Schaeffler schreibt 240 Millionen Euro für E-Mobilität ab
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 12:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSchaeffler baut China-Geschäft um
- Schaeffler schrieb in der E-Mobilitätssparte 240 Millionen Euro ab.
- Vorstandschef Klaus Rosenfeld will künftig stärker chinesische Hersteller als Kunden gewinnen.
- In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz der E-Antriebe auf 3,9 Milliarden Euro.
- Bis Ende September wurden 3.715 Stellen im Abbauprogramm erreicht.
Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler hat wegen schwächer erwarteter Geschäfte mit europäischen Herstellern in China 240 Millionen Euro in seiner E-Mobilitätssparte abgeschrieben.
Europäische Kunden verlieren in China an Boden
Vorstandschef Klaus Rosenfeld sagte der Deutschen Presse-Agentur, Schaeffler wolle bei der E-Mobilität in China künftig vor allem mit chinesischen Herstellern wachsen. Chinesische Kunden griffen zunehmend auf Angebote heimischer Autobauer zurück und verschmähten europäische Fahrzeuge.
Trotz der Abschreibung blieb das Geschäft mit Elektroantrieben in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres das einzige Wachstumsfeld unter den vier klassischen Schaeffler-Sparten. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,2 Milliarden auf 3,9 Milliarden Euro.
Europa bietet bessere Bedingungen
Für Europa sieht Rosenfeld derzeit einen Boom bei der E-Mobilität. Als Gründe nannte er den hohen Ölpreis und attraktive Förderbedingungen.
Andere Geschäftsbereiche entwickelten sich schwächer. Das Geschäft mit der Wartung von Antrieben und das Industriegeschäft stagnierten. Die Umsätze mit klassischen Antrieben für Verbrennungsmotoren sanken von 6,7 auf 6,3 Milliarden Euro; über alle Sparten gingen die Umsätze um 0,2 Milliarden auf 17,5 Milliarden Euro zurück.
Aufträge für Roboter und Raumfahrt
Neue Wachstumschancen sieht Schaeffler in Rüstung, Raumfahrt und Komponenten für humanoide Roboter. Für diese Bereiche stehen nach Angaben des Unternehmens inzwischen Aufträge im Wert von 400 Millionen Euro in den Büchern; zudem gewann der Konzern zwei neue Kunden aus China.
Stellenabbau läuft schneller als geplant
Am Vortag hatte Schaeffler mitgeteilt, dass 1.800 Beschäftigte ein Angebot zur Altersteilzeit angenommen hätten. Geplant waren zunächst 1.300 Teilnehmer.
Auch das 2024 gestartete Programm zum freiwilligen Abbau von 4.700 Arbeitsplätzen kommt schneller voran. Bis zum 30. September 2026 waren 3.715 Stellen erreicht. Nach aktueller Planung soll die Zielgröße bereits Ende 2028 und damit ein Jahr früher als vorgesehen erreicht werden.
Abschreibung zeigt den Anpassungsdruck
Die Abschreibung von 240 Millionen Euro markiert für Schaeffler eine Korrektur der Erwartungen an das Geschäft mit europäischen Fahrzeugherstellern in China. Der Konzern hält zugleich an der E-Mobilität als Wachstumsfeld fest: In den ersten neun Monaten legten die Umsätze der Sparte auf 3,9 Milliarden Euro zu.
Der entscheidende Strukturwandel liegt in der Verschiebung der Nachfrage. Chinesische Autobauer gewinnen im eigenen Markt an Gewicht, während europäische Marken dort unter Preisdruck und einer schwächeren Nachfrage leiden. Für Zulieferer bedeutet das, dass technische Kompetenz allein nicht genügt; gefragt sind lokale Kundenbeziehungen, wettbewerbsfähige Kosten und Produkte, die zu den Entwicklungszyklen chinesischer Hersteller passen.
Neue Geschäftsfelder sollen Lücken schließen
Schaeffler versucht deshalb, das China-Geschäft breiter aufzustellen und zugleich neue Erlösquellen zu erschließen. Aufträge für Rüstung, Raumfahrt und Komponenten für humanoide Roboter sollen den Umbau ergänzen. Die genannten 400 Millionen Euro in den Auftragsbüchern liefern dafür eine konkrete Ausgangsbasis, ersetzen aber noch nicht die rückläufigen klassischen Antriebe.
Für Beschäftigte ist der beschleunigte Stellenabbau unmittelbar relevant. Wenn das freiwillige Programm bereits Ende 2028 statt Ende 2029 abgeschlossen werden soll, dürfte der Konzern seine Kostenstruktur schneller an die veränderte Nachfrage anpassen. Für Kunden und Anleger bleibt damit entscheidend, ob das Wachstum der E-Sparte und der neuen Felder den Rückgang im Verbrennergeschäft dauerhaft ausgleichen kann.
