Schaeffler, Millionen

Schaeffler: 240 Millionen Euro Sonderlasten belasten die E-Mobilität

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neunmonatsumsatz und Quartalsmarge stehen unter Druck; E-Mobilität wächst, während der Konzern Stellen schneller als geplant abbaut.

Schaeffler: 240 Millionen Euro Sonderbelastungen drücken auf Ergebnis
Leere, stillgelegte Produktionsanlagen in einer modernen Industriehalle bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler AG hat vorläufige Geschäftszahlen für die ersten neun Monate 2026 vorgelegt. Das Zahlenwerk wird von Sonderabschreibungen und Rückstellungen im Bereich der E-Mobilität in Höhe von rund 240 Millionen Euro belastet. Der Großteil dieses Betrags, etwa 220 Millionen Euro, entfällt dabei auf das dritte Quartal 2026. Gleichzeitig verzeichnete der Konzern einen stagnierenden Umsatz.

Schwache Nachfrage europäischer Hersteller in China

Als Hauptursache für die Sonderbelastungen führt das Unternehmen anhaltende Volumenreduzierungen bei Projekten europäischer Automobilhersteller an, die sich vor allem im chinesischen Markt bemerkbar machen.

Konzernchef Klaus Rosenfeld erklärte dazu, dass sich diese Problematik seit Beginn des Jahres deutlich verschärft habe. Da europäische Hersteller in China schwächer als erwartet abschnitten, beabsichtige Schaeffler künftig eine stärkere Expansion mit chinesischen Produzenten.

Die vorgenommenen Abschreibungen betreffen vor allem Produktionsanlagen, die nicht mehr benötigt werden, und dienen der Bereinigung von Überkapazitäten innerhalb der E-Mobilitätssparte. Zudem vollzieht das Unternehmen eine Portfoliobereinigung im Segment der Thermomanagementsysteme für die Batteriekühlung.

Konzernumsatz stagniert und Margen unter Druck

Im dritten Quartal 2026 lag der Konzernumsatz bei 5,8 Milliarden Euro, was dem Wert des Vorjahresquartals von 5,8 Milliarden Euro entspricht. Die bereinigte EBIT-Marge vor Sondereffekten sank im Quartal um 0,3 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent nach 4,5 Prozent im Vorjahr. Der Free Cash Flow vor M&A erreichte im dritten Quartal plus 260 Millionen Euro, verglichen mit plus 175 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Für die ersten neun Monate 2026 weist Schaeffler einen Gesamtumsatz von 17,5 Milliarden Euro aus, was einem Rückgang von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 17,7 Milliarden Euro entspricht.

Die EBIT-Marge vor Sondereffekten belief sich in diesem Zeitraum auf 4,5 Prozent nach 4,2 Prozent im Vorjahr. Der Free Cash Flow für die ersten neun Monate lag bei minus 40 Millionen Euro, nachdem im entsprechenden Vorjahreszeitraum noch plus 47 Millionen Euro erzielt worden waren.

Entwicklung der operativen Segmente

Trotz der Ergebnisbelastung bildete die Sparte E-Mobility das einzige Wachstumsfeld unter den vier klassischen Sparten. Der Spartenumsatz stieg in den ersten neun Monaten von 3,7 Milliarden Euro im Vorjahr auf 3,9 Milliarden Euro.

Die bereinigte EBIT-Marge vor Sondereffekten verbesserte sich in diesem Zeitraum auf minus 14,8 Prozent nach minus 17,8 Prozent im Vorjahr; im dritten Quartal lag sie bei minus 13,1 Prozent nach minus 15,0 Prozent im Vergleichszeitraum.

Demgegenüber schrumpften die Erlöse im Bereich Powertrain & Chassis für klassische Antriebe in den ersten neun Monaten von 6,7 Milliarden auf 6,3 Milliarden Euro bei einer Marge von 10,8 Prozent nach zuvor 11,5 Prozent. Auf das dritte Quartal entfielen hierbei ein Umsatz von 2,1 Milliarden Euro und eine Marge von 10,2 Prozent.

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Die Sparte Vehicle Lifetime Solutions erzielte nach neun Monaten unverändert einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro bei einer Marge von 15,1 Prozent nach 14,8 Prozent im Vorjahr. Der Bereich Bearings & Industrial Solutions wies einen stabilen Umsatz von 4,8 Milliarden Euro und eine Margensteigerung von 7,8 auf 8,9 Prozent auf.

Im neuen Geschäftsfeld der humanoiden Robotik verbuchte Schaeffler im dritten Quartal 2026 einen Auftragseingang von rund 400 Millionen Euro sowie zwei neue Kunden in der Region Greater China.

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Sparkurs und Ausblick

Das Unternehmen hält an seiner Jahresprognose für 2026 und den Mittelfristzielen für 2028 fest. Der Break-even in der E-Mobilität bleibt dabei das zentrale Ziel.

Beim Stellenabbau kommt Schaeffler schneller voran als geplant: Von den brutto 4.700 vorgesehenen Stellen waren bis Ende September 2026 bereits 3.715 abgebaut. Das Ziel soll nun bereits Ende 2028 und damit ein Jahr früher als ursprünglich avisiert erreicht werden.

Bei der Altersteilzeit einigte sich der Konzern mit 1.800 Mitarbeitern statt der ursprünglich anvisierten 1.300. Die für 2029 angepeilte Kostensenkung von 290 Millionen Euro dürfte um mehr als 20 Prozent übertroffen werden. Im dritten Quartal 2026 löste Schaeffler zudem nicht mehr benötigte Rückstellungen in Höhe von rund 84 Millionen Euro auf.

Die Schaeffler-Aktie fiel zeitweise auf 5,63 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit einem Jahr. Mit einem Minus von 4,2 Prozent auf 5,70 Euro bildete das Papier das Schlusslicht im MDAX; das Minus seit Jahresbeginn beläuft sich auf rund 30 Prozent.

Analystin Vanessa Jeffriess vom Analysehaus Jefferies merkte an, dass Umsatz und EBIT den Erwartungen entsprochen hätten, jedoch unter dem Konsens lägen, wobei der Druck auf das Geschäft nicht sonderlich überraschend komme.

Die abschließenden und geprüften Zahlen für die ersten neun Monate 2026 will die Schaeffler AG am 3. November 2026 im Rahmen einer Zwischenmitteilung veröffentlichen.

Mehr zum Thema bei Augsburger Allgemeine: „Autozulieferer: Schaeffler schreibt 240 Millionen Euro auf E“

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