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E-Commerce, Filialhandel

Schafft der E-Commerce den Filialhandel ab?

29.05.2015 - 15:35:37

Produkte mit einem Klick kaufen und bequem nach Hause liefern lassen – für viele Menschen ist die virtuelle Shopping-Tour zur Selbstverständlichkeit geworden. Wer online shoppt, spart nicht nur Zeit, er schont womöglich auch die Umwelt. Ist das das Ende des Filialhandels?

"Geschäfte sind Mittelalter", tönte Oliver Samwer, Vorstandsvorsitzender von Rocket Internet, vor gut einem Jahr beim Konsumgüterforum CGF in Paris. "Sie wurden gebaut, weil es kein Internet gab." Mit dieser Provokation richtete sich der 39-Jährige an die anderen Teilnehmer des weltweit größten Branchentreffens der Vorstandschef von Handels- und Konsumgüterkonzernen. Doch diese seien eh zu alt, um das zu verstehen. Statt des alten Kundenstamms müsse man 15-Jährige befragen, wenn man die Zukunft des Handels kennenlernen wolle. Diese würden schon jetzt alles über das Smartphone erledigen. Wenn auch überspitzt formuliert, so weist Samwers These doch in die richtige Richtung. Nie war der Anteil der Verbraucher, die Waren online beziehen, höher als heute. Jeder zehnte Euro werde bereits online ausgeben, berichtet Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln. Schon in wenigen Jahren könnte es jeder Vierte sein. Denn die Vorzüge des E-Commerce sind verführerisch: Das Internet bietet Konsumenten die beste Plattform, Produktmerkmale zu vergleichen und den günstigsten Händler ausfindig zu machen – und das bequem und zeitsparend vom heimischen Sofa aus. Mit einem solchen Komfort können reine Filialhändler schlichtweg nicht mithalten. Und so wundert es nicht, dass immer mehr Firmengründer auf das Filialnetz verzichten und direkt ins Online-Geschäft einsteigen. Die entsprechende Infrastruktur lässt sich mittlerweile ebenso leicht online beziehen wie ein neues T-Shirt. Hoster wie der Branchen-Riese 1&1 bieten professionelle Webshop-Lösungen als Komplettpaket zu monatlichen Festpreisen an, die preislich selbst mit den E-Commerce-Möglichkeiten auf Ebay oder Amazon mithalten können. Echte Konkurrenz macht der E-Commerce dem Filialhandel auch bei der Klimabilanz. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, verursachen Waren, die im Internet bestellt werden, bis zu 90 Prozent weniger Klima-Gas Kohlenstoffdioxid (CO2), als eine durchschnittliche Einkaufstour mit dem Auto. Der Grund dafür: Online-Waren werden in energieeffizienten Hallen gelagert und in großen Stückzahlen mit dem Lkw transportiert. Dem Bifa Umweltinstitut zufolge ändern auch die Verpackungsmaterialien beim Online-Versand nichts an der positiven Umweltbilanz der über das Internet bezogenen Waren. Hier kommen in der Regel Wellpappe-Kartons zum Einsatz, die aus Altpapier hergestellt werden. Anders verhält es sich jedoch, wenn bei der Zustellung nicht alles glatt läuft, Waren zum Beispiel in einem Paketzentrum abgeholt oder Lieferungen zurückgeschickt werden. Ganz aussterben werden die Einkaufsmeilen und Shoppingcenter dennoch nicht. Denn vor allem die deutschen Verbraucher sind "selektive Online-Shopper", weiß Kai Hudetz zu berichten. Beliebt sei auch die Kombination beider Verkaufskanäle. So nutzen viele Verbraucher in Deutschland die Möglichkeit, Waren online zu bestellen und im Laden abzuholen. Ganz ohne Online-Präsenz geht es in den meisten Brachen jedoch nicht mehr. Laut Handelsverband Deutschland nutzt inzwischen jeder dritte stationäre Händler die Möglichkeit, Waren zusätzlich zum Filialverkauf über einen Online-Shop anzubieten. Doch auch ursprüngliche Online-Gründungen wie beispielsweise der Elektronikhändler Cyberport oder das Start-up Mymuesli.de eröffnen mittlerweile eigene Filialen und beginnen die Mauer zwischen on- und offline einzureißen.

 

 

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