Schaeffler streicht 3.460 Jobs und schließt vier deutsche Werke
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 13:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSchaefflers Sparprogramm trifft deutsche Werke
- Betroffen sind Dortmund, Berlin, Morbach und Schwalbach sowie ein weiterer europäischer Standort.
- In Deutschland sollen 2.660 Arbeitsplätze wegfallen; europaweit sind es 3.460 Stellen.
- Der Vorstand plant zusätzlich einen befristeten Gehaltsverzicht von zehn Prozent.
Schaeffler schließt vier deutsche Standorte
Schaeffler will vier deutsche Werke in Dortmund, Berlin, Morbach und Schwalbach schließen und insgesamt fünf europäische Standorte aufgeben. Der Auto- und Industriezulieferer kündigte zudem den Abbau von 3.460 Stellen an, davon 2.660 in Deutschland.
Unternehmen begründet Einschnitte mit Autokrise
Der Vorstand begründet das neue Sparprogramm mit der Krise der europäischen Autoindustrie und hohen Kosten. In den ersten neun Monaten sank der Umsatz auf 17,5 Milliarden Euro; der Nettogewinn lag bei elf Millionen Euro nach einem Verlust von 244 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Vorstand will auf zehn Prozent Gehalt verzichten
Die verbleibende Belegschaft soll vorübergehend einen Solidaritätsbeitrag leisten. Vorstandschef Klaus Rosenfeld kündigte an, dass der Vorstand mit einem Gehaltsverzicht von zehn Prozent vorangehen wolle.
Weitere Kürzungen nach Vitesco-Übernahme
Der Stellenabbau folgt auf frühere Sparmaßnahmen. Nach der Übernahme von Vitesco Anfang 2024 war die weltweite Beschäftigtenzahl zunächst auf 115.000 Ende 2024 gestiegen. Für 2029 hatte Schaeffler bereits den Abbau von 4.700 Arbeitsplätzen beschlossen; ein Altersteilzeitprogramm sieht weitere 1.800 Stellenstreichungen vor.
Deutsche Belegschaft schrumpft deutlich
Ende September beschäftigte Schaeffler in Deutschland 31.957 Menschen. Gemessen daran entspricht der nun angekündigte Abbau rechnerisch rund 18 Prozent der heimischen Belegschaft. Der Konzernbetriebsrat und die IG Metall kritisierten die Pläne scharf und forderten ein Zukunftskonzept für deutsche Produkte, Technologien und Standorte.
Zulieferer unter Druck
Schaefflers größtes Geschäft umfasst Komponenten für Motoren, Getriebe und Fahrwerke von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und Elektroantrieb. Sinkende Umsätze in diesem Bereich treffen den Konzern ebenso wie der Preisdruck der Autohersteller und die wachsende Konkurrenz chinesischer Anbieter.
Die Arbeitnehmervertretungen warfen der Unternehmensspitze vor, mit weiteren Abbauprogrammen den Standort Deutschland zu schwächen. Sie verlangen Angaben dazu, wo künftig investiert und welche Beschäftigung bis 2030 gesichert werden soll.
Die angekündigten Einschnitte stehen im Zusammenhang mit dem tiefgreifenden Umbau der europäischen Autoindustrie. Zulieferer müssen gleichzeitig den Rückgang klassischer Antriebstechnik, den hohen Preisdruck bei Elektrofahrzeugen und die schwächere Nachfrage in wichtigen Märkten bewältigen. Für Unternehmen mit vielen deutschen Produktions- und Entwicklungsstandorten verschärfen zudem hohe Arbeits- und Energiekosten den Anpassungsdruck.
Schaeffler hat seine industrielle Basis durch die Übernahme von Vitesco Anfang 2024 zunächst deutlich vergrößert. Dem Ausbau folgt nun eine Konsolidierung: Auf den bereits beschlossenen Abbau von 4.700 Stellen und das Altersteilzeitprogramm mit 1.800 geplanten Stellenstreichungen soll ein weiterer Abbau von 3.460 Arbeitsplätzen folgen. In Deutschland entspräche die zusätzliche Reduzierung gemessen an der Ende September genannten Belegschaft nahezu einem Fünftel.
Folgen für Beschäftigte und Standorte
Für die betroffenen Regionen bedeuten Werksschließungen mehr als den Verlust einzelner Arbeitsplätze. Sie gefährden auch Aufträge für lokale Dienstleister und schwächen industrielle Wertschöpfungsketten. Betriebsrat und IG Metall verlangen deshalb ein Konzept, das den Abbau mit klaren Perspektiven für Produkte, Technologien und Investitionen in Deutschland verbindet.
Der Konzern will die Einsparungen durch einen befristeten Gehaltsverzicht der verbleibenden Beschäftigten ergänzen. Dass der Vorstand dabei mit einem zehnprozentigen Verzicht vorangehen will, soll die Lastenverteilung innerhalb des Unternehmens sichtbar machen. Entscheidend für die langfristige Wirkung bleibt jedoch, ob Schaeffler neben Kostensenkungen ausreichend neue Geschäftsfelder und wettbewerbsfähige Produkte entwickelt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: Schaeffler reduziert erneut Tausende Arbeitsplätze (03.11.2026)
Der WDR bestätigt den Abbau von rund 3.500 Stellen in Europa und die geplante Schließung des Dortmunder Standorts. Als zusätzliche Schwerpunkte nennt der Beitrag die erwarteten jährlichen Einsparungen ab 2030, die Kosten des Programms und die Kritik der Arbeitnehmervertretungen.
ntv: Autozulieferer Schaeffler baut Tausende weitere Jobs ab (03.11.2026)
ntv bestätigt ebenfalls die vier deutschen Standortschließungen und den Abbau von 3.460 Stellen. Der Beitrag hebt neben den vom Unternehmen genannten Gründen die finanziellen Eckdaten des laufenden Quartals und die geplanten jährlichen Einsparungen hervor. Einigkeit besteht beim Umfang der Maßnahmen; unterschiedliche Akzente setzen die Beiträge bei den regionalen Folgen und den wirtschaftlichen Kennzahlen.
