SBTi-Standard, CO2-Zertifikate

SBTi-Standard 2.0: CO2-Zertifikate ab 2035 für große Unternehmen Pflicht

17.06.2026 - 07:23:46 | boerse-global.de

Neue SBTi-Richtlinien integrieren CO2-Zertifikate offiziell in Klimastrategien. Unternehmen drohen ab 2035 verbindliche Quoten.

SBTi-Standard 2.0: CO2-Zertifikate werden Pflicht ab 2035
SBTi-Standard - Digitale CO2-Zertifikate fließen als Datenströme in eine grüne Landschaft, symbolisierend Wachstum und Umweltverantwortung. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

0 ihres Corporate Net-Zero Standards veröffentlicht. Damit werden CO2-Zertifikate erstmals zu einem formellen Bestandteil unternehmerischer Klimastrategien. Kernstück ist das Programm für laufende Emissionsverantwortung (Ongoing Emissions Responsibility, OER).

Drei Phasen zur Klimaneutralität

Das OER-Programm gliedert sich in drei Phasen. Ab sofort steht Unternehmen ein optionales Anerkennungsprogramm offen. Als Orientierung dient ein Beitragsbudget von 80 US-Dollar pro Tonne CO2.

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Ab 2035 wird die Nutzung von CO2-Zertifikaten für große Unternehmen verpflichtend. Sie müssen dann mindestens ein Prozent ihrer Emissionen durch dauerhafte CO2-Entnahmen (Carbon Dioxide Removal, CDR) decken. Die Quote steigt bis 2050 schrittweise auf 100 Prozent. Die dritte Phase umfasst die vollständige Neutralisierung der verbleibenden Emissionen im Zieljahr.

Branchenanalysten von Sylvera prognostizieren eine deutliche Marktbelebung. Die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten könnte bis 2030 um fast 170 Prozent steigen. Emissionsreduzierungen im eigenen Betrieb bleiben zwar der Kern des Standards. Das OER-Konzept bietet Unternehmen aber nun einen klaren Rahmen für ergänzende Klimaschutzmaßnahmen.

Kritik an Lobbying und Bilanzierungsregeln

Umweltorganisationen stoßen den neuen Standard sauer auf. Sie werfen der SBTi vor, den Standard unter Lobbyeinfluss aus der Technologiebranche verwässert zu haben. Unternehmen wie Meta und Amazon sollen erfolgreich gegen eine Verpflichtung zum stündlichen Nachweis von Grünstrom (Hourly Matching) interveniert haben. Der Standard behält stattdessen das jährliche Matching bei – aus Sicht von Klimaschutzgruppen ein Greenwashing-Risiko.

Kritik gibt es auch an der neuen Best-Efforts-Klausel. Sie erlaubt Unternehmen, im Validierungsrahmen zu bleiben, auch wenn sie Klimaziele verfehlen – solange sie nachweislich in gutem Glauben gehandelt haben. Auch die Möglichkeit, Scope-3-Emissionen flexibler durch Umweltzertifikate auszugleichen, beobachtet der WWF kritisch.

EU-Emissionshandel verschärft Kostendruck

Parallel zu den privaten Standards verschärft sich der regulatorische Rahmen in Europa. Die EU-Kommission hat Mitte Juni neue Benchmark-Werte für das Emissionshandelssystem (EU-ETS) beschlossen. Besonders die energieintensive Industrie trifft das hart.

Die deutsche Chemieindustrie rechnet ab 2026 mit jährlichen Mehrkosten im dreistelligen Millionenbereich. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) bezeichnete die neuen Benchmarks als realitätsfern. Auch die Papier- und Zellstoffindustrie sieht sich belastet – der Branchenverband beziffert die Zusatzkosten auf rund 140 Millionen Euro pro Jahr.

Mehrere Umweltverbände forderten in einem offenen Brief an Bundeskanzler Merz, den EU-Emissionshandel trotz des wirtschaftlichen Drucks zu stärken. Politische Eingriffe in das System dürfe es nicht geben.

Unternehmen stellen sich neu auf

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Ungeachtet der Debatten passen sich immer mehr Unternehmen den Vorgaben an. Der Automobilzulieferer Stabilus SE hat sich zur Festlegung von Klimazielen gegenüber der SBTi verpflichtet. Das Unternehmen hat nun 24 Monate Zeit für die Definition und Validierung seiner Reduktionspfade.

Gleichzeitig entstehen neue Kapazitäten für technische Klimalösungen. Ein Konsortium aus Technip Energies, Airbus, Safran und Tereos plant ein Joint Venture namens Rebound. Im Hafen von Dünkirchen sollen jährlich 160.000 Tonnen nachhaltiger Flugkraftstoff (eSAF) produziert werden.

Im Bereich naturbasierter Lösungen meldete Karbon-X die Registrierung eines Mangroven-Projekts im Senegal. Auf 7.500 Hektar sollen über 40 Jahre rund 2,2 Millionen Tonnen CO2 gebunden werden.

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