Schaeffler streicht 3.460 Stellen in Europa
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 08:45 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSStandorte und Beschäftigte im europäischen Umbau
- Schaeffler plant den Abbau von rund 2.660 Stellen in Deutschland und rund 800 im übrigen Europa.
- Betroffen sind 16 Standorte; fünf davon sollen perspektivisch geschlossen werden.
- In Schwalbach sollen viele Beschäftigte nach Frankfurt wechseln, während lokale Versammlungen Details klären sollen.
Schaeffler plant Stellenabbau an 16 Standorten
Der Autozulieferer Schaeffler will im Rahmen eines weiteren Sparprogramms netto 3.460 Stellen in Europa abbauen. Rund 2.660 Arbeitsplätze entfallen auf Deutschland, rund 800 auf das übrige Europa, teilte der Konzern am Dienstag mit.
Produktion und Entwicklung besonders betroffen
Etwa die Hälfte des Abbaus betrifft die Produktion, 30 Prozent Forschung und Entwicklung und 20 Prozent weitere Funktionsbereiche. Insgesamt sind 16 Standorte in der Region Europa betroffen.
Fünf Standorte sollen perspektivisch schließen
Fünf Standorte, darunter vier in Deutschland, sollen perspektivisch geschlossen werden. Dazu zählen das Werk Dortmund mit aktuell 430 Beschäftigten und der Standort Morbach mit 160 Mitarbeitern; beide gehören zur Sparte Powertrain & Chassis und fertigen Produkte für Verbrennungsmotoren.
Aktivitäten in Berlin und Schwalbach betroffen
In Berlin mit etwa 270 Beschäftigten sollen die Aktivitäten eingestellt werden. Auch der Standort Schwalbach soll aufgegeben werden; ein Großteil der rund 385 Beschäftigten soll nach Frankfurt wechseln, insgesamt sind dort nach Unternehmensangaben rund 190 Stellen vom Abbau betroffen.
Weitere Anpassungen in Deutschland
Am Standort Höchstadt soll der Werkzeugbau eingestellt werden. Im Sondermaschinenbau in Erlangen und Schweinfurt sind Anpassungen geplant; außerdem soll es Kapazitäts- und Strukturanpassungen unter anderem in Herzogenaurach, Bühl, Höchstadt, Nürnberg und Regensburg geben.
Auch Frankreich, die Slowakei und Belgien betroffen
Außerhalb Deutschlands sollen Produktions- und Entwicklungskapazitäten in Haguenau und Toulouse sowie in Skalica und Kysuce angepasst werden. Der belgische Produktionsstandort Herstal mit etwa 15 Beschäftigten soll geschlossen werden.
Details zu den Planungen an den einzelnen Standorten will Schaeffler im Rahmen lokaler Mitarbeiterversammlungen vorstellen.
Die angekündigten Einschnitte treffen Schaeffler in einer Phase, in der sich die europäische Autoindustrie gleichzeitig mit schwacher Nachfrage, hohen Kosten und dem technologischen Umbau hin zu elektrifizierten Antrieben auseinandersetzt. Besonders stark betroffen sind Bereiche, die unmittelbar mit klassischen Verbrennungsmotoren verbunden sind. Die geplante Schließung der Werke in Dortmund und Morbach macht sichtbar, wie sich dieser Strukturwandel auf einzelne Standorte auswirkt.
Mit rund 2.660 der insgesamt 3.460 Stellen entfällt der überwiegende Teil des Abbaus auf Deutschland. Die Verteilung auf Produktion, Forschung und Entwicklung sowie weitere Funktionen zeigt, dass das Programm nicht nur Fertigungskapazitäten, sondern auch technische und administrative Strukturen umfasst. Für die betroffenen Regionen geht es damit neben Arbeitsplätzen auch um Zulieferketten, Dienstleister und die Auslastung von Industrieflächen.
Folgen für Beschäftigte und Standorte
Die konkreten Auswirkungen unterscheiden sich je nach Standort. In Schwalbach ist ein Wechsel eines Großteils der Beschäftigten nach Frankfurt vorgesehen, während andere Aktivitäten eingestellt oder Standorte perspektivisch geschlossen werden sollen. Die angekündigten lokalen Mitarbeiterversammlungen werden deshalb entscheidend für Fragen zu Zeitplan, Sozialplänen und möglichen Versetzungen sein.
Der Stellenabbau fällt zudem in eine angespannte tarifpolitische Lage der Metall- und Elektroindustrie. Für Schaeffler dürfte die Umsetzung daher neben betriebswirtschaftlichen Entscheidungen auch von Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretungen und den jeweiligen regionalen Rahmenbedingungen geprägt werden. Für die europäische Zulieferbranche signalisiert das Programm weiteren Anpassungsdruck bei Produkten, Kapazitäten und Entwicklungsstrukturen.
