SAP-Vertrauen, Tiefstand

SAP-Vertrauen auf Tiefstand: Nur 54% der Mitarbeiter trauen Vorstand

30.05.2026 - 16:48:52 | boerse-global.de

Interne SAP-Befragung zeigt Vertrauensverlust in die Führung. Nur 54 Prozent der Mitarbeiter unterstützen den Vorstand.

SAP-Vertrauen auf Tiefstand: Nur 54% der Mitarbeiter trauen Vorstand - Foto: über boerse-global.de
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Eine interne Mitarbeiterbefragung zeigt: Das Vertrauen in die Konzernführung ist auf ein neues Tief gefallen. Nur noch etwas mehr als die Hälfte der Belegschaft spricht dem Vorstand das Vertrauen aus – ein alarmierender Wert für den Dax-Konzern.

Die im April 2026 durchgeführte Umfrage „#Unfiltered“ offenbart einen deutlichen Stimmungsabschwung. Wie die neu gewählte Vorsitzende des SAP-Gesamtbetriebsrats, Nathalie Boulay, Ende Mai mitteilte, sank die Zustimmung zum Vorstand auf 54 Prozent. Das sind fünf Prozentpunkte weniger als im ersten Halbjahr 2025. Auch andere Kennzahlen gaben nach: Nur noch 63 Prozent glauben an die Umsetzung der Unternehmensstrategie, und die Begeisterung für die Zukunft von SAP fiel auf 62 Prozent.

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Spaltung der Belegschaft: Ältere verunsichert, Jüngere hoffnungsvoll

Boulay, die Ende April zur Betriebsratschefin gewählt wurde, beschreibt eine gespaltene Stimmungslage. Auf der einen Seite stehe eine negative Grundstimmung, befeuert durch den Kursverfall der SAP-Aktie, die Anfang des Jahres um 25 Prozent einbrach, sowie durch wachsende geopolitische Unsicherheiten. Auf der anderen Seite gebe es eine positive Dynamik unter jüngeren Mitarbeitern, die sich aktiv an der Transformation hin zur Künstlichen Intelligenz beteiligen wollen.

Die Betriebsratsvorsitzende, die für ihren konstruktiven Kurs und ihre kritische Distanz zur klassischen Gewerkschaftsarbeit bekannt ist, betonte, dass das Gremium noch keine einheitliche Position zum Vertrauensverlust gefunden habe. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass die IG Metall bei den Betriebsratswahlen im März dieses Jahres Boden gutmachen konnte. Sie sicherte sich 11 von 45 Sitzen, bei einer Wahlbeteiligung von 37 Prozent.

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Die direkten Vorgesetzten sind das letzte Bollwerk

Die Umfrageergebnisse zeigen eine dramatische Kluft zwischen der Konzernspitze und den direkten Führungskräften. Während das Vertrauen in den Vorstand bröckelt, bleibt der Leadership Index – der die Beziehung zu den direkten Vorgesetzten misst – mit 86 Prozent auf einem hohen Niveau. Der allgemeine Engagement Index hingegen ist auf 73 Prozent abgerutscht. Das ist der niedrigste Wert seit 2020, als der Index noch bei 86 Prozent lag.

Als Hauptgründe für den Stimmungseinbruch gelten interne Analysen zufolge:

  • Die jüngsten Stellenstreichungen und Umstrukturierungen.
  • Eine verschärfte Home-Office-Politik mit erhöhter Präsenzpflicht.
  • Die Einführung eines neuen Leistungsbewertungssystems.

Ein SAP-Sprecher erklärte, die Ergebnisse bestätigten eine solide Basis für das Unternehmen. Die Umfrage sei vor der Hausmesse Sapphire durchgeführt worden, die für weitere positive Impulse gesorgt habe.

Milliarden für die KI-Strategie – und fürs Betriebsklima

Um die internen Spannungen zu lösen, hat SAP-Personalvorständin Gina Vargiu-Breuer mehrere Initiativen angekündigt. Dazu gehören eine grundlegende Überarbeitung des Vergütungssystems, ein erweitertes Schulungsangebot im Bereich Künstliche Intelligenz und mehr Transparenz in der Unternehmenskommunikation.

Diese Personalstrategie ist Teil eines grundlegenden Wandels des SAP-Geschäftsmodells. Der Konzern richtet seine KI-Strategie durch milliardenschwere Übernahmen neu aus. Dazu zählen die Zukäufe von Reltio, Dremio und Prior Labs. Allein in Prior Labs will SAP in den nächsten vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro investieren, um es als Speziallabor für strukturierte Daten zu etablieren.

Neben der KI treibt SAP das Sovereign Cloud-Geschäft voran. Martin Merz, Präsident von Sovereign Cloud bei SAP, bestätigte Ende Mai, dass das Unternehmen in diesem Bereich Investitionen von insgesamt 20 Milliarden Euro angekündigt hat. Die Initiative zielt auf Daten- und Rechtssouveränität für Hochsicherheitskunden wie Hensoldt, Lockheed Martin und verschiedene Regierungsbehörden ab. Merz betonte die Notwendigkeit, dass Europa über ideologische Debatten hinauswachsen und sich auf praktische digitale Souveränität konzentrieren müsse, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

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