüberwachung: Permanente Kamerasysteme zur kontinuierlichen Überwachung
  • Aktive Brandbekämpfung: Wasserbasierte Löschanlagen müssen die gesamte Fahrzeugfläche abdecken

Für bestehende Schiffe gilt eine Übergangsfrist bis zur ersten Inspektion nach dem 1. Januar 2028. Zudem wurde ein weltweites Verbot von Löschschäumen mit Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) erlassen.

Hafenkontrollen werden strenger

Die Durchsetzung der neuen Standards zeigt sich in den Statistiken der Hafenstaatkontrollen. Allein im zweiten Quartal 2025 verhängten die Behörden weltweit 492 Festhalteanordnungen – im Fachjargon „Auslaufverbot". Die Brandschutzmängel stehen dabei ganz oben auf der Liste der beanstandeten Punkte.

Klassifikationsgesellschaften wie DNV und das American Bureau of Shipping identifizieren vor allem mangelhafte Wartung von Feuerlöschanlagen, defekte Brandschutztüren und ausgefallene Notfeuerlöschpumpen als Hauptgründe. Oft stecken systemische Probleme im Sicherheitsmanagement des jeweiligen Schiffes dahinter.

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Für die Reeder bedeuten solche Festhalteanordnungen erhebliche Verzögerungen und finanzielle Verluste – ein Schiff mit Auslaufverbot darf den Hafen nicht verlassen, bis alle Mängel beseitigt sind.

Geopolitische Risiken und die „Schattenflotte"

Die Sicherheitslage wird zusätzlich durch geopolitische Spannungen verschärft. Im April 2026 beschlagnahmten US-Streitkräfte den iranischen Frachter Touska in der Straße von Hormus – ein Beispiel dafür, dass Festhalteanordnungen zunehmend auch als politisches Druckmittel dienen.

Besonders besorgniserregend ist das Wachstum der sogenannten Schattenflotte: Ältere, schlecht gewartete Tanker, die außerhalb der regulären Aufsicht operieren, um Sanktionen zu umgehen. Schätzungen zufolge gehören bereits 17 Prozent der weltweiten Tankerflotte zu dieser Kategorie. Diese Schiffe sind deutlich anfälliger für Maschinenausfälle, Brände und Grundberührungen.

Ausblick: KI und Spezialtraining gefragt

Die Zukunft der Schifffahrtssicherheit wird von zwei Faktoren geprägt: Technologie und Ausbildung. Erste Erfolge zeigen KI-gestützte Frachtkontrollen: Das National Cargo Bureau verhindert damit wöchentlich 40 bis 50 Hochrisiko-Container, die sonst an Bord gelangt wären.

Doch die größte Herausforderung bleibt der Mensch. Aktuelle Studien zeigen, dass herkömmliche Brandschutzübungen oft nicht ausreichen, um Brände mit Lithium-Ionen-Batterien wirksam zu bekämpfen. Experten fordern daher ein ganzheitliches Konzept: technische Nachrüstung nach den neuen SOLAS-Standards, gepaart mit moderner Sensortechnik und spezialisierter Feuerbekämpfungsausbildung für die Besatzungen.

Bis zur Compliance-Frist 2028 für Bestandsschiffe dürften die Festhalteanordnungen in den Häfen hoch bleiben. Reedern wird empfohlen, ihre Brandschutzsysteme proaktiv zu prüfen – sonst droht das teure Auslaufverbot.

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