Schaeffler streicht 3.460 Stellen und schließt vier Werke
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 14:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWSStandorte und Belegschaft im Umbau
- Schaeffler will Dortmund, Berlin, Morbach und Schwalbach in Deutschland schließen.
- In Europa sollen 3.460 Stellen entfallen, davon 2.660 in Deutschland.
- Der Vorstand will zehn Prozent seines Gehalts als Solidaritätsbeitrag abgeben.
Schaeffler baut Stellen ab und schließt vier deutsche Werke
Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler will vier deutsche Standorte schließen und in Europa 3.460 Stellen abbauen. Betroffen sind in Deutschland Dortmund, Berlin, Morbach in Rheinland-Pfalz und Schwalbach in Hessen; insgesamt sollen dort 2.660 Arbeitsplätze entfallen.
Umsetzung bis Ende 2028 geplant
Ein fünfter europäischer Standort soll ebenfalls aufgegeben werden. Die Maßnahmen sollen nach Angaben eines Unternehmenssprechers im Wesentlichen bis Ende 2028 umgesetzt und 2029 abgeschlossen werden.
Schaeffler begründet den verschärften Sparkurs mit der Krise der europäischen Automobilindustrie und hohen Kosten. In den ersten neun Monaten des Jahres sank der Umsatz leicht auf 17,5 Milliarden Euro. Der Nettogewinn lag bei elf Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 244 Millionen Euro angefallen war.
Vorstand will zehn Prozent Gehalt abgeben
Die verbleibende Belegschaft soll vorübergehend auf Gehalt verzichten. Dieser Solidaritätsbeitrag soll nach Unternehmensangaben ein zentrales Element des Sparprogramms sein; Vorstandschef Klaus Rosenfeld kündigte an, dass der Vorstand mit einem Gehaltsverzicht von zehn Prozent beginnen wolle.
IG Metall und Konzernbetriebsrat kritisierten die Pläne scharf. Konzernbetriebsratschef Uli Schoepplein erklärte, weitere Abbauprogramme, Standortschließungen und sinkende Personalkosten stärkten den Standort Deutschland nicht, sondern schwächten ihn.
Belegschaft schrumpft um nahezu ein Fünftel
Der aktuelle Abbau setzt mehrere Programme fort. Nach der Übernahme des Konkurrenten Vitesco Anfang 2024 hatte Schaeffler zunächst 4.700 Arbeitsplätze bis 2029 zur Disposition gestellt; zuletzt kam ein Altersteilzeitprogramm mit 1.800 geplanten Stellen hinzu.
Ende September beschäftigte Schaeffler in Deutschland 31.957 Menschen. Einschließlich der früheren Maßnahmen würde die deutsche Belegschaft nach Unternehmenszahlen um rund 18 Prozent sinken.
Weniger Nachfrage nach Verbrenner-Komponenten
Ein großer Teil der Einsparungen soll die Sparte mit Komponenten für Motoren, Getriebe und Fahrwerke treffen. Die Umsätze in diesem Geschäft gehen zurück, weil sich der Markt von herkömmlichen Antrieben wegbewegt und die Nachfrage nach Verbrennerfahrzeugen schwächer ausfällt.
Schaeffler ist stark von den großen Autoherstellern abhängig. Wenn Hersteller wie Volkswagen oder BMW sparen, geraten Zulieferer häufig durch Preisdruck und ausbleibende Preiserhöhungen unter Druck.
Arbeitnehmer verlangen Zukunftsplan
Auch die Konkurrenz aus China verschärft die Lage. Chinesische Hersteller haben in den vergangenen Jahren ihre Produktion und ihre Exporte stark ausgebaut und setzen die deutschen Autobauer mit niedrigeren Preisen unter Druck.
Die IG Metall fordert deshalb neben dem Abbaukonzept eine konkrete Strategie für Deutschland. Nach Ansicht des Unternehmensbeauftragten Thomas Höhn müsse geklärt werden, welche Produkte und Technologien künftig hier entwickelt und gefertigt würden, wo Schaeffler investiere und wie viele Arbeitsplätze bis 2030 gesichert werden könnten.
Die angekündigten Einschnitte markieren eine weitere Phase des laufenden Umbaus bei Schaeffler. Der Konzern hatte mit der Übernahme von Vitesco Anfang 2024 seine weltweite Beschäftigtenzahl zunächst deutlich erhöht. Danach folgten mehrere Programme zum Abbau von Arbeitsplätzen, darunter freiwillige Maßnahmen und ein Altersteilzeitprogramm.
Die aktuelle Größenordnung ist für die deutsche Belegschaft erheblich: Nach Unternehmensangaben arbeiteten Ende September 31.957 Menschen in Deutschland. Zusammen mit den bereits beschlossenen Maßnahmen summiert sich der Abbau damit auf nahezu ein Fünftel der heimischen Beschäftigten. Für die betroffenen Regionen bedeutet das nicht nur den Verlust von Arbeitsplätzen, sondern auch absehbare Folgen für Zulieferer, Dienstleister und kommunale Einnahmen.
Strukturwandel bei Autozulieferern
Hintergrund ist der Wandel im Antriebsgeschäft. Komponenten für Verbrennungsmotoren und Getriebe verlieren an Bedeutung, während der Hochlauf von Elektrofahrzeugen langsamer verläuft als von vielen Unternehmen erwartet. Elektromotoren benötigen zudem weniger Bauteile, was den Kostendruck auf klassische Zulieferer erhöht.
Hinzu kommen die schwache Nachfrage in Europa, der Preisdruck der Fahrzeughersteller und die wachsende Konkurrenz chinesischer Anbieter. Der von Schaeffler angekündigte Gehaltsverzicht des Vorstands und der Beschäftigten soll die Einschnitte begrenzen, ersetzt aber kein Konzept dafür, welche Produkte und Technologien künftig in Deutschland entwickelt und gefertigt werden. Genau diese Verbindung zwischen Sparprogramm und Zukunftsinvestitionen dürfte die Auseinandersetzungen mit Arbeitnehmervertretern prägen.
Folgen bis 2029
Die Umsetzung soll im Wesentlichen bis Ende 2028 dauern und 2029 abgeschlossen werden. Für Beschäftigte und betroffene Kommunen wird deshalb entscheidend sein, wie schnell Verhandlungen beginnen, welche Alternativen für die Standorte entstehen und ob neue Geschäftsfelder tatsächlich Beschäftigung sichern.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDFheute: „Autozulieferer Schaeffler schließt vier deutsche Standorte“ (03.11.2026)
Der Beitrag bestätige die angekündigten 3.460 Stellenstreichungen und nenne die Beschäftigtenzahlen der vier deutschen Standorte. Als zusätzlichen Schwerpunkt stelle er die strukturellen Veränderungen im Antriebsgeschäft und die geplanten Einsparungen ab 2030 heraus.
Bayerischer Rundfunk: „Schaeffler baut Tausende weitere Jobs ab“ (03.11.2026)
Der Bericht bestätige die Schließung von vier deutschen Standorten und beschreibe zusätzliche Anpassungen an bayerischen Werken. Anders als der ZDF-Beitrag konzentriere er sich stärker auf regionale Folgen in Bayern, darunter Veränderungen in Höchstadt, Erlangen und Schweinfurt.
Einigkeit bestehe über den Umfang des Abbaus und die betroffenen deutschen Standorte. Unterschiede lägen vor allem bei der regionalen Perspektive; offen bleibe, wie die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern und die konkrete Umsetzung bis 2029 verlaufen würden.
